Mehr Respekt für alte Menschen
„Es hat mir sehr wehgetan, wie würdelos die ältere Dame behandelt worden ist. Ich möchte verhindern, dass es wieder geschieht und fordere mehr Respekt für alte Menschen“, sagt Lea-Sophie Becker.
Vor zwei Wochen saß das junge Mädchen zu Hause in seinem Elternhaus in Lichterfelde auf der Terrasse, als plötzlich eine verwirrte Seniorin vor ihr stand. „Sie stellte sich freundlich mit Gisela vor und erzählte mir, dass sie in Berlin wohnt“, erinnert sich Becker. Das Mädchen schaltete schnell und dachte sich, dass die Bewohnerin aus dem benachbarten Pflegeheim stammen muss und sich wohl verlaufen haben muss.
Grobes Verhalten des Pflegers
Sie habe Gisela an die Hand genommen und sie zurück ins Heim geführt. „Vor dem Eingang baute sich ein Pfleger vor uns auf und riss grob an dem Arm der alten Dame. Er zog sie hinter sich her, obwohl sie gar nicht mitgehen wollte. Dann sagte der Mitarbeiter ganz herrisch: Sie schon wieder. Wie kann man so doof sein und immer wieder abhauen?“ Er habe sich noch nicht einmal bei ihr bedankt, dass sie die Bewohnerin zurückgebracht hat, sondern sie einfach ignoriert.
Das Verhalten des Pflegers ließ der Auszubildenden zur Hotelfachfrau keine Ruhe. Sie erzählte abends ihren Eltern von ihrem unschönen Erlebnis. Der Vater schlug vor, am anderen Tag gemeinsam ins Heim zu gehen und sich zu beschweren. „An der Rezeption hat man uns dann einfach abgewimmelt und sogar zunächst so getan, als ob es die Bewohnerin dort nicht gibt“, so das Mädchen.
Keine zufriedenstellende Antwort
Sie gab trotzdem nicht auf und schrieb der Geschäftsführung sogar persönlich eine Mail. „Ich fragte, ob das Verhalten des Pflegers Konsequenzen hat, damit so etwas nicht wieder vorkommt. Außerdem wollte ich wissen, wie es Gisela jetzt geht.“
Doch die Antwort, die einen Tag später eintraf , empfand Lea-Sophie Becker als äußerst befremdlich: „Mir wurde eine Hospitanz angeboten, damit ich mir selbst mal einen Eindruck von den Bedingungen vor Ort verschaffen soll. Auf meine Fragen ist gar niemand eingegangen.“
Tristesse: Ein Rollator steht vor einem Zimmer im Heim geparkt (Symbolbild).
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Der KURIER hat im Seniorenzentrum Bethel in Lichterfelde nachgefragt: Ist das Verhalten des Pflegers vollständig aufgeklärt worden? „Wir haben die Situation im Mitarbeitergespräch transparent gemacht und Lösungsstrategien für die Zukunft entwickelt. Wir sehen uns als lernende Organisation und haben uns über die Rückmeldung der jungen engagierten Frau Becker gefreut“, so Hauptgeschäftsführer Uwe Poerschke.
Beschwerden über Pflegeeinrichtungen häufen sich
Das Erlebnis von Lea-Sophie Becker ist kein Einzelfall. Die Beschwerden über Berliner Pflegeeinrichtungen häufen sich. Die Personalknappheit führt zu immer unwürdigeren Bedingungen für die Bewohner. Der KURIER hat in der Vergangenheit mehrfach über Missstände berichtet.
Lea-Sophie Becker hat die Begegnung mit der Bewohnerin und ihrem Pfleger geprägt. „Meine Eltern sollen später niemals in ein Heim kommen, wenn man dort so schlecht behandelt wird“, so das Mädchen. Auch das Schicksal von Gisela will sie im Auge behalten und ihr in der kommenden Woche Blumen vorbeibringen. Sie sagt: „Ich muss mich überzeugen, dass es der Dame gut geht. Sonst finde ich keine Ruhe.“
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