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Jubel, Trubel, Hundegrüße: Drei Tore, drei Punkte, drei Geschichten

Der Ball ist rund, elf Freunde müsst ihr sein, ein Fußballspiel dauert immer 90 Minuten. Binsenweisheiten. Und ja doch, jedes Spiel hat natürlich seine eigene Geschichte. Manche sogar mehr als eine. Das 3:0 des 1.FC Union gegen 1860 München ist so eines. Lesen Sie einmal hier im Folgenden,

Warum Trainer Sascha Lewandowski auf einmal in der Jubeltraube zwischen den Spielern zu finden war

Lewandowski (1)

Die ordnende Hand von Coach Lewandowski (l.) auch mitten im größten Jubel.

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Die Coachingzone. Eng bemessener Spielraum für Trainer. Eine kleine Box, in der Übungsleiter aufgeregt auf- und abtigern und mehr oder weniger versuchen, Einfluss auf das Spielgeschehen zu nehmen. In der 80 Minuten hielt es Unions Trainer Sascha Lewandowski nicht mehr in seinem Sperrbezirk. Wie von der Tarantel gestochen rannte er runter Richtung Eckfahne, wo seine Kicker mit Bobby Wood und dem Maskottchen Ritter Keule nach dem vorentscheidenden 2:0 gegen die Löwen eine eiserne Jubeltraube bildeten. Mit der Geschwindigkeit eines ICE fand sich Unions Chefcoach dort ein, um – ne, nicht um zu jubeln oder zu gratulieren. Was eigentlich normal gewesen wäre in der Sekunde. Sondern um sich Sören Brandy zu greifen und heftig gestikulierend auf den Stürmer einzureden. „Ich hatte kurz überlegt, ob ich das machen soll. Aber es war für mich die letzte Möglichkeit, noch mal Zugriff zu haben auf die Spieler. Deshalb war es für mich wichtig Sören in der Phase noch mal mit auf den Weg zu geben, dass er defensiv etwas breiter stehen und mehr die Nähe zu Wittek und der linken Seite der Löwen halten soll. Ich habe kurz überlegt, machen oder nicht machen. Aber sonst hätte ich ihn eh nicht mehr gekriegt. Also versuchte ich es einfach“, verriet der 44-Jährige die Hintergründe seines kleinen Ausfluges. Merke: Es kann der beste Spieler nicht in Ruhe jubeln, wenn es dem „bösen“ Coach nicht gefällt. 

Warum Booby Wood sich hinterher fast bei seinen Ex-Kollegen entschuldigte

Bobby Wood überwältigt Ritter Keule.

Bobby Wood überwältigt Ritter Keule.

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Man kennt das ja zu genüge. Dieses ach so modern gewordene respektvolle Verhalten gegenüber Ex-Klubs oder Ländern, in denen man seine Wurzeln hat. Wie Lukas Podolski, beispielsweise, wenn er gegen Polen getroffen hat. Nicht so Bobby Wood. Nach seinem richtig abgezockten Lauf zum 2:0 gegen die Löwen brach es aus ihm heraus. Mit vollem Anlauf eilte er zur Eckfahne, sprang dort dem Maskottchen mit solcher Wucht in die Arme, dass dieses sich fast rücklings auf dem Boden wiedergefunden hätte. Ehrliche Emotionen. Geschuldet dem Moment. Und nichts Künstliches oder Affektiertes. „Es tut mit ein bisschen Leid für die Löwen. Es ist Scheiße, dass sie so weit da unten stehen. Aber ich trage jetzt das Trikot von Union. Und dieses Tor war einfach wichtig für uns“, meinte der 23-Jährige weit nach dem Abpfiff. Es war jetzt sein neunter Treffer in der Liga. Der vierte in der Rückrunde! Sein Vorgänger Sebastian Polter hat die Eisernen ja mit 14 Bunden in einer Spielzeit verlassen und sich damit auf eine Stufe mit dem bisherigen Rekordhalter der Köpenicker, Sreto Ristic, gestellt. 13 Spiele bleiben dem US-amerikanischen Nationalspieler noch, um den Rekord schon in seinem ersten Jahr an der Wuhle zu knacken. Trainer Lewandowski ist davon überzeugt, dass Wood das schaffen kann. „Er hat eine Granatenentwicklung genommen“, lobte der 44-Jährige.

Warum Felix Kroos seinen Hund grüßte

Kroos

Felix Kroos' Griff ans Handgelenk.

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Der Ball hatte kaum im Netz eingeschlagen, da drehte Felix Kroos jubelnd ab. Beim Zurücklaufen in die eigene Hälfte griff er sich immer wieder mit der rechten Hand an das linke Handgelenk. Dort, extra mit Tape abgeklebt, hatte er ein kleines Armband. Was es damit auf sich hat, verriet er nach dem Schlusspfiff. „Ich wollte meinen Hund grüßen. Der fehlt mir, dem fehle ich“, meinte der zur Halbzeit mit Oberschenkelproblemen vorsichtshalber ausgewechselte Blondschopf so cool, wie er zuvor das Führungstor für die Köpenicker markiert hatte. Bitte was? Widmet man für gewöhnlich nicht solche Treffer, Mama, Papa oder wenigstes der Freundin? Kroos musste selber lachen. Normalerweise hat er auch da ein kleines Armband mit dem Namen seiner holden Lisa drauf. „Das ist aber kaputt gegangen.“ So blieb der Gruß an den getreuen Vierbeiner - Barney, sein Golden Retriever ist noch nicht mit nach Berlin übergesiedelt – und ein Lob vom Trainer. „Felix war in der ersten Viertelstunde richtig gut im Spiel drin. Danach hat er einige Kleinigkeiten, die er in Kaiserslautern nicht gut gemacht hat, deutlich besser gelöst. Er hat eine klasse erste Halbzeit gespielt. Deshalb fand ich es schade, dass wir ihn auswechseln mussten“

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