Die verwaiste Alte Försterei. Am Sonnabend ist da der FC Bayern zu Gast.  Foto: Matthias Koch

Berlin -  Es ist das Wort, das im Fußball von den Protagonisten tunlichst vermieden wird. Doch am Donnerstag nahm Unions Präsident Dirk Zingler das Wort Krise selber in den Mund. Angesichts von Corona ist ein Krisenumgangsszenario notwendig, um die Ausbreitung des Virus nicht exponentiell steigen zu lassen. Das sind die wichtigsten Fragen  vor dem Hit der Eisernen gegen die Bayern am Sonnabend (18.30 Uhr) in der Alten Försterei.

Wird der Kick abgesagt? Nein, das Spiel findet statt. Aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Also ohne Zuschauer. Was den 1.FC Union mindestens um 800.000 Euro bringt. Lediglich akkreditierte Journalisten und TV-Stationen bekommen Zugang zum Stadion. Eine Pressekonferenz oder eine Mixedzone, in der Spieler nach der Partie ihre Meinung kundtun könnten, wird es auch nicht geben.

Gibt es eine Übertragung im Free-TV? Nein! Bislang wird Sky nur die Spieltagskonferenz über seinen frei zugänglichen Kanal „Sky Sport News HD“ zeigen. Das Samstagabendspiel als Highlight des 26. Spieltages bleibt im Pay-TV. Union bietet als zusätzlichen Service, dass der Audiokommentar für Sehbehinderte über die Homepage abgerufen werden kann.

Wie verhalten sich die Fans? Union fordert alle Anhänger ausdrücklich auf, nicht zum Stadion zu kommen oder ins Umfeld der Alten Försterei. Am Mittwoch in Gladbach hielten sich ja zahlreiche Anhänger vor dem Stadion auf. „Die Menschen sind zwar frei in ihrer Entscheidung, aber wir als Veranstalter stehen hier in der Pflicht“, so Zingler. Die Eisernen werden es aber laut Pressesprecher Christian Arbeit den Fanklubs ermöglichen, Zaunfahnen und Banner vor dem Spiel im Stadion zu platzieren.

Wird Union versuchen, sich entgangene Einnahmen wiederzuholen? Schwer zu sagen. Derzeit werden gerade alle Dauerkarteninhaber informiert, wie sie ihre Kohle für das Bayern-Ticket wiederbekommen. Rechtlich wird Union auch prüfen, ob entstandener Schaden ersetzt werden kann. Allein aus unternehmerischer Verantwortung heraus. Staatliche Entschädigungen für den Profizirkus hält Zingler für falsch.

Unions Boss Dirk Zingler steht derzeit schwer unter Stress.  Foto: imago images/Matthias Koch

„Grundsätzlich muss die Bundesliga solche Situationen aber für eine  Zeit verkraften können“, meinte Zingler und verwies im gleichen Atemzug auf ganz andere Probleme. Viele Unternehmen wären ja abhängig vom Ligabetrieb Fußball. Als Beispiel nannte er die Bäckerei Scholz, die Union immer mit Brötchen beliefert. Für die geht als Familienbetrieb ein Riesenauftrag verloren. Auch die vielen Hilfskräfte die an Spieltagen arbeiten, sind auf die Einnahmen angewiesen. „Wir haben hier bis zu 1.000 Menschen am Start. Auch auf 450-Euro-Basis. Die brauchen dieses Geld zum Leben“, so Zingler.

Werden alle Union-Spieler getestet? Das wäre nicht wirklich praktikabel. Da müsste ja quasi jeden Tag aufs Neue getestet werden. "Sie könnten sich ja jeden Tag woanders angesteckt haben", so Trainer Urs Fischer. Unions Ärzte stehen aber parat, um mit allen Akteuren bei Bedarf sofort weitere Vorgehensweisen ins Auge zu fassen.

Wie geht es insgesamt weiter? Am Montag tagt die DFL in Frankfurt. Für Union reisen Zingler und Schatzmeister Oskar Kosche an den Main. Dort soll über alles Weitere entschieden werden. Auch wenn Zingler sich nicht in die Karten gucken ließ, kann man davon ausgehen, dass für ihn weitere Geisterspiele keine Option sind. „Für uns als Union spielen Zuschauer eine ganz besondere Rolle“, so Zingler.

 Es könnte darauf hinauslaufen, dass Union innerhalb der DFL für eine Aussetzung des Ligabetriebes wirbt, bis sich die Krisen-Situation entspannt.  Kann dauern! Dass dies aber den internationalen Spieltagskalender betrifft, ist auch jedem klar. Doch da muss sich die Liga am Nächsten sein.  Eine Verschiebung der EM im Sommer (12. Juni  bis 20. Juli), damit Platz für Ausweichtermine entsteht, wäre eine denkbare Lösung.

Auch wenn Uefa und Fifa darüber nicht glücklich sein werden. Eine Verschiebung der EM in das kommenden Jahr würde die Uefa-Nations-Legaue beinträchtigen. Die Fifa  hätte Schweirgkeiten, ihre reformierte Klub-WM mit 24 Mannschaften in den Rahmenterminkalender zu pressen. Die Liga vorzeitig für beendet zu erklären – wie im Eishockey geschehen– stellt aber bislang keine ernstzunehmende Alternative dar.