1. FC Union gegen Würzburger Kickers

Das Wichtigste zum Spiel

Souveräner Heimsieg der Eisernen trotz Unterzahl.

Max Bosse
Lesezeit 6 Min

Die Ausgangslage: Freitagabend, Flutlichtspiel. Das sei immer wieder ein Highlight, hat Michael Parensen vor der Partie gegen die Würzburger Kickers gesagt. Es bestand also eigentlich kein Zweifel daran, dass der 1. FC Union seinen beeindruckenden Lauf im Jahr 2017 mit bislang 13 Punkten aus fünf Spielen fortsetzen und an diesem 23. Spieltag mindestens Platz drei festigen, wenn nicht sogar den Zweitplatzierten Hannover überholen würden. Zumal Parensen einen weiteren Spektakelfunken glimmen sah: die vielen Gegentore, die der Aufsteiger aus Bayern in der Schlussphase kassiert. Doch ein ungeschickter Verteidiger sorgte dann unnötig für Spannung.

Union gegen Würzburg - Bilder vom Spiel

Ein "Tänzchen" zwischen Christopher Trimmel (li.) und Júnior Díaz.

Ein "Tänzchen" zwischen Christopher Trimmel (li.) und Júnior Díaz.

© dpa

Hedlund (li.) hat die Kugel fest im Blick.

Hedlund (li.) hat die Kugel fest im Blick.

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Laufduell zwischen Christopher Trimmel (li.) und Sebastian Ernst.

Laufduell zwischen Christopher Trimmel (li.) und Sebastian Ernst.

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Zwei Würzburger gegen einen Polter.

Zwei Würzburger gegen einen Polter.

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Polter hat getroffen. 

Polter hat getroffen. 

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Polter-Jubel über das 1:0.

Polter-Jubel über das 1:0.

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1:0 - beim Jubel geht's drunter und drüber.

1:0 - beim Jubel geht's drunter und drüber.

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Herzlichkeiten auf dem Feld zwischen Sebastian Polter und Maximilian Thiel.

Herzlichkeiten auf dem Feld zwischen Sebastian Polter und Maximilian Thiel.

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Roberto Puncec muss nach Gelb-Rot vom Platz.

Roberto Puncec muss nach Gelb-Rot vom Platz.

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Damir Kreilach (li.) machte mit seinem Treffer zum 2:0 alles klar. Hier im Duell mit Júnior Díaz.

Damir Kreilach (li.) machte mit seinem Treffer zum 2:0 alles klar. Hier im Duell mit Júnior Díaz.

© dpa

Das Ergebnis: Wer sich eine Halbzeit eine Chance nach der anderen erspielt und in der anderen Halbzeit trotz Unterzahl keine Tormöglichkeiten des Gegners zulässt, hat drei Punkte verdient. Mit 2:0 (1:0) besiegte der 1. FC Union die Gäste standesgemäß vor 19.875 Zuschauern.

Die erste Hälfte: Schon in der fünften Minute narrte Steven Skrzybski zwei Verteidiger mit einem Dribbelheber, sein Schuss wurde geblockt. Den nachfolgenden Eckball köpfte Damir Kreilach drüber, kurz darauf musste Kickers-Keeper Robert Wulnikowski erstmals eingreifen, ebenfalls nach einer Ecke (Kopfball Toni Leistner). Wulnikowski war selbst mal ein Unioner und bei seiner Rückkehr nach 13 Jahren feierten ihn die Fans mit einem lauten „Fußballgott“. Das war es aber auch mit den Begrüßungsfreundlichkeiten: die vierte Union-Ecke – von Parensen verlängert – köpfte Sebastian Polter dann an dem inzwischen 39-Jährigen vorbei in die Maschen. Das 1:0 war sein dritter Treffer im sechsten Spiel seit seiner Rückkehr zu den Eisernen. Mit ein bisschen mehr Genauigkeit beim finalen Pass hätte die Pausenführung auch höher ausfallen können. Kurz vor dem Pausenpfiff machte Roberto Puncec die Partie aber wieder spannend. Der Union-Innenverteidiger traf innerhalb von acht Minuten zwei Mal Elia Soriano im Zweikampf mit der Hand im Gesicht. In der Höhe haben die Hände nichts zu suchen. Ungeschickt!

Die zweite Hälfte: In Unterzahl war Union nach dem Seitenwechsel zunächst auf defensive Stabilität bedacht. Emanuel Pogatetz war in der 46. Minute für Linksaußen Simon Hedlund in die Partie gekommen, um das von Puncec in die Abwehrkette gerissene Loch zu füllen. Problematisch war, dass Union fortan das Tempo im Angriff fehlte, und die Defensivabteilung ziemlich ackern musste, weil die Offensivabteilung den Gegner nicht mehr wie gewohnt unter Druck setzen konnte. Dennoch befreiten sich die Eisernen nach und nach aus der Umklammerung. Ein von Leistner weit nach vorne geschlagener Freistoß brachte in er 81. Minute die Entscheidung: Polter verlängerte per Kopf auf Kreilach (sechstes Saisontor), der überlegt ins lange Eck einschob.

Das Feuerwerk des Abends: Vor Anpfiff stiegen hinter Tribüne auf der Waldseite Raketen in den Himmel, es blitzte und knallte. Dazu präsentierten die Ultras Transparente mit Zeitungsüberschriften aus den Jahren von 1997 bis heute und zeigten auf diese Weise, wie nah Triumph und Tragödie bei den Eisernen in den vergangenen Jahren lagen. „Im Blätterwald und in aller Munde – ob Tadel oder ob Applaus“, war darunter zu lesen. Dann wurden drei Banner hochgezogen: Das linke zeigte den nach oben gereckten Zeigefinger des ehemaligen Union-Trainers Norbert Düwel, das rechte den von Düwel 2014 gen Cottbus verjagten Publikumsliebling Torsten Mattuschka. Dazwischen stand dann: „Union schießt über das Ziel hinaus“. Eine Mahnung in Zeiten der Aufstiegseuphorie.

Der Debütant: 21 Jahre alt ist Daniel Mesenhöler und ihm oblag es, am Freitagabend den verletzten Jakob Busk im Union-Tor zu vertreten. Busk hat seit seiner Verpflichtung im Winter vor einem Jahr nur in einem einzigen Ligaspiel nicht zwischen den Pfosten gestanden: als Daniel Haas verabschiedet wurde. 13 Mal hielt er seinen Kasten in 36 Partien sauber, eine ordentliche Quote, er war ein sicherer Rückhalt. Druck schien der Ersatzmann aber nicht zu verspüren, obwohl Union doch von jedem Gegentreffer aus dem Bundesligatraum gerissen werden könnte. Wie schon beim Pokal-Hit in Dortmund (seinem Profidebüt) wehrte Mesenhöler auch in seinem ersten Ligaspiel souverän beste Möglichkeiten ab. Die erste in der 14. Minute, als ihm Sebastian Ernst alleine gegenüber stand, die zweite in der 45. Minute, als es Clemens Schoppenhauer aus der Distanz versuchte.

Der Retter des Spiels: Emanuel Pogatetz entwickelt sich zum Spezialisten für Notfalleinsätze. Er muss immer dann ran, wenn die Kollegen über die Strenge schlagen. Am 23. Oktober kam er schon in der 24. Minute in die Partie, weil Leistner Gelb-Rot gefährdet war, am 12. Februar musste er dann von Beginn an den gesperrten Leistner vertreten. Seinen dritten Saisoneinsatz hat er nun Puncec zu verdanken und erneut sorgte er dafür, dass die fehlende Stammkraft in der Viererkette nicht vermisst wurde.

Der Jubilar: Am 13. November 2010 wurde Steven Skrzybski wenige Tage vor seinem 18. Geburtstag in Frankfurt zum ersten Mal eingewechselt, von Düwel-Vorgänger Uwe Neuhaus übrigens. Viele Jahre sah es in der Folge danach aus, als ob der Angreifer zwar das spielerische Talent, nicht aber die Physis für Profifußball mitbringen würde. Wie sehr man sich da in ihm getäuscht hat, demonstrierte er gegen Würzburg. Furios seine Dribblings, intensiv seine Zweikampfführung. Es war sein 100. Zweitligaspiel für die Eisernen. Zudem ist er mit acht Treffern der torgefährlichste Unioner der Saison. Wer hätte das vor sechseinhalb Jahren gedacht.

Das Fazit: Bis zur doppelten Dummheit von Roberto Puncec demonstrierte Union, warum das Team den Sprung in die Bundesliga schaffen kann. Entschlossen kombinierten sie sich nach vorne, von Erfolgsdruck war nichts zu spüren, nur pures Selbstbewusstsein. Nach dem Platzverweis war es dann eine Prüfung anderer Art. In Unterzahl musste der Vorsprung über die Zeit gespielt werden. Weil sich die Eisernen auch hier behaupteten, musste sich Puncec nicht allzu sehr grämen.

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