Fußball ohne Fans? Nicht am Sonnabend in der Alten Försterei beim Spiel 1. FC Union gegen Bayern München. Foto: imago images

Mit Unterstützung der Fans oder ohne – das ist derzeit die große Frage bei Union und den eisernen Anhängern.   Dirk Zingler verfolgte am Dienstagvormittag das Training des 1. FC Union. Der Präsident des Fußball-Bundesligisten tat dies auf der Wuhleseite weit entfernt von der kleinen Zuschauerbox am Waldrand. Doch zum Ende der 70-minütigen Einheit näherte sich der Logistik-Unternehmer mit Presse- und Stadionsprecher Christian Arbeit den 15 Fans und Medienvertretern auf der gegenüberliegenden Seite. 

Wenn sich Zingler länger freiwillig und unaufgefordert zu Journalisten gesellt, hat dies in der Regel einen triftigen Grund. So auch am Dienstag. Zingler war es offensichtlich wichtig mitzuteilen, was er zur Corona-Virus-Problematik im Zusammenhang mit Spielen in der Bundesliga hält – speziell in Verbindung zum Topspiel der Eisernen am kommenden Sonnabend (18.30 Uhr) im ausverkauften Stadion An der Alten Försterei gegen Tabellenführer Bayern München.

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„Am Ende entscheidet nicht der Bund, sondern das Gesundheitsamt in den Landkreisen und Bezirken. Wenn wir alle sachlichen Gründe untersuchen, und wir haben eine Risiko-Analyse gemäß des Robert-Koch-Instituts gemacht, gehe ich davon aus, dass kein Grund dafür besteht, dass Spiel ohne Zuschauer stattfinden zu lassen“, sagt Zingler. „Deshalb entscheidet nicht Herr Spahn, sondern die Gesundheitsbehörde in Köpenick. Wir sind in Kontakt und werden gemeinsam entscheiden.“

Jens Spahn für Absage von veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern

Zu diesem Zeitpunkt war bereits bekannt, dass die Nachhol-Begegnung zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln wegen der Virus-Gefahr ohne Fans über die Bühne gehen muss. Das wurde im Laufe des Tages auch für den Ruhrpott-Klassiker zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 am Sonnabend und das Montagsspiel zwischen Werder Bremen und Bayer Leverkusen verkündet.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Sonntagabend getwittert, dass er ausdrücklich dazu ermuntere, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern bis auf Weiteres abzusagen. Zingler kritisierte das zunächst indirekt. „Grundsätzlich halte ich Twitter-Politik für bedenklich, weil es Dinge verkürzt. Es sorgt für mehr Unruhe als Aufklärung.“ 

Union würde auf Schadensersatz pochen

Später wurde er deutlicher in Richtung Spahn, als es um die wirtschaftlichen Folgen ging. Union sei Arbeitgeber für 180 Mitarbeiter. Bei einem Geisterspiel werde dem Verein die Unternehmensgrundlage entzogen. „Herr Spahn hat ja auch nicht empfohlen, dass BMW die Produktion in Berlin einstellt. Dann kann er uns auch nicht empfehlen, dass wir unseren Betrieb einstellen.“

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Der Union-Boss wollte nicht die finanzielle Höhe benennen, die ein Zuschauerausschluss zur Folge hätte. Zingler stellte jedoch klar, dass Union auf Schadensersatz pochen würde, wenn eine Behörde allein aus präventiven Maßnahmen eine Anordnung erlassen würde, die in Richtung Geisterkulisse ginge. Zwischen dem Gesundheitsamt Treptow-Köpenick und Union gab es seit dem Wochenende viele Gespräche, die aus Sicht des Vereins zum Erfolg führten. Am Dienstagnachmittag vermeldete der Klub denn auch offiziell, dass es zum Match gegen die Bayern keinen Zuschauerausschluss gibt. 

Die örtlichen Behörden im Stadtbezirk Treptow-Köpenick hätten den 1. FC Union informiert, dass sie nach umfangreicher Prüfung der aktuellen Risikobewertung in Bezug auf die Ausbreitung des Corona-Virus entschieden haben, „keine Anordnung über einen Ausschluss von Zuschauern für das Heimspiel am 14.03.2020 zu erlassen“, heißt es in der Mitteilung des Vereins. Der Bezirk habe berücksichtigt, dass Union einen umfassenden Maßnahmenkatalog zur Hygiene im Stadion und zur Prävention vor und während der Veranstaltung vorgelegt habe. 

In einer Mitteilung des Amtes vom späten Abend hieß es aber:  „dass das zuständige Gesundheitsamt und auch der zuständige Dezernent keine Entscheidung zur Durchführung des Spieles am 14.03.2020 mit Zuschauerbeteiligung getroffen haben“. Bezirksstadtrat Bernd Geschanowski wird mit den Worten zitiert: „Insbesondere nach den Aussagen des Bundesgesundheitsministers zu Großveranstaltungen in Bezug auf die Ausbreitung des Coronavirus muss klar sein, dass jede regionale Veranstaltung auf dem Prüfstand steht und besondere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu erfolgen haben“.

Zwei Berliner Fußballer Corona-infiziert

Bezirksstadtrat Bernd Geschanowski wird mit den Worten zitiert: „Insbesondere nach den Aussagen des Bundesgesundheitsministers zu Großveranstaltungen in Bezug auf die Ausbreitung des Coronavirus muss klar sein, dass jede regionale Veranstaltung auf dem Prüfstand steht und besondere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu erfolgen haben“. Wann eine Entscheidung fallen soll, wurde nicht mitgeteilt.  Unterdessen hat das Virus den Berliner Fußball-Verband (BFV) erreicht.

Laut BFV sind zwei Fußballer positiv auf das Sars-CoV-2-Virus getestet worden. Dabei handelt es sich laut dpa um einen Spieler vom SC Charlottenburg sowie um einen Kicker der zweiten Mannschaft des TSV Rudow, die beide in der Landesliga (7. Liga) spielen. „In einem Fall hat das Gesundheitsamt angeordnet, dass die gesamte Mannschaft im Erwachsenenbereich unter Quarantäne gestellt wird. In einem zweiten Fall wurde ebenfalls eine positiv getestete Person unter häusliche Quarantäne gestellt“, so der BFV. Die kommenden Spiele der betroffenen Teams wurden deshalb abgesetzt.