Gezeigt werden vor allem kleinere Exponate der Raumfahrt. Die ganz großen – etwa die sowjetische Raumstation Saljut 6 und die Internationale Raumstation ISS – hängen als verkleinerte Modelle von der Hallendecke. Man wolle anhand einzelner Objekte vor allem den „Alltag im All“ zeigen, sagte Joseph Hoppe, der Stellvertretende Direktor des Museums.
Reinhold Ewald rettete die Maske
Zur Präsentation waren auch zwei Raumfahrer gekommen: Eberhard Köllner, der vor genau 40 Jahren als Double für den ersten deutschen Raumfahrer Sigmund Jähn fungierte, und Reinhold Ewald, der unter anderem 1997 zur Raumstation Mir flog. Ewald zeigte zum Beispiel auf eine schwarze Atemmaske, die in einem der Schaukästen zu sehen ist.
Hein Blöd, Sandmännchen und Gummi-Kosmonaut flogen einst mit ins All.
© SDTB / Foto: Clemens Kirchner
„Diese Maske hat mir das Leben gerettet“, sagte er und erzählte, wie während seines Raumflugs im Februar 1997 an Bord der Raumstation Mir ein Feuer ausbrach, ausgelöst durch eine erhitzte Sauerstoffpatrone. Es war schnell gelöscht, aber gegen die Rauchentwicklung mussten Ewald und die fünf weiteren Kosmonauten zweieinhalb Stunden ihre Sauerstoffmasken tragen, bis die Luft wieder gereinigt war. „Es ist das aufregendste Relikt aus meinem persönlichen Flug“, sagte Ewald.
Schätze, die einst im Weltall waren
Und so finden sich viele Dinge: zum Beispiel ein kleiner Schlüssel, mit dem man eine tonnenschwere Sojus-Rakete starten kann, der Raumanzug Sokol, mit dem die Kosmonauten in den 80er-Jahren ins Weltall flogen, eingeschweißte Nasa-Shrimps, Fernsehfiguren wie das Sandmännchen (Ost) und Hein Blöd (West). Sie wurden einst von Raumfahrern mit ins All genommen und stehen heute symbolisch für die gemeinsame Geschichte. Ewald erzählte, wie er beim Raketenstart Hein Blöd auf dem Schoß hielt und dieser durch die Beschleunigung immer schwerer wurde. „Wir hatten eine sehr enge Verbindung.“
Das Modell der sowjetischen Raumstation Saljut 6 hängt im Maßstab 1:25 von der Decke des Deutschen Technikmuseums in Berlin-Kreuzberg.
© SDTB / Foto: Uwe Steinert
Vor einigen Jahrzehnten wäre es noch fast undenkbar gewesen, dass sich ein Museum ganz selbstverständlich der gemeinsamen Geschichte unter den Stichworten „zwei Staaten, elf Raumfahrer“ widmet. Chronologisch wird die Entwicklung nachvollzogen: „von den ersten Flügen zur Zeit des Kalten Krieges in sowjetischen und amerikanischen Raumschiffen über die beginnende Zusammenarbeit zwischen Ost und West auf der russischen Raumstation Mir bis hin zum Bau und Betrieb der ISS“, wie es in der Mitteilung des Technikmuseums heißt.
Auf Schultern zusammen ins All
Aus Gegnern im Kalten Krieg seien Partner im All geworden. Genau dies spielte bei der Eröffnung der Ausstellung eine zentrale Rolle. „Wir haben schon lange zueinander gefunden“, sagte Reinhold Ewald, als er über die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus dem Osten berichtete, vor allem auch mit Sigmund Jähn. Dieser wird von vielen deutschen Raumfahrern verehrt, nicht nur weil er am 26. August 1978 als erster Deutscher ins All gestartet war. Nein, auch wegen seiner kollegialen, bescheidenen Art als Berater für die jüngeren Raumfahrer aus dem Westen. „Sigmund, wir sind auf deinen Schultern in den Weltraum geflogen“, sagte jüngst Alexander Gerst, der zurzeit als Astronaut auf der ISS weilt. Jähns einstiges Double Eberhard Köllner sprach von „tollen Menschen, die ich kennenlernen durfte“.
Der größte Teil der Ausstellungsobjekte stammt aus dem Raumfahrtmuseum Mittweida. Dessen Leiter Tasillo Römisch erzählte, wie schwer es noch vor 20 Jahren war, Menschen für die Raumfahrtgeschichte zu interessieren. Heute sei das Thema „wieder angesagt“, meinte Joseph Hoppe vom Technikmuseum. Und man war sich einig darin, dass auch die kommunikative Art von Alexander Gerst zu diesem Imagewandel beigetragen habe. Schon seit langem wolle man eine Raumfahrt-Sammlung im Deutschen Technikmuseum aufbauen, sagte Heiko Triesch, der Kurator der Ausstellung.
Dauerausstellung geplant
Nach dem Ende der Sonderschau am 30. Dezember soll in der Luft- und Raumfahrtabteilung schrittweise eine Dauerausstellung entstehen, für die auch noch das eine oder andere größere Objekt angekauft werden soll. Das Problem des Hauses ist der Platz. Die Luft- und Raumfahrtetage ist vollgestopft mit Fluggeräten aller Art. Großausstellungen wie etwa im Technikmuseum Speyer, wo neben der Mondlandefähre auch das riesige russische Space Shuttle Buran zu sehen ist, wird man garantiert nicht übertrumpfen können. Dennoch wünscht sich das Museum mehr Platz, um größere Objekte zeigen zu können.
Der ideale Ort sei ein Hangar des alten Flugplatzes Tempelhof, sagte Joseph Hoppe. Er sprach von „mindestens einem Hangar“. Das Museum sei zurzeit dabei, diese Idee voranzubringen. Kurator Heiko Triesch hielt eine orangefarbene Box hoch und sagte: „Dies ist so ziemlich alles, was wir vor drei bis vier Jahren hatten“ – die Raumfahrt betreffend. Es handelte sich um Kosmonautennahrung, Gebäck mit einer Tube Quark, abgelaufen in den 80er-Jahren. Diese stand selbstverständlich nicht zur Verkostung.
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