Die Branche mit dem Tod gilt eigentlich als seriös, ruhig und würdevoll. Wie bei Günter Herzog, der einst viele Jahre lang ein Bestattungsunternehmen in Schöneberg führte. Doch Herzog, der mit 14 Jahren Hertha-Mitglied wurde und Anfang der 60er zum Schatzmeister des Vereins aufstieg, geriet auf sonderbare Abwege.
Schatzmeister Herzog
Hertha war knapp bei Kasse. Als Schatzmeister Herzog vor Herthas erster Bundesligasaison 1964/65 einen Kassensturz wagte, wurde er bleich. Es fehlten rund 190.000 Mark. Der DFB schrieb damals vor, dass Handgelder bei Vereinswechsel auf maximal 10.000 Mark begrenzt sind. Hertha zahlte mehr: rund 80.000 Mark Handgeld für Torhüter Wolfgang Fahrian oder 30.000 Mark für Rechtsaußen Carl-Heinz Rühl. Das Minus in der Kasse wurde groß und größer. Als die Schulden auf die von Herzog erwähnten 190.000 Mark angewachsen waren, ließ er als Gegenmaßnahme 55.000 Schwarztickets drucken und versteckte sie vor den Finanzprüfern des DFB in Särgen in seiner Filiale in Schöneberg. Keiner der Prüfer traute sich, dort nachzuschauen.
Der Erlös: 165.000 Mark
Der einfallsreiche Schatzmeister aber verkaufte die Tickets unversteuert an den Kassen des Olympiastadions. Der Erlös, rund 165.000 Mark, senkte den Schuldenstand vorübergehend drastisch. Doch das böse Ende kam später. Wegen der Zahlung überhöhter Gehälter und Handgelder wurde Hertha 1964/65 zum Zwangsabstieg verurteilt. Der erste blau-weiße Skandal in der Bundesliga. Und was wurde aus dem Schatzmeister und Bestatter Herzog? Der blieb noch sehr lange im Amt und machte sich mit seiner skurrilen Geschichte im Verein beinahe unsterblich.
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