Vor 80 Jahren: Brigitte (li.) und Ingrid spazieren als Kleinkinder Hand in Hand über eine Blumenwiese.
© Bernd Friedel
„Ich bin so froh, dass ich Dich noch hab“, sagt Brigitte und streichelt ihrer Schwester liebevoll über den Arm. Sie haben sich an diesem Spätsommertag zum Eis essen verabredet. Das machen sie einmal in der Woche. „Dann setzen wir uns ins Café in den Arkaden und beobachten die Leute. Das macht Spaß“, sagt Ingrid und lacht. Die Zwillinge lachen gern und sehr häufig.
Viele Schicksalsschläge gemeinsam gemeistert
Vermutlich ist es ihre positive Lebenseinstellung, die ihnen Kraft gegeben hat, die vielen Schicksalsschläge gemeinsam zu meistern. Vor 20 Jahren starb Ingrids Ehemann an Krebs, mit 62 Jahren und von ihren fünf weiteren Geschwistern, leben nur noch zwei. Als ihre Mutter Frieda mit 93 Jahren starb, hatten Ingrid und Brigitte sie zuvor monatelang liebevoll zu Hause gepflegt. „Wir sind jetzt noch mehr auf uns gestellt und das hat uns zusammen geschweißt“, sagt Brigitte. Der Tod ihres Partner liegt nun drei Jahre zurück. Fast hätte ihr das Leben vor einem Jahr auch noch Ingrid genommen, als ein unaufmerksamer Autofahrer, die beiden Schwestern über den Haufen fuhr. Brigitte blieb außer ein paar Prellungen unverletzt. Ingrid lag viereinhalb Monate im Krankenhaus mit schweren Knochenbrüchen und überlebte nur knapp.
Vor 66 Jahren: Ingrid (li.) und Brigitte als Teenager. Sie besuchten die gleiche Schule.
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Ingrid und Brigitte hatten auch sehr viele schöne Momente zusammen. Vor 41 Jahren wurden sie im gleichen Jahr zum ersten Mal Mutter. Ingrid bekam insgesamt drei Kinder, ihre Schwester vier. Urenkel haben sie noch keine, aber zusammen addiert heute zehn Enkel. Ihre Berufung fanden Beide als Verkäuferin, machten mit 15 Jahren nach der Hauptschule eine Lehre. Die eine arbeitete in der Porzellanabteilung, die andere im Textilbereich. „Wir haben schon als Kinder gern gehandelt und besuchen heute noch Flohmärkte“, sagt Ingrid. Auch das Interesse für Mode ist geblieben. Sie haben sich schick gemacht für das Interview. Sie tragen beide ein Halstuch in rosa, ein schwarzes T-Shirt mit bunten Heißluftballons draufgedruckt und eine weiße Stoffhose und weiße Schuhe.
Nur ein Streit in 81 Jahren
Brigitte und Ingrid amüsieren sich noch heute, wenn fremde Menschen sie auf der Straße nicht auseinanderhalten können. Deshalb ziehen sie auch als Seniorinnen gern gleich an. „Es ist ungewöhnlich, dass Zwillinge das im hohen Alter noch tun. Meistens hört es in der Schulzeit auf“, so erzählt Brigitte. Sie und die Schwester sind am 3. Mai 1938 als eineiige Zwillinge in Spandau zur Welt gekommen. Ingrid zwei Minuten eher als Brigitte. „Frieda, bekomme jetzt keinen Schreck. Da kommt noch eines“ habe die Hebamme damals bei der Hausgeburt zu ihrer Mutter gesagt. Damals seien die Vorsorgeuntersuchungen beim Gynäkologen eben noch nicht auf dem neuesten technischen Stand gewesen.
Vor 56 Jahren: Das Doppelpack beim Karneval. Ingrid (li.) als Kellnerin mit weißer Spitzenhaube.
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Brigitte und Ingrid sind fest miteinander verbunden. „Wenn ich mal krank bin und einen Schnupfen habe, bekommt Brigitte ihn einen Tag später auch“, sagt Ingrid. Sie haben den selben Freundeskreis und mögen beide das gleiche Essen, „Rostbratwurst mit Quetschkartoffeln“. Es gibt kaum etwas, worin sich die Geschwister voneinander unterscheiden.
„Brigitte ist bestimmender als ich und will immer ihren Kopf durchsetzen. Ich bin besonnener“, verrät Ingrid. Gestritten hätten sie nur ein einziges Mal in ihrem Leben und „das tat so sehr weh, dass sie es nicht noch einmal erleben wollen.“ Ingrid und Brigitte gibt es seit 81 Jahren nur im Doppelpack.
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