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Berliner-Kurier.de | Unions Plan: Immer weiter, bis ganz weit vorn
21. January 2016
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Unions Plan: Immer weiter, bis ganz weit vorn

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Union feiert sich.

Foto:

City-Press GbR

Berlin -

50 Jahre 1. FC Union. Das sind, auf die Sportart umgerechnet, exakt 292 208 Fußballspiele aneinander gereiht. Worauf jetzt jeder Eiserne sagen wird: Geil, und das alles im Stehen, mit Bratwurst und Bier im Stadion an der Alten Försterei. Doch das gefährliche an Geburtstagen ist, dass viel zu viel von der Vergangenheit erzählt wird. Wo doch nur die Zukunft die nächste Party garantiert.

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Was ein Jahrzehnt verändern kann, zeigen die Fotos der beiden letzten runden Union-Geburtstage. Ganz oben 2016 das Velodrom und diese hier wurde 2006 auf dem Parkplatz an der Hämmerlingstraße aufgenommen.

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imago/Friedel

Genau an diesem Punkt kommt Dirk Zingler ins Spiel. Der Präsident, in dessen Ära der FCU zu einem Erfolgsklub wurde, der mal eben 3500 Rot-Weiß-Selige zu einer Mitgliederversammlung mit viel gelungenem und hochemotionalen Feierschmuck ins Velodrom zieht.

Zingler konnte es sich nicht verkneifen – warum sollte er auch? – zum 40. Geburtstag seines Lebensinhaltes und -werkes zurückzublenden. Damals kickten die Köpenicker – „vier Jahre nach der Europapokal-Teilnahme“ (Zingler) – in der NOFV-Oberliga, Staffel Nord. Gegen Anker Wismar und Falkensee-Finkenkrug.

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Höhepunkte des Feier-Abends. Der 90-jährige und unfassbar rüstige Ehrenpräsident Günter Mielis liest die Union-Historie vor. 

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imago/Matthias Koch

„Gefeiert haben wir mit einer Torte und ein paar Bier auf dem Parkplatz an der Hämmerlingstraße“, erinnerte sich der Präsi. Und wer ihn auch nur ein bisschen kennt, der weiß, dass diesen Mann neben seiner Liebe zu Union auch die Verlustangst antreibt.

Denn Unioner kennen alle Höhen und Tiefen. Aber Zingler will die Tiefen weggrätschen. Und nutzte genau deshalb den feierlichen Moment, um jenen, die ihm so wichig sind, ganz stahlhart ins Gewissen zu reden.

Union müsse die Bundesliga und einen Platz unter den 20 besten deuschen Fußballklubs als Ziel begreifen. Union müsse erfolgreich sein, um als Stimme der Vernunft überhaupt gehört zu werden. „Wir müssen mutig bleiben!“

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Und die Fußballgötter der FDGB-Pokalgewinner von 1968 brachten die 37 Kilo schwere Trophäe mit. 

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imago/Matthias Koch

Mehrmals sprach er mit Bedacht ein Wort aus, das viele Eiserne ins Bier spucken lässt. Union müsse „kommerziell“ erfolgreich sein – er hätte auch „wirtschaftlich“ sagen können, tat es aber nicht!

Union muss – auf seine Weise – mitmachen im Moneten-Mahlstrom des Profifußballs. „Wir müssen uns öffnen“, forderte der Vordenker in Richtung aller Meckerköpfe, die das WM-Wohnzimmer abscheulich fanden und echte Unioner nur nach ihren eigenen Regeln definieren.

Im KURIER stand es vor Kurzem: Zingler träumt von einer Alten Försterei mit 40 000 statt bisher 22 000 Zuschauerplätzen. Er glaubt fest daran, dass die innere Stärke des Vereins. „unser Wertegerüst“, auch solche Sprünge locker aushalten.

Er weiß, dass Tradition nicht das Anbeten der Asche ist, sondern das Weitertragen der Flamme. Aber glauben das auch die ganzen Zweifler, die lieber unter sich bleiben möchten und zwar „Immer weiter, ganz nach vorn“ singen – aber irgendwie Angst davor haben, es auch zu wagen?