Ein attraktiver Tarif sei ein „richtiges und wichtiges Ziel“, sagte der oberste Finanzer der Berliner Zeitung. „Wir kommen dem Modell am nächsten mit einem modifizierten Jobticket, zu dem sowohl die Arbeitgeber als auch die öffentliche Hand und die BVG einen Beitrag leisten.“
270 Millionen Euro Zuschuss
Wie berichtet gelten für das Angebot, das sich an Arbeitnehmer richtet, neue Regularien – und niedrigere Preise. Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber für jeden Arbeitnehmer mit Firmenticket einen Zuschuss leistet. Je nachdem, ob er zehn oder 15 Euro pro Monat beisteuert, wird ein Rabatt von vier oder acht Euro gewährt. Unterm Strich führt das dazu, dass eine Jahreskarte für die Stadt Berlin (Tarifgebiet Berlin AB) demnächst ab 452 Euro zu haben ist. Heute kostet ein reguläres Jahresticket bei Einmalabbuchung 728 Euro.
„Mit dem 452-Euro-Ticket sind wir nicht mehr weit entfernt von dem aktuell diskutierten 365-Euro-Ticket“, sagte Kollatz. „Das müssen wir schrittweise weiterentwickeln.“
Diese Preissenkung würde die öffentliche Hand nicht so stark belasten, als wenn das reguläre Jahresticket auf 365 Euro verbilligt würde. In letzterem Fall würde sich der jährliche Zuschussbedarf für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die S-Bahn Berlin um 270 Millionen Euro erhöhen. Davon geht wie berichtet die BVG in einer Hochrechnung aus.
Weil das Firmenticket vor allem von Berliner Unternehmen genutzt wird, hielte sich auch die Belastung Brandenburger Akteure in engen Grenzen. Vor allem aber würde das Kollatz-Modell den Blick auf das nun verbesserte Firmenticket lenken, das für Pendler ziemlich attraktiv ist.
Zwar berichtet der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) von einem zunehmendem Interesse. „Wir sind mit mehr als 250 Firmen im Gespräch“, bestätigte die BVG-Sprecherin Petra Nelken. „Manche Arbeitgeber übernehmen 100 Prozent der Kosten. So kann man Mitarbeiter gewinnen.“ Doch natürlich ist die Nachfrage steigerungsfähig.
Wie berichtet hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) schon zu Beginn der Debatte über das 365-Euro-Ticket auf das Firmenticket hingewiesen. „Insofern wäre es jetzt an der Zeit, eine gezielte Kampagne zu starten“, so Landesgeschäftsführer Tilmann Heuser. „Die Bundeszuwendung ist bereits enthalten“ – Zuschüsse zu Firmentickets sind nun steuerfrei.
So könnte das 365-Euro-Ticket funktionieren: Senator Kollatz hat ein Konzept.
© Markus Wächter
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bezeichnete Müllers Vorschlag als „interessant“. Aber: „Was wir in Brandenburg brauchen, ist ein deutlich dichterer Takt, das heißt, wir brauchen mehr Busse, mehr Bahn, brauchen auch dafür das Geld“, sagte er am Dienstag.
Verkehrssenatorin in der Pflicht?
Unterdessen versucht die oppositionelle CDU, Müllers umstrittenen Alleingang zu nutzen, um Zwist in der rot-rot-grünen Koalition zu sähen. Es sei erstaunlich, dass der Senatschef „den Verkehrsverbund in eine ernste Krise und Zerreißprobe führt, aber Verkehrssenatorin Regine Günther dazu schweigt und abgetaucht bleibt“, sagte CDU-Verkehrsexperte Oliver Friederici. Tatsächlich hat sich bisher nur ein Sprecher Günthers geäußert – und zwar skeptisch. Das reiche nicht aus, so Friederici: „Wer, wenn nicht Frau Günther kann jetzt die Wogen glätten und Deutschlands größten Verkehrsverbund vor seiner drohenden Auflösung bewahren.“
Das sind neue Töne, ist doch Grünen-Politikerin Günther mit ihrer Kritik am Auto sonst Ziel teils scharfer Kritik der CDU. Und tatsächlich schickte Friederici eine Forderung hinterher: Von der Senatorin erwarte er konkrete Vorschläge, wie sie Kunden entlasten und gleichzeitig Busse und Bahnen attraktiver machen will. „Ihr beharrliches Schweigen ist inakzeptabel“, sagte der CDU-Politiker.
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