Blieb im Moment des Erfolges weiterhin bescheiden: Albas Coach Aito Garcia Reneses. Foto: dpa/Andreas Gora

Natürlich wurde es spät. Warum auch nicht? Zwei Minuten vor Mitternacht verließ Aito Garcia Reneses die kleine Pokalparty von Alba Berlin in der Arena am Ostbahnhof.Feiern sollten die Jungs mal ruhig alleine nach dem insgesamt zehnten Pokaltriumph, durch den Berlins Korbjäger mit Rekordsieger Bayer 04 Leverkusen gleichzogen.

Seit 2017 ist der in Madrid geborene Trainer ein Albatros. Längst könnte er die Rente genießen. Doch ihn treibt ein Feuer an und er damit die Spieler. Auch sein erster Titelgewinn in Deutschland führte bei dem Trainer-Routinier nicht zu öffentlichem Überschwang.

Stattdessen blieb der Spanier selbst im Moment des ersehnten Triumphs beim 89:67 gegen die EWE Baskets Oldenburg seinem pädagogischen Lehransatz treu.

„Er war super glücklich für die Spieler“, sagte Sportdirektor Himar Ojeda und berichtete über Aitos Verhalten kurz vor Ende der Partie. „Er hat mir gesagt: „Wow, wie die Jungs gespielt haben!“ Er hat es wie ein Fan genossen, er hat so geredet, als ob er gar nicht involviert wäre. Das sagt echt viel über ihn aus, so tickt er.“

Reneses bleibt zurückhaltend

Mehr als 20 Titel und Medaillen hat der 73-Jährige in seiner langen Karriere als Basketball-Coach gesammelt. Doch definiert hat sich die Legende noch nie über Errungenschaften. „Das ist für mich nicht so wichtig“, betonte er nun auch am späten Sonntagabend. „Ich weiß, dass es für die Menschen wichtig ist, ich freue mich für sie.“

In fünf Endspiele und Finalserien in der Bundesliga, im Pokal und Eurocup hatte Aito zuvor Alba geführt, seitdem er im Sommer 2017 zum Hauptstadtclub gekommen war. Vor heimischer Kulisse überwand seine Mannschaft nun das Endspiel-Trauma und sicherte sich den ersten Titel seit vier Jahre, bedingt vor allem durch eine Änderung der Verteidigungsstrategie, die dem Team nach einem wackligen ersten Durchgang den entscheidenden Impuls für den am Ende souveränen Erfolg verlieh.

Selfies für die Fans mit dem Pott: Landry Nnoko und Peyton Siva feiern den Pokalsieg. Foto: dpa/Andreas Gora

Bereitwillig ließ sich Aito in der Kabine neben Marco Baldi mit der Hand an der silbernen Trophäe fotografieren. „Er hat einen großen Entwicklungsgeist. Er möchte, dass Dinge wachsen“, so Geschäftsführer Baldi seinen Trainer. „Er würde niemals Dinge erfinden, um einen Titel zu gewinnen, wenn er weiß, dass es morgen nicht mehr geht. Das ist seine ganz große Qualität. Er hat eine nach außen wirkende Gelassenheit. Er definiert sich nicht darüber. Was heute passiert, das verändert nicht sein Leben.“

Reneses hofft auf Initialzündung

Durch Pokaltriumph im heimischer Halle erhofft sich auch Aito Schwung für die weitere Saison. In der Liga wartet Alba konnte Alba zuletzt 2008 den Titel feiern. Rang drei lässt alle Chancen auf die neunte Meisterschaft blühen.

Gerade für die unerfahreneren Spieler der Berliner, die zuvor noch nie einen Titel gewonnen hatten, soll der Pokal eine Initialzündung sein. „Die Jungen gehen zum Bäcker und der Bäcker sagt: „Hey, du hast ja gewonnen und nicht schon wieder verloren.“ Wenn du ein Finale verlierst, hast du trotzdem verloren, obwohl du was erreicht hast“, sagte Baldi. „Das spüren die jungen Spieler und das hilft ihnen. Das ist eine Bestätigung dessen, was sie tun.“