E_Paper_BK
BERLINER KURIER - Berlins ehrliche Boulevardzeitung im Netz

Ex-Unioner Nico Patschinski : Bunter Hund, Zocker und schlampiges Genie

GettyImages-83865691

Nico Patschinski 

Foto:

Bongarts/Getty Images for DFB

Gestatten, Patsche. Markenzeichen ruhelos, Sternzeichen Achterbahn. Heute auf dem Gipfel des Glücks, morgen auf dem Höhepunkt der Verzweiflung. Als Fußballer ein Paradiesvogel mit eigener Meinung. „Ich renn halt nicht 90 Minuten von rechts nach links, sondern gehe mit meiner Kraft ökonomisch um. Ich bin Stürmer. Ich glaub, ich bin schon relativ viel gelaufen, aber vielleicht bin ich ja falsch gelaufen“. Patsche ist bunter Hund, Zocker, Widerborst, schlampiges Genie, Wandervogel und der George Best Ostberlins.

Warum soll man das Leben nicht in vollen Zügen genießen? Die Hauslatschen können ihn mal. Patsche sucht das Glück. Gestern, heute, morgen. Er wird angetrieben von Erinnerungen an große Spiele und Träume, die sich nicht alle erfüllt haben. Von großen Worten wie Liebe oder Hass, weil es das eine nicht ohne das andere geben kann. Patsche hat einiges hinter sich.

Ich treffe Patsche in seiner Wahlheimat Hamburg. Er ist freundlich und aufmerksam und nie um einen Spruch verlegen. Er sieht fit aus, lacht viel: „Ich bin froh, dass ich noch halbwegs gesund bin, ich hab drei tolle Kinder, meine Eltern leben noch.“

Und er arbeitet als Bestatter in Hamburg: „Ich mache den Job seit Juli 2015 und fühle mich verdammt gut damit. Das Leben ist endlich, es macht mir Freude, Menschen mit ein paar Sätzen am Grab zu helfen. Ich hoffe, ihren Verlust etwas leichter machen zu können.“ An den Wochenenden schnürt er den Fußballschuh für den SC Empelde. 2. Kreisklasse Hannover-Land: „Der Chef des Vereins war 2015 mein Insolvenzberater. Er hat mir geholfen, nun helfe ich ihm.“ Bis zur Winterpause war Patsche Spielertrainer in Hamburg-Schnelsen. „Ich wollte sehn, ob ich als Trainer was tauge. Nach einem Jahr hab ich gemerkt, ich schaff das nicht, ich bin eher der Kumpel, der Zeugwarttyp. Zudem hat sich die neue Spielergeneration stark verändert. Die Jungs haben heute ein Coach fürs Pullern, die kommen mir alle gleichgeschaltet vor“.

Patsche wird 1976 in Ostberlin geboren. Sein Vater ist ein erfolgreicher Eishockeyspieler und meldet ihn mit vier Jahren beim Eishockey an. Zwei Jahre später wechselt er zum Fußball und kickt bis 1988 beim BFC Dynamo. Dann landet er beim 1. FC Union, der ihm bis 1997 Heimat ist. 1994 feiert er sein Debüt in der ersten Mannschaft. Als Trainer Hans Meyer ihn einmal in der 87. Minute gegen Bischofswerda einwechselte, gab er ihm diese Worte mit: „Herr Patschinski, ich erwarte von Ihnen einen Hattrick. Ich antwortete: Das geht ja noch, ich dachte, Sie wollen mehr von mir.“

Nachdem Union 1997 in finanzielle Schräglage gerät, wechselt er mit dem damaligen Trainer Karsten Heine nach Babelsberg: „Ich war vom Herzen damals schon Unioner. Dann hieß es aber, wir sind insolvent, morgen reichen wir den Antrag ein.“ In Babelsberg kam er nie richtig an. Zum einen, weil die Babelsberger keine Berliner mochten: „Das Dorfpublikum war nichts für mich“. Zum anderen, weil „der damalige Sponsor sich kurz nach meiner Ankunft im Bett erschoss“.

nächste Seite Seite 1 von 2