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Daniel Teixeira: Aus der Container-Kabine ins Pokal-Finale

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Daniel Teixeira

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Rubert

KURIER: Texas, es ist schön, Sie mal wieder hier in Berlin zu sehen.

Texas: Danke. Es ist auch schön, wieder hier zu sein. Union hat mich zur großen Geburtstagsfeier eingeladen. Es ist mir eine Ehre, da dabei sein zu dürfen.

Über 4000 Mitglieder haben ihr Kommen angekündigt, dazu noch jede Menge Prominente. Da werden Sie sicher auch den einen oder anderen ehemaligen Mitspieler aus Ihrer Union-Zeit wiedersehen.

Darauf freue ich mich sehr. Ich hatte hier bei Union die schönsten Momente meiner Karriere. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich bei zwei der wichtigsten Ereignisse in der Vereinsgeschichte dabei gewesen bin. Den ersten Aufstieg in die Zweite Liga 2001 und das DFB-Pokalfinale gegen Schalke 04 im gleichen Jahr. Das war eine super Zeit. Aber auch als ich das zweite Mal hier war, war es schön. Als wir von der Ober- in die Regionalliga aufgestiegen sind. Das war für den Verein ganz wichtig.

Wenn Sie so von damals sprechen, merkt man sofort, dass Union für Sie kein Klub wie jeder andere ist.

Union ist ganz tief in meinem Herzen verankert und das wird für immer so sein. Ich liebe den Verein und der Verein liebt mich. Die super Fans lieben mich. Ich bin stolz, ein Unioner zu sein und denke oft an früher zurück. Ich habe auch noch zwei Trikots von damals.

Das Aufstiegstrikot von 2001 und das vom Pokalfinale?

Ganz genau. Die beiden Trikots haben einen ganz besonderen Platz bei mir zu Hause in Belo Horizonte.

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Die eisernen Fans lieben Texas und er liebt die Anhänger. Der Ex-Knipser ballerte Union 2001 in die 2. Bundesliga, 2006 in die Regionalliga.

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imago/Höhne 

Ein gutes Stichwort. Was machen Sie eigentlich zurzeit?

In Deutschland habe ich damals Sportmanagement studiert. Und auch in Belo wird mir nie langweilig. Als ich 2011 nach Brasilien zurückgekehrt bin, habe ich als Erstes mein Betriebswirtschaftslehre-Studium beendet. 25 Jahre, nachdem ich damit begonnen habe (lacht). Meine Frau hat eine Kosmetik-Klinik aufgemacht, ich helfe ihr da in der Verwaltung und beim Marketing. Außerdem habe ich ein paar Immobilien, um die kümmere ich mich. Bei der WM 2014 habe ich in meiner Heimatstadt im Lokalkomitee gearbeitet und rund ums Stadion in Belo, übrigens dem des 1:7 gegen Deutschland, die Organisation gemacht. Und zurzeit halte ich viele Vorträge. Außerdem rufen mich oft Vereine an und fragen, ob ich gute Spieler für sie habe.

Hat Union auch schon angefragt?

(Lacht) Nein, nein. Aber wenn sie fragen, dann hätte ich auf jeden Fall ein paar gute.

Sie meinten, Sie halten Vorträge in Ihrer Heimat. Worüber denn?

Der brasilianische Fußballverband und einige Universitäten haben mich gebeten, ihnen die deutschen Strukturen näherzubringen. Zum Beispiel, wie das mit den Nachwuchs-Leistungszentren funktioniert. Wie es die Deutschen seit 2000 geschafft haben, im Fußball wieder so stark zu werden. Seit der WM ist Deutschland Brasiliens großes Vorbild im Fußball und in der Organisation.

Haben Sie denn in Ihren Vorträgen auch Union mal erwähnt?

Das brauchte ich nicht. Über das WM-Wohnzimmer, das Weihnachtssingen und den Stadionbau durch die Fans wurde bei uns berichtet. Union kennt man in Brasilien.

Das spricht ja auch für die Entwicklung der Eisernen.

Ich verfolge viele Spiele über das Internet. Es ist echt beeindruckend, wie der Verein sich entwickelt hat. Von der Oberliga bis hin zu einem etablierten Zweitligisten, das ist alles andere als leicht. Aber dank Präsident Dirk Zingler, den vielen Mitarbeitern und überragenden Fans hat Union das gepackt.

Und die Alte Försterei …

… die ist grandios! Ich war jetzt zum ersten Mal dort, seit das Stadion komplett fertig ist. Der Präsident hat mich herumgeführt und mir alles gezeigt. Den VIP-Bereich, die Logen, die Kantine, die Kabinen – wenn ich da an früher denke mit den Containern. So ein Stadion hätte ich mir zu meiner Zeit gewünscht (lacht) … Es ist einfach alles fantastisch, den Spielern fehlt es an nichts. Ich bin echt beeindruckt, was bei Union in den letzten Jahren entstanden ist.

Was wünschen Sie Union für die Zukunft?

Dirk Zingler hat mal gesagt, wenn man irgendwann mal in die Erste Liga aufsteigen will, muss die Basis da sein. Und die ist jetzt da. Die Strukturen wurden dafür geschaffen. Mit Container-Kabinen wäre das nicht möglich gewesen. Da ist nur ein Mal ein DFB-Pokalfinale drin (lacht). Ich wünsche dem Verein von ganzem Herzen alles Gute, eine tolle Rückrunde und dass der Traum von der 1. Bundesliga bald in Erfüllung geht.