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Berliner-Kurier.de | Die Bobby-Story: Köpenick wird HollyWood
05. March 2016
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Die Bobby-Story: Köpenick wird HollyWood

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Nach einigen Startschwierigkeiten kann Bobby Wood bei Union jetzt regelmäßig jubeln.

Foto:

City-Press GbR

Berlin -

„Puh, was ich mir für eine Note geben würde?“ Wenn Bobby Wood mit nur einer Zahl seine bisherigen Leistungen im Union-Trikot einschätzen soll, ist das für ihn eine schwierige Kiste. Das sollen andere machen. Für den KURIER legt er sich nach genauem Überlegen aber doch fest: „Ich denke, ich würde mir eine 3 geben.“ Ein Befriedigend? Der Ehrgeizling geht hart mit sich ins Gericht. Doch da kennt Bobby die blanken Fakten noch nicht. Die sind richtig gut, nur gegen den FSV Frankfurt tanzen sie aus der Reihe. Aber der kommt ja heute (5.3., 13 Uhr) in die Alte Försterei …

Das Offensichtlichste weiß der Angreifer auch. Er stand seit seinem Wechsel im Sommer 2015 nach Köpenick 22-mal in der Liga auf dem Platz. Dabei machte er bisher zehn Tore, außerdem bereitete er zwei Treffer vor. Eine mehr als durchschnittliche Bilanz. Wood lacht und winkt ab: „Ich mache mir nichts aus Statistiken.“

Vielleicht aber doch. Denn wie wichtig er für die Eisernen ist, wird noch deutlicher, wenn man genauer hinschaut. Bobbys Treffer sind immer wichtig. Also entweder ein Ausgleichstreffer (zwei Mal), ein Führungstor (fünf Mal) oder die wichtige Bude zu einer Zwei-Tore-Führung (drei Mal). Außerdem holte Union in Partien, in denen der US-Boy traf, 18 Zähler. Blieb Wood blass und torlos, gab es nur zwölf Punkte. Stand er wie in Leipzig und in Fürth gar nicht auf dem Platz, gab es Pleiten ohne Union-Treffer.

Auch seine Kollegen wissen, was sie am 23-Jährigen haben. Wie abhängig sie von ihm sind. Das wird deutlich, als er erklären will, dass nicht alles so super bei ihm läuft. „Gegen Karlsruhe klappte bei mir nicht viel. Ich war unzufrieden mit mir und meiner Leistung. Da hat mich Emanuel Pogatetz zur Seite genommen und mir gesagt, ich soll locker bleiben und auf meine Stärken vertrauen.“ Am Ende erzielte Bobby das Siegtor. Eine wichtige Bude wie schon so oft.

„Trotzdem, ich bleibe bei meiner 3“, meint er und erklärt auch, warum: „Jetzt treffe ich, aber zum Anfang lief es auch nicht so gut.“ Stimmt. Da sah er den Wood vor lauter Bäumen kaum. Deshalb bekam er die volle Kritik-Breitseite ab. Seine Leistung stimmte nicht. Seine Spielweise erinnerte an ein Ego-Shooter-Videospiel. Die Kritik prasselte auf ihn ein. Doch Bobby kämpfte sich aus dieser Situation raus und ist mittlerweile voll angekommen. Seine Leistung hat sich gewandelt. Wie er selbst sich auch.

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Bobby Wood ist bei Union obenauf. Nach seinem Tor gegen 1860 jubelt er mit Ritter Keule. 

Foto:

City-Press GbR

Wood ist offener geworden. Lacht viel mehr. Ist ein wichtiger Spaßvogel im Team der Eisernen. Ein Beweis ist da auch sein Instagram-Account. Früher war der nur für Bobbys Freunde einzusehen. Jetzt ist er öffentlich. Und der Angreifer nimmt sich dort mit vielen Videos und Fotos selbst auf die Schippe. Ein cooler Typ. Er blüht immer mehr auf, wird immer besser. Wood: „Es wäre schön, wenn ich am Saisonende sagen könnte, ich würde mir für die gesamte Spielzeit eine 2 geben.“

Die würde er sich ins Arbeitszeugnis schreiben, wenn er so weiter trifft wie aktuell. Und das hieße auch, er würde sich in die Union-Geschichtsbücher eintragen. Stand jetzt würde er die Zweitligabestmarken von Sreto Ristic und Sebastian Polter einstellen und ebenfalls auf 14 Treffer am Ende der Saison kommen. Also statistisch gesehen. Das interessiert Wood dann doch: „In erster Linie ist der Erfolg der Mannschaft wichtig. Aber klar ist das ein Ziel. Das ist doch eine Ehre, so einen Rekord zu knacken.“ Am liebsten sogar noch auszubauen. In seiner besten Profi-Saison traut er sich auch 15 Tore zu. „Ich will der Mannschaft immer helfen und am liebsten in jedem Spiel treffen“, sagt er. „Hoffentlich klappt es gegen Frankfurt gleich wieder.“

Das wäre besonders schön. Der FSV ist der einzige Gegner, der Union in einem Spiel mit einem Treffer von Bobby geschlagen hat. Da grinst er wieder: „Das mit Frankfurt ist aber jetzt keine gute Statistik.“ Noch nicht.