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Berliner-Kurier.de | Sauerland: Die Boxer tanzen uns nicht auf der Nase rum
15. February 2016
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Sauerland: Die Boxer tanzen uns nicht auf der Nase rum

Promotor Kalle Sauerland mit Arthur Abraham und Trainer Ulli Wegner (v.l.)

Promotor Kalle Sauerland mit Arthur Abraham und Trainer Ulli Wegner (v.l.)

Foto:

Bongarts/Getty Images

KURIER: Sie haben die Pflichtverteidigung von Arthur Abraham mit dem Mexikaner Ramirez ersteigert. Warum findet der Kampf am 9. April in Las Vegas statt?

Kalle Sauerland: Beim Gewinn der Versteigerung war es uns sehr wichtig, die Übertragungsrechte für unseren TV-Partner ProSiebenSat.1 für den deutschen Markt zu sichern. So können die Boxfans bei uns auch live im TV dabei sein, wenn Boxgeschichte geschrieben wird. Wir sind uns alle einig, dass Arthur mit einem Sieg seine Stellung als bester Super-Mittelgewichtler der Welt festigen wird!

Nach einigen umstrittenen Urteilen hieß es mancherorts, Profiboxen sei wieder auf dem Weg in die Schmuddelecke, aus der es Ihr Vater Wilfried nach der Wiedervereinigung rausholte und mit Rocchigiani, Maske, Beyer, Ottke, May, Schulz und jetzt Abraham zu neuem Glanz führte. Wie sehen Sie die Situation?

Wir unternehmen alles, um das erreichte Niveau zu halten. Neben unseren erfahrenen Weltmeistern wie Arthur Abraham und Jürgen Brähmer haben wir ein halbes Dutzend junger Boxer unter Vertrag, von denen es der eine oder andere in den nächsten zwei Jahren zu WM-Ehren bringen kann.

Bis zum zweiten Kampf gegen Giovanni De Carolis galt auch Vincent Feigenbutz als WM-Hoffnung ...

Die Niederlage schmerzt, aber Vincent ist 20 Jahre alt. Ich bleibe dabei: Er ist eines der großen deutschen Talente. Er wird neu aufgebaut und erhält wieder seine Chance.

Dass der Kampf überhaupt als WM stattfand, war allerdings ziemlich fragwürdig.

Als uns von der WBA die Chance eines Titelkampfes angeboten wurde, haben wir als Boxstall mit beiden Händen zugegriffen. Leider konnte Vincent diese Möglichkeit nicht nutzen. Aber Giovanni gibt ihm die Chance zum Re-Match.

Es gab Wirbel um Tyron Zeuge. Es hieß, er trainiere nun bei Jürgen Brähmer in Schwerin. Ist da was dran?

Es stimmt, Tyron trainierte in Schwerin, aber mit Jürgen Brähmer und nicht bei ihm. Wir lassen uns von den Boxern nicht auf der Nase rumtanzen. Wer bei wem trainiert, bestimmt das Management. Tyron trainiert weiter in Berlin.

Apropos Brähmer: Er verteidigt seinen Titel nun am 12. März in Neubrandenburg gegen Eddy Gutknecht.

Geplant war ja das Duell mit Thomas Oosthuizen. Aber den ersten Termin am 7. November in Monte Carlo musste Jürgen wegen einer Handverletzung absagen, jetzt verzichtete der Südafrikaner wegen mentaler Probleme. Gutknecht ist kein Notnagel. Vor drei Jahren gewann Brähmer dieses Duell nach Punkten.

Was bewog Sie, Skandalnudel Derek Chisora unter Vertrag zu nehmen?

Derek wird bei uns eine gute Rolle spielen. Er gehört zu den Top-Ten im Schwergewicht und bringt Buntheit in unseren Stall. Aber: Wer Skandale vom Zaun bricht, der fliegt.

Ihr Boxstall hat mit Marco Huck und Yoan Pablo Hernandez gleich zwei Weltmeister verloren. Wann sind die Lücken geschlossen?

Schwergewichtler Kubrat Pulew macht bei Trainer Ulli Wegner gute Fortschritte. Jack Culcay hat im letzten Kampf richtig geglänzt, könnte die Lücke schon bald füllen. Ich erhoffe mir auch von Noel Gevor und Stefan Härtel große Kämpfe.

Beim Kampfabend in Offenburg waren zwei Boxer vom Wiking-Team dabei. Verfügt Sauerland-Event nicht über genug Boxer?

Wir haben genug Boxer, um einen Kampfabend zu gestalten. Wir nehmen aber gern Talente mit ins Boot. Wir arbeiten mit Winne Spiering von Wiking ebenso zusammen wie mit Ulf Steinforth von SES, Erol Ceylan aus Hamburg und dem Boxstall von Felix Sturm. Auch Graciano Rocchigiani hat mit seinem neuen Boxstall bei uns eine Chance.

Ulli Wegner betreut mit 73 Jahren neben Abraham noch Pulew und Culcay. Zeuge und Feigenbutz waren im Gespräch. Wird das nicht zu viel?

Ulli Wegner lebt für das Boxen. Von zu viel oder Ruhestand will er nichts wissen. Wenn ich seine Arbeit so verfolge: Er wird noch einige Weltmeister herausbringen.

Das Interview führte Manfred Hönel