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Berliner-Kurier.de | Union: Ablöse für neuen Trainer ist kein Tabu
06. March 2016
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Union: Ablöse für neuen Trainer ist kein Tabu

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Unions Sport-Geschäftsführer Lutz Munack ist auf Trainersuche.

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imago/Matthias Koch

Berlin -

So richtig wahrgenommen wurde Lutz Munack beim 1. FC Union in seiner neuen Funktion als Geschäftsführer Sport noch nicht. Und nun steht er mit der Vertragsauflösung von Trainer Sascha Lewandowski und der Suche nach einem neuen Chef auf der Bank plötzlich im Mittelpunkt. Er verspüre keinen unmenschlichen Druck, habe den selben Spaß bei seiner Arbeit für den Verein wie vor elf Jahren, als er bei den Rot-Weißen begann. Trotzdem ist er es, der in den nächsten Wochen einen neuen Trainer präsentieren muss. Noch bevor die Suche so richtig begonnen hat, spricht er über ...

... die Sonderregelung für André Hofschneider als Interims-Chef bis Saisonende: „In der Lizenzordnung gibt es einen Paragrafen, der für Situationen wie unsere eine Ausnahme genehmigt. Normalerweise dürfte Andre mit seiner A-Lizenz nur drei Spieltage als Chef auf der Bank sitzen. Kommt ein Verein aber unverschuldet in die Situation, keinen Cheftrainer mit Fußballlehrer-Lizenz auf die Bank setzen zu können, darf der Co-Trainer die Mannschaft bis Saisonende leiten.“

... Handlungsdruck bei der Suche nach einem neuen Trainer: „Das Erfreulichste an unserer Situation ist doch, dass wir absolut keinen Handlungsdruck haben. Wir haben mit André Hofschneider und Sebastian Bönig zwei Co-Trainer, die absolut die fachliche Kompetenz haben, die Mannschaft bis Saisonende erfolgreich zu leiten.“
... das Anforderungsprofil an den neuen Coach: „Das Anforderungsprofil an den Neuen ist im Großen und Ganzen das selbe wie an Sascha Lewandowski. Eine Lewandowski-Kopie wollen wir aber nicht. Es sollte ein eigenständiger Trainer sein, der uns mit seiner Individualität weiter bringt.“

... den finanziellen Spielraum für den neuen Trainer: „Wir gehen sehr offen in die Planung. Ob wir auch Geld in die Hand nehmen würden, um einen Trainer freizukaufen, ist eine gute Frage. Aber ich bin kein Fan von Tabus.“
... die Kaderplanung für die neue Saison: „Prinzipiell müssen wir für die Kaderplanung keinen neuen Trainer haben. Für die Kaderplanung ist Helmut Schulte seit Anfang Februar hauptverantwortlich.

... die Zusammenarbeit mit Helmut Schulte: „Ich freue mich total über die Zusammenarbeit mit ihm. Er hat einen total großen Erfahrungsschatz – auch was schwierige Situationen angeht. Er hat mir in den letzten Wochen sehr geholfen, mit den Eindrücken umzugehen. Wir werden auf der Suche nach dem neuen Trainer auch auf seinen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Wir wären ja töricht, Wissen, das in unserem Verein vorhanden ist, nicht zu nutzen.“

... das Ziel, in der nächsten Saison zu den Top 20 Vereinen in Deutschland zu gehören: „Wir werden an grundsätzlichen Ideen festhalten und diese weiterentwickeln. Allerdings können wir einen Aufstieg nicht planen. Das kann im Profifußball wohl nur RB und selbst bei denen klappt es nicht immer. Wir suchen sicher keinen Trainer, der sich gegen das Ziel Top 20 wehrt. Aber er hat auch nicht den Druck, im ersten Jahr aufsteigen zu müssen. Wir haben ein Ziel, und je näher wir dem kommen, desto mehr freuen wir uns.“
... strukturelle Veränderungen im Nachwuchs: „Wir haben die U23 aufgelöst, um den restlichen Nachwuchs zu stärken. Wir wollen mit der A-Jugend in die Bundesliga. Uns ist klar, dass wir auch perspektivisch keine sechs Nationalspieler pro Jahrgang haben werden. Aber zwei Jungs pro Saison sollten den direkten Sprung in den bezahlten Fußball schaffen. Deshalb sparen wir mit dem Auflösen der U23 auch kein Geld ein, sondern schichten es um. Wir haben in Hauptamtlichkeit investiert, etwa einen Nachwuchs-Torwarttrainer, Physiotherapeuten, Mentaltrainer. Wir haben die Spitzenspieler bisher nicht in der A- oder B-Jugend verloren, sondern in der D- und C-Jugend. Dem können wir nun entgegenwirken.“