Die Afrikanische Schweinepest ist erstmals in Deutschland nachgewiesen worden. Die für Menschen ungefährliche Tierseuche ist bei einem toten Wildschwein in Brandenburg bestätigt worden, wie Bundesagrarministerin Klöckner mitteilte.  Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Es war nur eine Frage der Zeit. Nun alarmiert der erste bestätigte Fall eines Wildschwein-Kadavers, der im Spree-Neiße Kreis gefunden wurde und das Virus in sich trug, Brandenburger Schweinezüchter. Die Afrikanische Schweinepest ist offiziell in Deutschland angekommen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie wird die Afrikanische Schweinepest übertragen?

Das Virus wird direkt über Tierkontakte oder indirekt, zum Beispiel über Fleisch oder Wurst von infizierten Tieren, übertragen. Unter ungünstigen Bedingungen können unachtsam entsorgte Reste von virushaltigem Reiseproviant ausreichen, um die Seuche einzuschleppen. Die Salamistulle an der Autobahnraststätte, die im Magen eines Wildscheins landet, reicht aus. Solche Essensreste sollten vermieden oder für Wildschweine nicht zugänglich entsorgt werden.

Wie lange ist das Virus ansteckend?

Das Virus  bleibt außerordentlich lange ansteckungsfähig. Es kann daher auch durch Gegenstände wie Werkzeuge, Schuhwerk oder Kleidung sowie Transportfahrzeuge weiter verbreitet werden. Deshalb sollten Reisende - auch Jagdreisende - und Transporteure sich besonders vorsichtig und verantwortungsvoll verhalten und Hygienemaßregeln beachten. Selbst in gefrorener Wurst oder Schweinefleisch ist das Virus nachweisbar. In Schweinezuchtbetrieben muss man schon länger über eine Fläche mit Desinfektionsmittel  fahren und gehen, um in die Betriebe zu gelangen. Schuhüberzieher und Schutzanzüge sind weitere Maßnahmen um die Einschleppung des Virus von außen zu verhindern. Infizierte Kadaver können noch nach Monaten empfängliche Tiere anstecken.

Erster Fall von Afrikanischer Schweinepest in Deutschland: Karte mit gemeldeten Fällen in Europa.  Grafik:  AFP 

Woher kommt die Afrikanische Schweinepest?

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, von der Haus- und Wildschweine betroffen sind. In den afrikanischen Ursprungsländern übertragen Lederzecken das Virus der ASP. Diese spielen in Mitteleuropa keine Rolle. Der Kontakt mit Blut ist der effizienteste Übertragungsweg. Auf der italienischen Insel Sardinien kommt die Afrikanische Schweinepest bereits seit Jahrzehnten vor. 2007 wurde die Afrikanische Schweinepest in Georgien nachgewiesen und verbreitet sich seither westlich. Im November 2019 hatte die Afrikanische Schweinepest erstmals den Westen Polens erreicht.

Wie zeigt sich die Erkrankung bei den Tieren?

Nach einer Infektion entwickeln die Tiere sehr schwere, aber unspezifische Allgemeinsymptome. Jäger sind angehalten, bei toten Wildscheinen oder auch bei Wildunfällen Proben zu nehmen, dafür erhalten sie jeweils 50 Euro.

Ist die Schweinepest für Menschen gefährlich?

ASP ist keine Zoonose. Sie wird also nicht zwischen Tier und Mensch übertragen. Daher ist sie selbst bei Verzehr von kontaminiertem Fleisch für Menschen nicht gefährlich.

Was passiert, wenn Hausschweine betroffen sind?

Ist ein Hausschwein infiziert, muss der gesamte Bestand getötet werden, es werden Schutzzonen eingerichtet, aus denen kein Schwein und kein Produkt ausgeführt werden darf. Die wirtschaftlichen Folgen für Schweine-Exportweltmeister Deutschland wären gravierend.

Darf deutsches Schweinefleisch noch exportiert werden?

Durch den aktuellen Schweinepest-Nachweis verliert Deutschland den Status "seuchenfrei", es könnten Exportstopps für Schweinefleisch ins Nicht-EU-Ausland drohen, etwa nach Asien. Allein in Brandenburg wurden nach Angaben des Landesbauernverbands vom November 2019 rund 750.000 Schweine in etwa 170 Betrieben gehalten. Von dort werden Ferkel insbesondere in andere Bundesländer und EU-Staaten exportiert.

Gibt es einen Impfstoff gegen ASP?

Wissenschaftler des Harbin Veterinary Research Institute in China forschen an einen Lebendimpfstoff gegen die ASP. Auch die Amerikanische Gesellschaft für Mikrobiologie (ASM) hat bereits über die Entwicklung eines experimentellen Impfstoffs berichtet. Zugelassen und in großem Maßstab verfügbar ist aber kein Impfstoff.

Wo wurde das infizierte Wildschwein genau gefunden?

In der Gemeinde Sembten im brandenburgischen Landkreis Spree-Neiße.  Da der Kadaver bereits stark verwest war, kann man davon ausgehen, dass das Virus bereits seit Wochen in Brandenburg ist. Der Fundort befindet sich in der Nähe zu Schweinebeständen im angrenzenden Landkreis Oder-Spree.

Was passiert jetzt am Fundort?

Nun  werden sogenannte Restriktionsgebiete abgesteckt. Damit sind Gebiete gemeint, in denen die Krankheit vermutet wird. In Brandenburg, wo der infizierte Wildschweinkadaver gefunden wurde, sollen heute noch erste Ortschaften abgesperrt werden. Es soll Sperrbezirke im Radius von mindestens drei Kilometern und Beobachtungsgebiete im Umkreis von mindestens zehn Kilometern eingerichtet werden.