10.000 Schmier-Attacken

Der Frustjob der Graffiti-Killer

Hier putzen sie das Thälmann-Denkmal wieder sauber. Aber: Wetten, dass der nächste Schmierer schon auf der Lauer liegt …

MARC FLEISCHMANN und MIKE WILMS
Lesezeit 3 Min
Die S 25 wurde auf voller Länge beschmiert. Sie steht im Bahnhof Potsdamer Platz, der Fahrer wartet auf die Polizei.

Die S 25 wurde auf voller Länge beschmiert. Sie steht im Bahnhof Potsdamer Platz, der Fahrer wartet auf die Polizei.

© Mike Oliver Wilms Lizenz

Schön ist anders: Schmierfinken haben das berühmte Ernst-Thälmann-Denkmal in Prenzlauer Berg mit mannshohen Buchstaben besprüht.

Schön ist anders: Schmierfinken haben das berühmte Ernst-Thälmann-Denkmal in Prenzlauer Berg mit mannshohen Buchstaben besprüht.

© Kai Horstmann Lizenz

Hier putzen sie das Thälmann-Denkmal wieder sauber.

Hier putzen sie das Thälmann-Denkmal wieder sauber.

© Kai Horstmann Lizenz

Wo Saubermann Danny Prebitzer bürstet und mit Hochdruck spritzt überlebt kein Graffito. Der Arbeiterführer ist bald blitzblank.

Wo Saubermann Danny Prebitzer bürstet und mit Hochdruck spritzt überlebt kein Graffito. Der Arbeiterführer ist bald blitzblank.

© Kai Horstmann Lizenz

„Die haben keinen Respekt vor fremdem Eigentum“, klagt Wergin, der den Schriftzug „Tojcmo“ für Initialen und die Täter für blutige Amateure hält.

Jetzt geht es den Schmierereien auf dem Sockel an die Substanz: Prebitzer trägt einen biologischen Graffiti-Entferner (ein Eimer kostet 400 Euro) auf, den er fünf Minuten einwirken lässt. Dann lässt er den Hochdruckreiniger ans Werk. Das Gerät erhitzt 500 Liter Wasser auf 200 Grad. Das Ganze trifft mit 180 bar auf das Graffito. Nach zwei Runden bleibt nichts mehr übrig.

Eine Stunde Arbeit, für „HVS Plakat“ eher ein kleiner Fisch: Zweimal im Jahr – vor Ernst Thälmanns Geburtstag am 16. April und seinem Todestag am 18. August – bringt die Firma das ganze Denkmal auf Hochglanz. Beim letzten Einsatz am 15. April schrubbten zwei Männer vier Stunden lang. 2000 Liter Wasser gingen durch die Druckleitung.

Gibt es ein Allheilmittel gegen Schmierereien? Bei Thälmann wird’s schwer: Eine spezielle Substanz, die aufgetragen wird, damit Graffiti nicht mehr haften, funktioniere wegen des Denkmals aus Bronze und des Sockels aus Granit nicht richtig, erklärt Sven Wergin. Der Bestandsmanager appelliert deshalb an die Anwohner, künftig besser auf den Arbeiterführer aufzupassen.

Sprayen ist Volkssport: Wie oft die Schmierer zuschlagen, ist schwer zu sagen. Von Denkmälern über Fabriken und Wohnhäusern bis zur S-Bahn: Es gibt nicht den typischen Ort oder die Gruppe von Geschädigten. Die Polizei registrierte 2013 stadtweit 9659 Taten – 16,6 Prozent weniger als 2012. Laut Senat bearbeitet das LKA rund 2300 Anzeigen zu Graffiti-Delikten jährlich. Dabei werden rund 1000 Verdächtige ermittelt. Etwa jede zweite Tat wird aufgeklärt.

Die Szene ist groß, die Schäden sind hoch. Allein bei der BVG machen sie 80 Prozent der durch Vandalismus entstandenen Kosten aus. Der Gesamtschaden beläuft sich auf bis zu sieben Mio. Euro im Jahr. Die Entfernung eines drei mal einen Meter großen Schriftzugs kostet 750 Euro.

Graffiti sind ein Riesenproblem in Pankow: die Bösebrücke.

Graffiti sind ein Riesenproblem in Pankow: die Bösebrücke.

© Lizenz

Graffiti sind ein Riesenproblem in Pankow: der Bahnhof Bornholmer Straße.

Graffiti sind ein Riesenproblem in Pankow: der Bahnhof Bornholmer Straße.

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Graffiti sind ein Riesenproblem in Pankow: Nazi-Parolen am Sowjetischen Ehrenmal mussten mit Tüchern verhängt werden.

Graffiti sind ein Riesenproblem in Pankow: Nazi-Parolen am Sowjetischen Ehrenmal mussten mit Tüchern verhängt werden.

© Lizenz

Graffiti sind ein Riesenproblem in Pankow: Auch der Gedenkstein an der Ostseestraße war schon das Ziel von Sprayern.

Graffiti sind ein Riesenproblem in Pankow: Auch der Gedenkstein an der Ostseestraße war schon das Ziel von Sprayern.

© Lizenz

Das Ernst-Thälmann-Denkmal ist mal wieder mit Graffiti-Geschmier überzogen. Die ständige Reinigung kostet viel Geld, sogar Bürger packten schon selbst an.

Das Ernst-Thälmann-Denkmal ist mal wieder mit Graffiti-Geschmier überzogen. Die ständige Reinigung kostet viel Geld, sogar Bürger packten schon selbst an.

© Lizenz

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