Ex-Mitropa-Koch Jürgen Zittwitz (74) und Ex-Kellnerin Brigitte Becker (66) haben in der Köpenicker Kiekebuschstraße 12 eine Mini-Mitropa-Ausstellung aufgemacht – 20 Quadratmeter gutes altes Mitropa-Gefühl. Nach telefonischer Anmeldung kann man sie besuchen und zum Beispiel das Mitropa-Geschirr kaufen (ab 6 Euro).
„Unser ältestes Geschirr ist aus den 20er Jahren. Das jüngste haben wir kurz vor Mitropa-Auflösung 2004 von Gaststätten ergattert“, sagt Zittwitz, der 1996 auch den Verein „Freunde der Mitropa“ mitgegründet hatte. „Wir wollten so die Geschichte der Mitropa bewahren und wichtige Dokumente und Utensilien wie Geschirr, Bestecke und Uniformen erhalten“.
Was kaum einer weiß: Schon 1916 wurde die Mitropa als Abkürzung für MITteleuROPäische Schlaf- und Speisewagen Aktiengesellschaft gegründet, wäre jetzt 100 Jahre alt.
Als spätere Rückwand des DDR-Fernreiseverkehrs bewirtschaftete sie nicht nur Züge, sondern schmiss neben den Mitropa-Gaststätten sogar Mitropa-Frisörsalons auf Bahnhöfen und die Gastronomie auf Schiffen der Weißen Flotte, wo Brigitte Becker kellnerte.
„,Weiße Flotte – Frohe Stunden’ haben wir immer gescherzt“, erinnert sich Becker. Von 1971 bis nach der Wende war sie auf kleinen und großen Schiffen wie der „Heinrich Mann“ unterwegs. „Von da aus habe ich den Westen kennengelernt“, sagt sie. „Ich war in Paris, Basel und Hamburg. Überall in den Kaufhäusern hat es immer so schön gerochen wie im Intershop“.
Ex-Koch Zittwitz bekochte von 1960 bis 1990 im Speisewagen Reisende aus West und Ost, kreierte später als Produktentwickler Speisen: „Während es auf den Internationalen Strecken frisch gekochte Braten mit Gemüse und Kartoffeln gab, mussten sich Reisende innerhalb der DDR mit Bockwurst mit Brot begnügen – vorausgesetzt, die war nicht ausverkauft“, erinnert er sich. „Auch das Radeberger Pilsner ging weg wie warme Semmeln“. Das hat er allerdings nicht im „Mitropa-Laden“.
So schön gedeckt waren die Tische auf den internationalen Bahnstrecken. Auf den Schiffen der Weißen Flotte, die auch von der Mitropa bewirtschaftet wurden, ging es rustikaler zu.
© Sabine Gudath
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