Es ist windstill. Spiegelglatt liegt der Werbellinsee vor uns. Man möchte am liebsten alle paar hundert Meter mit dem Auto anhalten und an einem der lauschigen Badeplätze ins glasklare Wasser eintauchen.
„Einen Märchenplatz“ nannte der Dichter Theodor Fontane den Rinnenbeckensee, ein Relikt der Weichseleiszeit. Mit glasklarem Wasser mit bis zu 60 Metern Tiefe ist er eingebettet in die Landschaft des Biosphärenreservates Schorfheide mit dichten Wäldern, Mooren und Heide. Der malerische See 50 Kilometer nordöstlich von Berlin zählt mit 786 Hektar zu den größten Gewässern der Schorfheide.
Mit dem Auto erreicht man den Werbellinsee über die A 11 Berlin - Polen, Ausfahrt Werbellin, Richtung Altenhof, dort auf die Hauptstr., Richtung Joachimsthal.
Mit der Bahn RE 3, von Berlin Hauptbahnhof Richtung Schwedt, bis Eberswalde Hauptbahnhof, weiter mit der Bahn OE 63 Richtung Joachimsthal Bahnhof. Fahrtdauer: 1 Std. 20 Min. Infos: vbb-fahrinfo.de
Baden, surfen, rudern, Wasserski oder segeln, alles ist hier möglich. Solarboote kann man in Joachimsthal chartern. Wer den See in seiner ganzen Länge erleben will, dem bietet sich eine Schiffs-Rundfahrt (www.reederei-wiedenhoeft.de) an. Eine zweistündige Fahrt kostet 8 Euro pro Person – und lohnt sich wirklich!
Spaziergänger können den Werbellinsee auf recht gut beschilderten Wanderwegen und Lehrpfaden umrunden. Etwa sieben Badestellen und vier Campingplätze gibt es ringsherum. Einer der schönsten heißt „Am Sprung“. Tagesgäste zahlen hier 1,50 Euro. Frank (29) kommt mit seinen Freunden regelmäßig zu Pfingsten hierher – und lässt es dann ordentlich krachen. Aus dem Radio dudelt Thomas D. „Schüttel deinen Speck“, ein Becks wird aufgemacht. „Wir haben den See auf einer Klassenfahrt vor etwa zehn Jahren entdeckt“, erzählt der gebürtige Berliner. „Es ist für mich der schönste und klarste See Brandenburgs.“
Das findet auch Jane (31), die mit ihren Kindern Jule (11 Monate) und Erik (4) immer in das bei Joachimsthal gelegene „EJB“ zum Planschen fährt. Das überwachte Strandbad ist ideal für Kinder. Das Ufer fällt flach ab. Es gibt einen tollen Spielplatz, Hunde dürfen an der Leine mitgebracht werden (Erwachsene zahlen drei, Kinder zwei Euro Eintritt).
Wer nicht nur baden möchte, sollte einen Abstecher zum Schloss Hubertusstock machen. Hier fühlt man sich in die 70er Jahre zurückgesetzt. Erich Honecker hat das Gebäude 1971 abreißen und neu bauen lassen. Privat hat der damalige DDR-Staatschef hier Weihnachten und den Jahreswechsel mit seiner Margot verbracht. Von den 15 Doppelzimmern ist die „104“ die Honecker-Suite. In dem Raum mit riesigem Bad und grünem Plüschsessel kann man auch heute noch für 79 Euro im Doppelzimmer pro Nacht schlafen. Bis vor einem Jahr hat man hier noch essen können, mittlerweile ist die Gastronomie eingestellt worden.
Dafür stärken wir uns am „Kaiserbahnhof“ mit „Kulinarischem aus der Schorfheide“ – zu ausgesprochen fairen Preisen! Wir probieren ein köstliches Wildsüppchen (3,50 Euro) und Wildgulasch mit Rotkohl (9,50 Euro).
Der Kaiserbahnhof mit zugehöriger Bahnstrecke zählt aus historischer Sicht zu den bedeutensten Bauwerken der Region. Auch heute noch ist er in Betrieb – und frisch Verliebte können im Kaminzimmer den Bund der Ehe schließen.

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