Schöner wird der Mauerbau quer durch Berlin dadurch nicht. Historiker Dr. Manfred Wichmann von der Stiftung Berliner Mauer: „Im Gegenteil, das Unfassbare fühlt sich näher an.“ Die Filme sind eine Spende von Joachim Fechner an das Museum. Er war damals 14, nahm sie mit der Super-8-Kamera seines Vaters auf.
Wenige Stunden nachdem die DDR nachts mit der Grenzziehung begonnen hatte, war der Schüler aus dem Wedding an den Ort des Geschehens geeilt. „Herr Fechner war überrascht und aufgeregt. Weil etwas passierte, womit niemand gerechnet hatte.“
Besonders ungewöhnlich sind die Bilder des Mauerbaus an Bernauer Straße, Liesen- und Brunnenstraße. Der Zaun vor dem Hedwigsfriedhof, durch den nun niemand mehr zu Besuchen der Gräber seiner Lieben durfte.
„Es sind für uns Historiker auch bedeutende Details zu sehen, von denen es überwiegend mündliche Berichte gab wie über die Mauer winkende und grüßende Grenzer oder solche, die etwas in den Westen hinüberschleudern. Gut sichtbar sind auch die provisorischen Grenzanlagen und Posten auf Dächern, die Vermauerung der Fenster in der Bernauer Straße.“
Mit erstaunten Gesichtern blicken West-Berliner über die Mauer. „Was dabei auffällt, ist die scheinbare Ruhe auf beiden Seiten: Im Westen fassungsloses Starren, im Osten die Grenzer mit demonstrativer Gelassenheit und oft bewusst mit dem Rücken zur Kamera.“ Museumsstücke als Warnung und Andenken auch für die Youtube-Generation.
Dr. Wichmann: „Besonders beeindruckend ist es für die Jüngere, die Erinnerungen und Nachrichten nur noch in Farbe kennen.“ In Bunt sieht man eher, dass vieles wie Häuser und Straßen dem Heute sehr ähnlich ist. Dr. Wichmann: „Das bringt uns den Schrecken des Mauerbaus noch einmal anders näher.“ DÜBB
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