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Zoff beim Freundschaftsspiel: Union sieht Polizei im Unrecht

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Pfefferspray im Einsatz gegen die Fans des 1. FC Union. 

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imago/Matthias Koch

Berlin -

Der Tag nach dem Benefizspiel der Eisernen gegen Austria Salzburg (5:0). Der Polizeieinsatz rund um das Freundschaftsspiel schlägt weiter hohe Wellen. Am Vormittag erheben die Ordnungshüter massive Vorwürfe gegen die Köpenicker. Am Spätnachmittag reagieren die Eisernen. Aus ihrer Sicht haben die Einsatzkräfte die Situation überhaupt erst eskalieren lassen.

 Die vorläufige Bilanz: 80 verletzte Personen, darunter 26 sogenannte Hardcorefans, 21 Beamte sowie 40 weitere Fußballanhänger, die in Handgemengen und beim massiven Einsatz von Pfefferspray zu Schaden gekommen waren. Es kam zu 18, teils ruppig durchgeführten Festnahmen. Es wird wegen schweren Landfriedensbruchs gefährlicher Körperverletzung Widerstands, Beleidigung und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt.

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Eine der 18 Festnahmen am Rande eines echten Freundschaftsspiels ...

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imago/Matthias Koch

Die Polizei sagt in ihrer Presseerklärung, dass gegen 16 Uhr Ordnungskräfte beim Einlassbereich des Stadions attackiert worden sind. Der zuvor erfolgte Fanmarsch sei bereits durch den Einsatz von Pyrotechnik und das Skandieren polizeifeindlicher Sprechgesänge negativ aufgefallen.

Dem widerspricht Union vehement und verweist auf vorliegende Videoaufnahmen. Demnach sei die Situation erst eskaliert, als Polizisten den vom Schlossplatz kommenden friedlichen Marsch beim Einlass aufs Gelände daran hindern wollten.

Zitat von Unions Homepage: „Wenige Meter nach dem Passieren der Zufahrt zum Parkplatz vor der Haupttribüne des Stadions versuchte eine Polizeikette bereits auf dem Vereinsgelände den Zug ohne ersichtlichen Grund zu stoppen. Ein aggressives Verhalten der Fans war nicht zu beobachten, im Gegenteil, zahlreiche Fans versuchten, der plötzlichen Sperrung auszuweichen oder davor zu stoppen. Mehrere Fanbetreuer des Vereins versuchten, zwischen Polizei und nachströmenden Fans zu vermitteln. Als ein Fan das Gleichgewicht verlor und beim Sturz in die Polizeikette einen der Beamten zu Fall brachte, reagierten die anderen Polizisten umgehend mit körperlicher Gewalt und setzen Reizgas ein, wodurch die bis dahin ruhige Lage zur Eskalation gebracht wurde.“

Zeugenaussagen gegenüber dem KURIER und unsere eigenen Beobachtungen bestätigen diese Version. Weitere Unruhe entstand in der Folge, als die Polizei nun versuchte Einzelpersonen aus der Menge der ins Stadion strömenden Fans herauszuziehen und sich dabei den Weg durch den Behinderteneingang und an Rollstuhlfahrern vorbei bahnen wollten.

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Unions Fanbeauftragter Lard Schnell (Mitte) musste ins Krankenhaus.

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imago/Matthias Koch

Die Tatsache, dass Flaschen auf die Beamten flogen, ist richtig. Diese wurden vor allem auf dem Parkplatz vor der Tribüne und aus dem Einlassbereich hinter der Umzäunung auf die Gruppe von Polizisten geworfen, die Einzelpersonen dingfest machen wollten.

Die Behauptung der Polizei dass die Fanbeauftragten nicht versucht hätten, beruhigend einzugreifen, kann nach Augenzeugenberichten so nicht bestätigt werden. Lars Schnell, Unions Mann für die Anhängerschaft, bekam eine volle Ladung Pfefferspray ab, musste sogar ins Krankenhaus zur Behandlung.

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Pyrotechnik beim Fanmarsch. Böse Gesänge soll es auch gegeben haben.

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imago/Matthias Koch

Insgesamt 300 Beamte waren im Einsatz. Was bei den Eisernen Kopfschütteln hervorrief. Die für ein Benefizspiel außergewöhnliche hohe Polizeipräsenz hätte die Situation unnötig verschärft. „Ein angesichts der Situation rund um das Stadion unerklärlich intensiver Polizeieinsatz“ habe die Lage aus dem Ruder laufen lassen.
Schade! Jammerschade!