Hans-Peter Trömel schrieb ein Buch über das Oderhochwasser.
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„1946/47 war einer der härtesten Winter, der Fluss und selbst die Ostsee, in die er mündet, zugefroren“, weiß Deichexperte Hans-Peter Trömel, der über die dramatischen Ereignisse eine Chronik geschrieben hat. Im März hatte es zu tauen begonnen, bei sehr hohen Wasserständen setzte sich das Eis fest und ließ kein Wasser mehr durch. „In der Nacht zum 22. März 1947 hatten Helfer noch versucht, die Deiche durch Sandsäcke zu erhöhen, doch es war zu spät, der Wasserdruck zu groß. Morgens um 6.00 Uhr war der Deich auf etwa 100 Metern Länge weg, innerhalb von vier Tagen lief das Oderbruch voll“, beschreibt der 72-jährige Bad Freienwalder.
1997 hielten die Deiche dagegen überwiegend, auch dank des Einsatzes der Bundeswehr. Damals waren allerdings 5500 Hektar der Ziltendorfer Niederung südlich von Frankfurt(Oder) überspült worden.
Deichhauptmann war ein wichtiger Zeuge
Der Deichhauptmann Grasnick von 1947 war für Trömel bei seinen Recherchen ein wichtiger Augenzeuge. „Seine sehr authentischen Berichte habe ich noch“, erzählt der Bad Freienwalder, der in seiner Heimatstadt bis vor zehn Jahren in der Außenstelle des Brandenburger Landesumweltamtes arbeitete.
Damals, so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, habe es nur einen einzigen altersschwachen Eisbrecher an der Oder gegeben. Der allein konnte das Eis auf dem Fluss nicht in Bewegung bringen, damit es abfließt. Die Rote Armee habe mit Fliegerbomben versucht, Abhilfe zu schaffen. Zwei davon trafen laut Trömel den nach dem Kriegsende bereits reparierten Deich und richteten noch mehr Schaden an. Das Wasser riss Brücken, teilweise auch Häuser mit, machte Straßen für lange Zeit unpassierbar.
Dramatische Szenen, die im Oderlandmuseum auf historischen Dokumenten gezeigt werden.
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„Es gab Zwangsevakuierungen der Bevölkerung aus den 56 betroffenen Dörfern, teilweise ziemlich dramatisch. Die Leute, die sich nach dem Krieg gerade erst wieder etwas aufgebaut hatten, wollten ihr Hab und Gut nicht zurück lassen“, beschreibt Reinhard Schmook, Leiter des Oderlandmuseums in Bad Freienwalde.
Zum Beweis legt er Original-Anordnungen und Fotos aus dem Museumsfundus vor. „Im Interesse der Volksgesundheit“ hätten die Bewohner Folge zu leisten, sonst müssten sie „mit strenger Bestrafung“ rechnen, heißt es da. Auf Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind abenteuerlich zusammengebundene Flöße mit Hausrat, Kuh und Ziege sehen. Dass einige kenterten, insgesamt 23 Menschenleben zu beklagen waren, wundert angesichts solcher Szenen kaum. „Das Oderbruch war plötzlich ein Wassermeer so groß wie der Bodensee. Nur Dächer und Baumkronen ragten noch heraus“, macht der Historiker deutlich.
Der Leiter des Oderlandmuseums, Reinhard Schmook.
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„Der größte eingedeichte Flusspolder des Landes wurde zum deutschen Notstandsgebiet erklärt, Hilfe kam aus allen Besatzungszonen.“ So seien Polizisten abkommandiert worden, die damals organisiert waren, wie 1997 die Bundeswehr, die gegen die Sommer-Oderflut kämpfte. Erst im April 1947 hatte sich das Wasser Aufzeichnungen zufolge allmählich zurückgezogen und laut Schmook Schäden in Höhe von mehr als 100 Millionen Mark hinterlassen.
Katastrophe kann sich jederzeit wiederholen
So eine Naturkatastrophe könne an der Oder jederzeit wieder passieren, gerade Eisversetzungen seien immer wieder ein großes Problem, warnt Trömel und verweist auf ähnliche Konstellationen 1940 und 1981/82. Während des Krieges war der Deich nördlich von Bad Freienwalde gebrochen und hatte Teile der Neumark überschwemmt. Zu DDR-Zeiten gab es an drei Stellen Eisversetzungen bis zu drei Metern Höhe, doch es kam letztlich nicht zum Äußersten.
Ein Gedenkstein erinnert an das Oderhochwasser.
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Winterhochwasser seien an dem Grenzfluss weit ausgefährlicher, als Sommerfluten, wie beispielsweise 1997. „Im Sommer ist es die Masse an Wasser, die Probleme macht. Sind die Deiche intakt, gibt es genug Personal und Material, ist so eine Flut beherrschbar“, erklärt Trömel der im Sommer vor 20 Jahren an vorderster Front der Deichverteidigung mitkämpfte, mit dazu beitrug, dass das Oderbruch nicht erneut volllief und für seinen Einsatz mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde. „Ich hoffe, dass das 47-er Hochwasser das letzte dramatische Ereignis dieser Art war, sicher sein können wir uns aber nie“, mahnt der erfahrene Oder-Kenner.
(Jeanette Bederke, dpa)
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