Union 2001

Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey!

Der 1. FC Union ist Tabellenführer der Zweiten Liga, der Aufstieg ist so nah...

Dajana Rubert
Lesezeit 3 Min
2017 jubeln die Spieler mit Ritter Keule auf dem Rasen.

2017 jubeln die Spieler mit Ritter Keule auf dem Rasen.

© Bongarts/Getty Images

Im Rathaus wird schon mal der Balkon geschrubbt. Man will ja vorbereitet sein für den Fall, dass hier eine Felge präsentiert werden kann. Eine kleine runde Trophäe zu Ehren des Zweitliga-Meisters. Absurder Gedanke. Union und Zweitliga-Meister in einer Liga mit Hannover 96 und dem VfB Stuttgart. Nein, nein. Kopfschütteln. Das geht doch nicht. Nicht hier, nicht jetzt, nicht in rot-weiß.

Zweitliga-Aufstieg 2001: Klaus-Dieter Helbig, Trainer Georgi Wassilew, Michael Zechner, Ronny Nikol und Harun Isa feiern auf dem Rathaus-Balkon.

Zweitliga-Aufstieg 2001: Klaus-Dieter Helbig, Trainer Georgi Wassilew, Michael Zechner, Ronny Nikol und Harun Isa feiern auf dem Rathaus-Balkon.

© imago/Contrast

Na ja, aber vielleicht ja doch. Lassen Sie es uns zwischendurch mal wieder singen: Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey! Vielleicht ist es gar nicht so absurd. Vielleicht einfach eher noch abstrakt. Aber es nimmt Form und Gestallt an. Es! Dieses Aufstiegsgespenst. Buh! Haben Sie es gehört? Gesehen? Es muss doch hier irgendwo sein, hier in Köpenick. Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu. Oder doch?

Nach dem 1:0 gegen Nürnberg und der Eroberung der Tabellenspitze scheint irgendwie gar nichts mehr unmöglich zu sein. Bezirksbürgermeister Oliver Igel fasst sich mit einem einfachen „Wahnsinn!“ kurz. Und bringt es damit auf den Punkt. Während sich hier und da noch ein schlaftrunkener Fan nach einer langen Nacht verwundert die Augen reibt, ploppen hier und dort – plopp – Fotos von einer LED-Wand auf – plopp –, die es eindeutig zeigen. Erster: 1. FC Union Berlin. Plopp. Plopp. Plopp.

2009 stieg die Party im Innenhof.

2009 stieg die Party im Innenhof.

© imago sportfotodienst

In den sozialen Netzwerken wimmelt es davon. Die Anzeigetafel war nach dem Spielende das begehrteste Fotomotiv des Abends. Ein Moment, festgehalten in den Herzen und Handys von Tausenden. Union als Tabellenführer. Wollen wir noch mal singen? Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey!

Der Bäcker von „Umdeecke“ hat es gepostet, der Hauptsponsor sowieso. Der hatte auch seine weinroten – ähm, lassen Sie es uns ihm verzeihen – Glücksschuhe an, die ihn von Woche zu Woche zu Union begleiten. Von Sieg zu Sieg. Sechs Stück in Folge. Mal souverän, mal glücklich, mal erkämpft aber immer mit Leidenschaft verdient. So spielt ein Meister. Oder wenigstens ein Aufsteiger. Wenigstens? Ein Aufsteiger? Spinnen wir eigentlich! Ja, nein, doch, vielleicht. Ein Tabellenführer – Stand jetzt – in jedem Fall.

2009 jubelten die Fans in Köpenick.

2009 jubelten die Fans in Köpenick.

© imago sportfotodienst

Der Sohn der Mannschaftsbetreuerin – man könnte auch sagen: Ex-Spieler Björn Kopplin – gratuliert mit einer Doppeltabelle – auch er steht mit seinem Hobro IK (Dänemark), derzeit auf eins. Vereins-Idol Torsten Mattuschka freut sich über den „Platz an der Sonne … Geil!“ Im Stadion gehen schon die Lichter aus, da stehen noch vereinzelt Fans an den Wellenbrechern.

Erst mal sacken lassen. Einfach mal genießen. Die, die länger als 20 Jahre dem Verein die Treue halten, wissen den Augenblick noch mehr zu schätzen, als jene, die der Erfolg der letzten Jahre ins vielleicht schönste Fußballstadion der Welt gelockt hat.
„Meine Spieler können alle lesen. Hoffe ich zumindest“, meinte Jens Keller nach dem Spiel. Er meinte die Verkrampftheit, die der Mannschaft anzumerken war, weil jeder wusste, wo ein Sieg die Eisernen an jenem denkwürdigen Abend hinführen würde. Für alle, die es nicht können - das Lesen – singen wir noch mal laut und eisern: Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey!

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