125 Jahre Hertha BSC

Trainer bei Hertha? Geisteskrank, fußballdoof oder pleite!

Unter der Führung von Peter Neururer konnte Hertha kein einziges Spiel gewinnen.

Michael Jahn
Lesezeit 3 Min
Der frühere Hertha-Trainer Peter Neururer hat die schlechteste Klub-Bilanz aller Zeiten zu verantworten.

Der frühere Hertha-Trainer Peter Neururer hat die schlechteste Klub-Bilanz aller Zeiten zu verantworten.

© imago/WEREK

1990 posaunte Peter Neururer folgenden Spruch hinaus: „Wer als Trainer zu Hertha geht, ist entweder geisteskrank, fußballdoof oder pleite.“ Neururer stand elfmal an der Seitenlinie, kam auf zwei Remis und konnte kein einziges Spiel gewinnen. Das ist die mieseste Bilanz der Klubgeschichte.

Herthas Anhänger sind nicht gerade erfolgsverwöhnt, sie sehnen sich ewig nach dem großen Coup. Die beiden Meistertitel, die für den Briefkopf tauchen, liegen 86 und 87 Jahre zurück. Zeitzeugen sind nicht mehr aufzutreiben. Hertha gehörte zwar 1963 zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga. Aber in der Klubvita stehen auch sechs Abstiege. Zuletzt 2012. An dieser Stelle noch ein berühmter Satz von Franz Beckenbauer: „Ich hab’s schon immer gesagt: Hertha ist ein schlafender Riese!“ Das war 1997.

Die glorreichen Zeiten waren die Zwanzigerjahre, als die Mannschaft, angeführt von Hanne Sobek, sechsmal in Serie ins Endspiel um die Deutsche Meisterschaft einzog. Halbstürmer Sobek war der erste Spieler, der die Bezeichnung Star verdiente.

Innovativ wie ein Start-up

Der Verein war mal wirklich innovativ wie ein Start-up. 1925 erfand Hertha die Abseitsfalle, 1926 den Stopper als taktische Maßnahme. 1968 führte Kronsbein das Rotationsprinzip bei den Torhütern ein. 1971 organisierte der Klub das erste Hallenturnier für Profiteams.

Im gleichen Jahr beförderten 15 Herthaspieler das lange währende Skandalimage des Vereins, als sie – wie viele Spieler anderer Klubs auch – Bestechungsgelder annahmen. Sie durften nie wieder das Hertha-Trikot tragen. Da zeigte sich der Klub konsequent.

Das Selbstwertgefühl der Fans steigerte sich durch drei Endspielteilnahmen im DFB-Pokal 1977, 1979 und 1993 (mit den Amateuren). Leider wurden alle drei Finals verloren.

Als sich Hertha unter Trainer Jürgen Röber für Champions League qualifizierte (2000), träumten viele im Westend davon, bald zur europäischen Elite zu gehören. Gestellt wurde sogar ein Antrag auf Aufnahme in die G14, in den exklusiven Zirkel der besten Klubs. Natürlich umsonst. Das sportliche Auf und Ab ging nämlich munter weiter.

Heute versuchen Michael Preetz und Pal Dardai, aus den vielen Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Sie kennen sich da ein bisschen aus. Der eine ist Rekordtorschütze des Vereins und Manager, der andere Rekordspieler und Cheftrainer. Preetz sagt ganz bescheiden: „Jedes Jahr Bundesliga ist eine große Herausforderung.“ Recht hat er.

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