Zwölf Worte haben vor 30 Jahren gereicht, um Ronald Reagan unlösbar mit dem Brandenburger Tor zu verbinden. Am 12. Juni 1987 stand er auf der Westseite, das symbolträchtige Bauwerk im Rücken, hinter dicken Panzerglasscheiben und rief den Satz: „Mr. Gorbatschow, open this gate. Mr. Gorbatschow, tear down this wall!“ („Öffnen Sie dieses Tor, reißen Sie diese Mauer nieder!“).
Es hat dann noch knapp zweieinhalb Jahre gedauert, bis das Brandenburger Tor nicht mehr Teil der Berliner Mauer war, sondern das, was es bei seiner Einweihung 1793 sein sollte: Ein- und Ausgangstor und Abschluss der Prachtstraße Unter den Linden.
Reagans Berater wussten um die Symbolik des Ortes. Später war zu erfahren, John Kornblum, späterer US-Botschafter in Berlin, habe einem Vorauskommando des US-Präsidenten vorgeschlagen, seine Rede vor der Kulisse des geschlossenen Brandenburger Tores zu halten.
Der Effekt stellte sich wie gewünscht ein. Erst jubelten die 40.000 Zuhörer auf der Straße des 17. Juni über Reagans Worte, die westliche Politik begriff dann erst etwas später, welche Kraft in seiner Rede lag.
Willy Brandt besucht am Tag der Deutschen Einheit den historischen Ort.
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Bereits am 1. Mai 1959 - da stand die Mauer noch nicht, aber die politische Spaltung war schon real - hatte Willy Brandt am Brandenburger Tor eine Rede gehalten, die im Nachhinein wie eine Vorlage für Reagan klingt. „Der Tag wird kommen, an dem das Brandenburger Tor nicht mehr an der Grenze liegt“, rief er damals.
„An jener Grenzlinie, die mitten durch unsere Familien geht, die unser Volk zerreißt, die unser Berlin aufspaltet. Bis jener Tag kommt, bitten wir, rufen wir, fordern wir: Macht das Tor auf, macht Schluss mit der widernatürlichen Spaltung!“
Seit dem Mauerfall soll möglichst alles, was wichtig ist oder manchem so vorkommt, möglichst am Brandenburger Tor passieren: Feiern, Demonstrationen, politische Akte. Auch die Wiedervereinigung wurde hier gefeiert – wo sonst.
Auch Barack Obama wählte den Ort als Präsidentschaftskandidat im Sommer 2008 aus, um mit seiner Berliner Rede möglichst großen Effekt zu erzielen. Damals gewährte es ihm die Bundeskanzlerin nicht, er musste zur Goldelse ausweichen.
Obamas Hoffnungsbotschaft
Die Berliner feierten ihn und seine Hoffnungsbotschaft gleichwohl auf der Straße des 17. Juni. Als Präsident durfte er dann im Jahr 2013 am Tor sprechen und betonte den Unterschied zu Reagan: „Ich bin stolz, auf der Ostseite zu stehen.“ Beim Kirchentag Ende Mai 2017 trat er dann noch einmal an dem historischen Ort auf - bei einer Podiumsdiskussion mit Kanzlerin Angela Merkel.
Schon früh in der Geschichte war der repräsentative Säulen-Bau mit nationaler Bedeutung aufgeladen worden. Napoleon zog mit allem Pomp an der Spitze seiner Truppen am 27. Oktober 1809 durch das Brandenburger Tor ins eroberte Berlin ein, später paradierten Kaiser nach gewonnen Kriegen hindurch.
Das Volk eroberte sich den Platz in den Tagen und Nächten nach dem 9. November 1989. Einen Höhepunkt nationalen Glücksrauschs feierten hier schließlich Hunderttausende, als am 15. Juli 2014 die deutschen Fußballweltmeister den Fans ihre Aufwartung machten.
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