350 Euro Rente für Veronika Fischer

Betrog die DDR ihre Superstars?

Wie gerecht war das DDR-Rentensystem für Künstler?

Norbert Koch-Klaucke
Lesezeit 4 Min
Gegen die späte Renten-Rache der DDR klagt die Sängerin Veronika Fischer vor Gericht.

Gegen die späte Renten-Rache der DDR klagt die Sängerin Veronika Fischer vor Gericht.

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Gegen die späte Renten-Rache der DDR klagt die Sängerin vor Gericht. Die 65-Jährige will nicht hinnehmen, dass die DDR mit ihren Erfolgen Millionen kassierte, sie nun dafür im wiedervereinten Deutschland mit einem Altersruhegeld unter Hartz-IV-Niveau abgespeist werden soll. Daher kämpft Veronika Fischer um Anerkennung für das ihr in der DDR wiederfahrene Unrecht.

Veronika Fischer beim Singen ihrer Hits im Studio. Pro Song gab es für die Sängerin nur 500 DDR-Mark. Die Plattenfirma kassierte Millionen.

Veronika Fischer beim Singen ihrer Hits im Studio. Pro Song gab es für die Sängerin nur 500 DDR-Mark. Die Plattenfirma kassierte Millionen.

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Nur monatlich 350 Euro soll die Hit-Sängerin („Auf der Wiese“, „Klavier im Fluss“) als Alterslohn für ihre Erfolge in der DDR erhalten. Dass sie später auch im Westen Geld verdiente, soll hier keine Rolle spielen, ihr geht es ums Prinzip.

Sie hatte von 1975 bis 1980 vier Alben produziert, über zwei Millionen Platten verkauft. „Hätte man mich damals besser bezahlt, mich wie international üblich an den Platten-Umsätzen beteiligt, hätte ich auch mehr in die Rentenversicherung einzahlen können und würde heute eine angemessenere Rente für meine DDR-Arbeitsjahre beziehen“, sagt Veronika Fischer dem KURIER.

Trotz Erfolge in der DDR: Große Sprünge konnte auch Angelika Mann mit ihrer Rente nicht machen.

Trotz Erfolge in der DDR: Große Sprünge konnte auch Angelika Mann mit ihrer Rente nicht machen.

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Die Sängerin rechnet vor: „Von meiner ersten LP von 1975 wurden im ersten Jahr bereits 500.000 Stück verkauft. Die Schallplattenfirma Amiga verdiente über acht Millionen DDR-Mark. Ich bekam aber nur einmalig 500 DDR-Mark pro Lied.“ Zehn Prozent vom Umsatz bekamen laut DDR-Recht nur Texter und Komponist. Den Rest kassierte Amiga. „Das ist Unrecht!“

Seit fünf Jahren kämpft die Sängerin vergeblich bei Ämtern um Anerkennung auf wiederfahrenes DDR-Unrecht und damit auf das Anrecht auf eine bessere Rente. Der Star zog darum vors Berliner Verwaltungsgericht. Doch die Richterin schmetterte die Klage mit der Begründung ab: Das Unrecht ging von einer Plattenfirma und nicht von einer DDR-Behörde aus (KURIER berichtete).

Auch Walter Plathe lebt von einer kleinen Rente.

Auch Walter Plathe lebt von einer kleinen Rente.

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Aber Veronika Fischer gibt nicht auf. Sie kämpft weiter! Gegen das Urteil legte sie jetzt Revision ein. „Das Urteil ist falsch“, sagt sie. „Amiga war eine staatseigene Firma, die damit den DDR-Behörden unterstand. Schließlich zahlte die Plattenfirma ja auch Abgaben an den Staat, die sie mit uns Künstlern verdiente.“

„Das System war nicht gerecht“, sagt auch Sängerin Angelika Mann (67). Sie bekommt zwar mehr Rente als Fischer. Doch von den knapp 900 Euro im Monat könne auch sie keine großen Sprünge machen. Ein Leben lang geschuftet und die Rente reicht nicht mal für die Miete: Darüber klagte auch schon DDR-Star Walter Plathe (66) im KURIER.

Eine Verbesserung wurde stets abgelehnt

Veronika Fischer hatte sich in der DDR sogar gegen die ungerechte Entlohnung gewehrt. „Wie später Tamara Danz habe auch ich mich beim damaligen Amiga-Chef Dr. René Büttner darüber beschwert, dass Sänger und Musiker nicht entsprechend an den Plattenumsätzen beteiligt wurden. Aber das stieß auf taube Ohren. Eine Verbesserung wurde stets abgelehnt.“

Wohl mit Absicht. Denn die DDR gängelte ihre erfolgreiche Sängerin Veronika Fischer. Dazu will im weiteren Gerichtsverfahren nun ein Ex-Mitarbeiter einer DDR-Kulturbehörde als Zeuge für sie aussagen. „Er kann bestätigen, dass ich gewollt niedriger bei Gagen und Plattenumsätze eingestuft wurde“, sagt Fischer. „Der Grund war, dass man mir politische Unsicherheit durch meinen damaligen Mann unterstellte, der unser Band-Manager war. Er war Ungar. Über ihn hätte ich die DDR verlassen können. Daher wurde ich von der Stasi ständig observiert, sogar noch, als ich später im Westen war.“

Die DDR machte die Sängerin sogar zeitweilig arbeitslos. „Als mein Komponist Franz Bartzsch im Westen blieb, traute sich kein Veranstalter, mich auftreten zu lassen, weil ich ja hauptsächlich seine Lieder sang, die ich nun nicht mehr singen durfte.“ Fischer: „Ich will keine Almosen, sondern endlich Gerechtigkeit.“ 

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