Wie aufgeregte Hühner schnattern die Parteipolitiker zwischen den Landtagswahlen in der Berliner Legebatterie. Nur eine bleibt cool und tut so, als sei ihr das alles egal: Angela Merkel. Sie ist das ruhige Zentrum des Sturmes.
Genau das ist ihre selbstgewählte Rolle. Sie inszeniert sich als präsidiale Kanzlerin über den innenpolitischen Niederungen und Aufgeregtheiten.
Ihre Partei verliert Schleswig-Holstein. Sie bleibt cool. Der CDU droht in NRW ein Wahl-Desaster. Sie bleibt cool. Die schwarz-gelbe Koalition ist über Betreuungsgeld, Pendlerpauschale, Finanztransaktionssteuer und Mindestlohn heillos zerstritten. Sie bleibt cool.
Lady Cool. Angela Merkel hat es geschafft, ihr Image und ihre Popularität von Schwarz-Gelb abzukoppeln. SPD und Grüne finden kein Rezept gegen Lady Cool. Deshalb können ihr auch CDU-Niederlagen bei Landtagswahlen nichts anhaben. Seitdem sie sich im vergangenen Herbst nach langem Zögern entschlossen hatte, in Europa Führung zu zeigen, klettern ihre Popularitätswerte.
Der Mehrzahl der Wähler ist es wichtiger, dass sie Deutschland einigermaßen sicher durch die Eurokrise führt. Alles andere ist zweitrangig. In Europa führen, in Deutschland aussitzen – diese Rechnung scheint aufzugehen.
Aber genau das ist ihre Achillesferse. Sollte Merkels Europakurs an François Hollande und den griechischen Chaos-Politikern scheitern, dann würden die schönen Popularitätswerte schnell fallen. Das wäre das Ende von Lady Cool.
Wer einen Ort sucht, an dem es politisch völlig windstill ist, der sollte einen der vielen Gipfel der Bundesregierung besuchen: Familiengipfel, Frauengipfel, Energiegipfel, Demografiegipfel. Mehr...
Demokratie ist der Streit um die bessere Lösung, der Austausch von Argumenten. Zugegeben, das ist der Idealfall. In Wahlkämpfen wird schon mal geholzt und die große Keule gegen den politischen Gegner herausgeholt. Mehr...
Wahlkampf ist die Zeit, in der Politiker am meisten dazulernen. Könnte man meinen, wenn man beobachtet, wer alles seine Meinung ändert. Mehr...
