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Berliner-Kurier.de | Medizincheck bei Union Berlin: Zähne sagen mehr als Worte
04. January 2016
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Medizincheck bei Union Berlin: Zähne sagen mehr als Worte

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Erst wird Daniel Haas von Guido Pawlik komplett verkabelt.

Foto:

Matthias Kern

berlin -

Berlin Sascha Lewandowski versucht, jedes Prozentpünktchen Leistung aus seinen Jungs zu kitzeln. Dabei geht er auch neue Wege und nimmt Dinge in Anspruch, die es so vorher bei Union nicht gab. Der Trainer schickte die Profis vor dem morgigen Trainingsstart zum Zahnarzt!

Wobei das die größte Untertreibung des Jahrhunderts wäre. „Zahnretter“ steht an der Praxis in der Altstadt Köpenick. Aber eigentlich ist es sogar ein echtes Institut. Ein Sportzahnmedizinisches Institut!

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Hier erscheint Daniel Haas' Kopf auf dem Computer.

Foto:

Matthias Kern

Was das ist? Auf jeden Fall ein echt unhandlicher Begriff. Dafür steckt dahinter ganz viel Nützliches. Leiter Guido Pawlik, ein Ex-Leichtathlet, erklärt, was es damit auf sich hat: „Es geht bei uns um die Vorbeugung von Verletzungen und Leistungsoptimierung. Die Leistungssteigerungen, die wir mit unseren Mitteln erreichen, sind höher als mit Doping.“

Die Spieler wurden komplett durchgecheckt. Zuerst musste jeder einen zehnseitigen Fragebogen über sich ausfüllen. Anschließend wurde die Wirbelsäule vermessen, dann ging es um Bewegungsmuster und die Kraftverteilung. „Da sehen wir die Ursachen für Muskel- und Gelenkbeschwerden genau. Oder wo welche entstehen könnten, weil Kräfte falsch wirken“, verrät der 40-Jährige.

Medizincheck bei Union (I)
Toni Leistner gibt alles.

Danach wurde in den Mund geguckt. Geschaut, wie der Sportler zubeißt, wie er den Kiefer dabei bewegt, wie er verkrampft. Dann ging es in den zahnärztlichen Bereich. Pawlik: „Zahnprobleme können sich auf das Herzkreislaufsystem und die Muskeln auswirken.“

Es folgte die große 3D-Diagnostik. Ein neues Verfahren zeigt die Kieferfunktion, die Mundhöhle und Funktion der Luftröhre. Pawlik: „Da sehen wir, wie viel Luft der Patient bekommt und warum nicht noch mehr.“

Zuletzt mussten die Profis zum Test der Reaktionen, Sprung-, Maximal- und Schnellkraft. Dabei leuchteten auf einem Bildschirm Zahlenfelder auf, die so schnell wie möglich auf dem Fußboden mit dem Fuß angetippt werden mussten.

Medizincheck bei Union (II)
Toni Leistner auf der Matte.

Zweieinhalb Stunden dauerte das Ganze. Abwehrspieler Toni Leistner: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Seine Kollegen auch nicht.

Pawlik und sein Team werten in den nächsten zwei Wochen die Ergebnisse aus. Für jeden Kicker wird ein individueller Plan erstellt, um Defizite auszugleichen und die Leistung zu steigern. Ganz ohne Doping.