Mittwoch, 16. November 2011
Rot-Schwarz steht

Geschafft! Und jetzt wird regiert

Von R. Gorny

Großes Senatoren-Kegeln: Wer raus ist, wer aufgestellt wird

Berlin –  

In einer zehnstündigen Marathon-Sitzung haben sich SPD und CDU Dienstagnacht auf die letzten Punkte des 100 Seiten umfassenden Koalitions-Vertrages geeinigt.

Der völlig übermüdete Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sorgte hinterher für Heiterkeit, als er die Verhandlungen mit der „christlich-sozialen Union“ lobte. Nanu, die bayerische CSU plötzlich in Berlin? CDU-Landeschef Frank Henkel nahm den Versprecher locker auf: „Wir müssen uns noch aneinander gewöhnen.“

Koalitionsvereinbarungen zwischen SPD und CDU

SPD und CDU in Berlin einigten sich auf eine ganze Reihe gemeinsamer Vorhaben für die nächsten fünf Jahre:

Der Regierende Klaus Wowereit (SPD) und CDU-Landeschef Frank Henkel zeigen stolz den frischen Koalitions-Vertrag.
Der Regierende Klaus Wowereit (SPD) und CDU-Landeschef Frank Henkel zeigen stolz den frischen Koalitions-Vertrag.
Foto: dapd

Im Louise-Schroeder-Saal des Roten Rathauses hatten SPD und CDU zuvor letzte Stolpersteine für Rot-Schwarz aus dem Weg geräumt. Danach wird Berlin zum 1. Januar 2013 eine Bettensteuer einführen. Touristen sollen einen Zuschlag von fünf Prozent auf ihren Zimmerpreis zahlen. Bei einem Übernachtungs-Preis von beispielsweise 120 Euro würde eine so genannte City-Tax von sechs Euro anfallen. Hier setzte sich die SPD durch. Doch schon droht Widerstand.

Unklar ist, ob dies in der Praxis wie eine Kur-Abgabe funktionieren soll. Die Bundesregierung kritisierte, jede neue Steuer schwäche die deutsche Position im scharfen Tourismus-Wettbewerb. Der Hotel- und Gaststättenverband Berlin (Dehoga) kündigte sogar postwendend eine Klage an. CDU-Landeschef Henkel betonte daher, vor der Einführung müsse ein „rechtssicheres Verfahren gefunden werden“, da in anderen Kommunen bereits gegen die City-Tax vor Gericht gezogen worden sei.

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Weitere Beschlüsse der letzten Koalitionsrunde: Auf Initiative der SPD wird im Berliner Vergabegesetz der Mindestlohn für öffentliche Aufträge von derzeit 7,50 auf 8.50 Euro erhöht. Die CDU boxte eine Abschaffung des Straßenausbaubeitragsgesetzes durch. Polizisten können künftig wahlweise entweder Namens- oder wechselnde Nummernschilder tragen. Die CDU sperrt sich im Bereich Inneres nicht mehr gegen einen neuen Polizeipräsidenten Udo Hansen. CDU-Chef Frank Henkel zeigt sich versöhnlich: „Ich habe nicht Herrn Hansen kritisiert, sondern das Auswahlverfahren. Herr Hansen hat eine faire Chance verdient.“

Die CDU musste noch eine weitere Kröte schlucken. Neu eingestellte Lehrer werden aus Kostengründen weiterhin nicht verbeamtet. Damit könnte eine weitere Abwanderung der Pädagogen in andere Bundesländer drohen. Doch nach Einschätzung der SPD wären die fälligen Pensionskosten unbezahlbar.

Klaus Wowereits Leitspruch für die neue rot-schwarze Landesregierung: „Wir wollen, dass Berlin reicher wird und sexy bleibt.“

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