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Sascha Lewandowski: Wenn die Seele dich vom Platz stellt

Sascha Lewandowski

Sascha Lewandowski

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dpa

Er kam am 1. September als großer Hoffnungsträger nach Köpenick. Er sollte den 1. FC Union sportlich wieder auf Kurs bringen. Die Menschen im und um den rot-weißen Traditionsklub steckten all ihre Hoffnungen und Wünsche für ihren FCU in ihn. Jetzt, keine acht Monate später, ist Sascha Lewandowski wieder weg. Der Druck war zu groß. Von außen. Auf ihn. Der Druck, den er sich selbst machte. Schock-Diagnose: Burnout!

Die Nachricht, die der Verein Freitagnachmittag veröffentlichte, bestätigte die großen Sorgen. „Akutes Erschöpfungssyndrom: Sascha Lewandowski nicht mehr Trainer des 1. FC Union Berlin“, teilte der Verein mit. Eine Nachricht, die bei allen Eisernen für Gänsehaut sorgte. Aber wenn wir ehrlich sind, hat jeder, der Union in den letzten Wochen verfolgte, es irgendwie ahnen können.

Bei seiner Vorstellung am ersten Tag im September stand vor den Journalisten und den Fernsehkameras ein völlig anderer Lewandowski als der, der in den letzten Wochen bei den Rot-Weißen auf dem Trainingsplatz zu sehen war. Er wirkte vor acht Monaten lebendig. Lachte viel, scherzte. Bei seinen ersten Partien als Union-Trainer ging er an der Linie immer voll mit. Sprang auf und jubelte. Er fluchte. Er lebte.

Zuletzt war davon weniger zu sehen. Er wirkte ergraut. Die Union-Mitarbeiter hinter den Kulissen fuhr er oft nur noch schroff an. Bei den Spielen nahm er das Geschehen auf der Bank einfach nur noch hin. Besonders deutlich wurde das in Leipzig beim 0:3. Der Coach saß regungslos auf seinem Stuhl. Wirkte abwesend. Jetzt ist auch klar warum: Es war alles einfach zu viel für ihn.

Drei Tage nach dem Leipzig-Spiel meldete sich Lewandowski bei Union krank ab. Für drei Wochen! Am 22. Februar gab der Klub den Ausfall des Trainers bekannt.

Warum, wieso, weshalb verriet Union nicht, obwohl Präsident Dirk Zingler und Unions Teamarzt Dr. Matthias Plepp von Lewandowskis Erkrankung wussten. Die ersten Gerüchte kamen auf, es wurde viel spekuliert. Aber allen war klar: Es muss etwas Ernstes sein.

Jetzt die Bestätigung dessen, was viele ahnten. „Ich hatte gehofft, dass eine kurze Pause reichen könnte, die Beschwerden deutlich zu verringern. Dies war aber leider überhaupt nicht der Fall“, erklärt Lewandowski. Sein Erschöpfungssyndrom ist zu akut. Sogar funktionelle Herzbeschwerden stellten sich beim 44-Jährigen ein.

Schlimm, bei einer Burnout-Erkrankung leider oft ein typischer Begleiter. Der Körper will der Seele verzweifelt signalisieren: Es geht nicht mehr! Wir schaffen das nicht mehr!

Mit diesen Herzbeschwerden war natürlich nicht mehr daran zu denken, ein Zweitliga-Team zu führen und zu coachen. Nach intensiven Gesprächen lösten Union und Lewandowski gestern einvernehmlich das Arbeitspapier des Fußballlehrers auf. Co André Hofschneider übernimmt bis Saisonende.

Die Vertragsauflösung war ein logischer Schritt. Für Lewandowski ganz sicher auch eine Befreiung. Jetzt kann er sich auf seine Heilung konzentrieren. Und Burnout ist heilbar! Der gebürtige Dortmunder: „Neben den gesundheitlichen Risiken muss ich auch akzeptieren, dass ich aktuell einfach nicht annähernd die Power habe, mit so viel Energie zu arbeiten, wie ich es als Cheftrainer gewohnt bin und wie die Mannschaft es verdient. Nach Einschätzung meiner Ärzte wird es noch Monate dauern, bis ich wieder der Alte bin.“

Lewandowski ist mittlerweile in einer Reha-Einrichtung. Weg vom Trubel. Weg vom Fußball, den er so liebt. Der ihn aber auch fast kaputt gemacht hätte. Irgendwann wurde es zu viel. Und alles, alles wurde dunkel. Das hat er gemerkt und die Reißleine gezogen. 

Jetzt ist, so sagen die Burnout-Experten, wichtig, dass Sascha Lewandowski sich nicht als Versager oder Ausnahmeerscheinung sieht, sondern als einen von (zu) vielen, die in unseren modernen Zeiten an Burnout erkranken. Etwa ein Viertel der arbeitstätigen Bevölkerung – bis zu zehn Millionen Menschen – erleiden diese Krankheit oder Symptome davon.

Es ist eine Volkskrankheit, die jeden treffen, der aber auch jeder wieder entkommen kann. Kämpfen und Siegen, Trainer!


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