Keiner weiß besser als der 1. FC Union, wie ganz wichtige Spiele gehen. Jeder (ältere) Unioner erinnert sich mit Wonne an das Finale im FDGB-Pokal 1968, als die Eisernen dem frischgebackenen Meister Carl Zeiss Jena mit 2:1 das Double versalzen. Die Stars von damals – Rainer Ignaczak im Kasten, Abwehrchef Wolfgang Wruck, Kapitän Ulrich Prüfke, Hartmut Felsch, das Küken Harald Betke, die beiden Torschützen Meinhard Uentz und Ralf Quest, der junge „Mäcki“ Lauck, Kult-Trainer Werner Schwenzfeier und natürlich Dribbelkönig Jimmy Hoge – sind die ersten wahren Fußball-Götter in der Wuhlheide.
Genau 20 Jahre später werden wieder rot-weiße Götter geboren. Jeder, wirklich jeder Fan, in dem ein eisernes Herz schlägt, hat diesen brütendheißen 28. Mai 1988 in sein persönliches Erfolgsbuch gemeißelt, weil die Männer von Trainer Karsten Heine im letzten Saisonspiel beim FC Karl-Marx-Stadt den Strohhalm fassen und das Wunder Klassenerhalt packen. Bis zur allerletzten Sekunde geben sie alles – obwohl aber Olaf Seier den ersten Rückstand durch Jörg Illing ausgleicht und Joker Michael Weinrich den zweiten durch Rico Steinmann egalisiert, reicht es nicht. Bis die letzte, die tatsächlich letzte Aktion das „Hurra, wir leben doch!“ bedeutet. Mario Maek stochert die Kugel zum 3:2 rein! Der Rest ist Jubel, grenzenloser Jubel. „Ich habe nicht viele Tore geschossen“, sagt der Abwehrmann, „aber eines weiß ich: Es war schon geil, es war die pure Freude!“
Drei Fußballergenerationen oder 29 Jahre später sagt Maek: „Dass dieses Spiel so in die rot-weiße Geschichte eingehen wird, haben wir nicht geahnt. Heute aber weiß ich, dass das Spiele sind, in denen Helden geboren werden. In dem Moment war ich ein Held.“ Dabei war er erst am Anfang jener Saison vom Hass-Rivalen BFC Dynamo gekommen, mit dem er zuvor vier Meistertitel erkämpft hatte. Nur spielte das in diesem wundervollen Augenblick für keinen der Union-Fans auch nur die kleinste Rolle. Und für den Heldentorschützen erst recht nicht.
Weil Maek die Erfahrung hat, weiß er, was nötig ist zum Heldenstatus. „Das, was vor Union liegt, sind Spiele, in denen es um alles geht. Für mich waren die weniger wichtigen Spiele gefährlich, solche, in denen du glaubst, das wird schon. Da habe ich die meisten Fehler gemacht. Aber die, vor denen Union jetzt steht, gehst du ganz anders an. Da bist du fokussiert, da bist du im Tunnel. In dem Moment gibt es nichts, was wichtiger sein könnte. Da bist du ganz bei der Sache und holst alles aus dir raus.“
Das muss so sein in Braunschweig, gegen Heidenheim und in Fürth. Damit es wieder Zeit ist für eiserne Helden.
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