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Sonntag, 8. Juli 2012

von Jüterbog nach Luckenwalde: Kultur und Natur pur auf dem Fläming-Skate

Von Jeannette Hix (Text) und Sabine Gudath (Fotos)

Von Jüterbog nach Luckenwalde

Woran erkennt man einen glücklichen Radfahrer? An den Fliegen zwischen den Zähnen. Das sagt ein altes Sprichwort. Auf dem Fläming-Skate hat man als Radler zwar keine Fliegen im Mund, aber die ganze Zeit trotzdem ein Lächeln im Gesicht.

Denn die Wege der Fläming-Skate-Strecke (insgesamt sind es 220 km) sind sehr gut ausgeschildert und ausgebaut, die Landschaft ist mit Wiesen, Wäldern und einem herrlichen Blick über die Gegend extrem abwechslungsreich. Und eine Portion Geschichte kann man auch noch unterwegs mitnehmen.

So müssen Sie fahren

Mit dem RE4 vom S-Bahnhof Hauptbahnhof Richtung Falkenberg/Elster bis Bahnhof Jüterbog. Der Zug fährt stündlich. Fahrzeit: eine Stunde.

Ab Jüterbog/Bahnhof Vorplatz nehmen Sie die Fahrrad-Treppe links und fahren über die Schlossstraße Richtung Centrum zur Liebfrauenkirche und Nikolaikirche. Über die Wurststraße ist der Weg Richtung Fläming-Skate, Kloster Zinna und Luckenwalde ausgeschildert.

Unsere heutige 24-Kilometer-Tour beginnt am Bahnhof Jüterbog und führt über Kloster Zinna bis zum Bahnhof Luckenwalde. Da wir die geballte Geschichte der Stadt Jüterbog kennenlernen wollen, folgen wir am Bahnhof Jüterbog nicht den Wegweisern „Zum Fläming-Skate“, sondern fahren Richtung Zentrum. Unser erster Stopp ist die Liebfrauenkirche von 1160, die älteste Kirche der 1000 Jahre alten Kleinstadt. Gerne hätten wir die Renaissancekanzel und die Wagner-Orgel aus dem 18. Jahrhundert gesehen, aber die Kirchentür ist verschlossen (Öffnungszeiten: Sa./So.: 14 bis 16 Uhr).

Die Nikolaikirche von 1307 (Nikolaikirchplatz 1) dagegen steht uns offen: Wir bewundern die prachtvolle Orgel aus dem 14. Jahrhundert, den Altar aus dem 17. Jahrhundert und den legendären Tetzelkasten, in dem die Münzen für die „schriftliche Vergebung der Sünden“ gesammelt wurden (Öffnungszeiten: Ostern bis September, tägl.: 13 - 17 Uhr). Wer noch die 217 Stufen bis in den 70 Meter hohen Turm kraxelt, kann bei Sonne sogar den Fernsehturm sehen.

Mehr dazu
KURIER-Sommer-Check

Am Markt machen wir kurz Halt am Eiscafé Stengel und naschen wie Jeannette (46) und Manuela (48) selbst gemachtes Eis (Kugel: 60 Cent).

Danach düsen wir zum Kloster Zinna. Für 5 (ermäßigt: 3) Euro Eintritt kann man zwei „Kloster-Gebäude“ und das Weber-Museum gegenüber besichtigen (Di. - So.: 10 - 17 Uhr): So können Besucher in der „Alten Abtei“ zuschauen, wie der fruchtig, leichte Likör „Klosterbruder“ destilliert wird. In der „Neuen Abtei“ zeigt das Klostermuseum die Geschichte der Zisterzienser-Mönche. Vor 800 Jahren hatten die das Kloster auf trockengelegten Nuthe-Sümpfen gebaut.

Die Klosterkirche ist gratis im Sommer täglich von 11 bis 16 Uhr zu besichtigen (Führungen nach Absprache unter Tel. 03372/43 21 76). Im Weber-Museum gegenüber (Di. - So.: 10 - 19 Uhr) gibt es nicht nur Kaffeespezialitäten (Latte: 2,80 Euro) und wie Bierdeckel große Stücken Kuchen (1,90 Euro), sondern auch sechs antike Webstühle ab 1838. Auf Wunsch zeigt Chefin Elvira Goeritz Besuchern, wie das mit dem Weben geht. Zur Ortsgeschichte erzählt sie uns: „Kloster Zinna wurde als Ort 1764 von Friedrich dem II. gegründet. Damals holte er 169 Weberfamilien hierher, damit sie für seine Soldaten Uniformen nähen. Zu DDR-Zeiten wurden im Ort der Plüsch für Teddys hergestellt und der Stoff für die typischen Dederonschürzen genäht.“

Gut gelaunt von einem Gläschen Klosterbruder machen wir uns wieder auf den Weg Richtung Neuhof, wo wir an wilden Kirschbäumen naschen. Am Wegesrand liegt in Neuhof eine Straußenfarm mit Hofladen (geöffnet 9 bis 20 Uhr).

Wir düsen weiter Richtung Kolzenburg. Die Wiesen und Wälder duften herrlich, der Weg hat fast keine Steigungen. Glückshormone machen sich breit. Verfahren kann man sich nicht – neben Schildern am Wegesrand gibt es direkt auf dem Weg noch Hinweise in blauen Riesen-Lettern. „Wir haben schon viele Teile Deutschlands erradelt“, sagen Lilo (68) und Ulli (64) aus Riesa. „Aber so toll ausgeschildert und landschaftlich schön, ist der Weg selten.“ Wer will, könnte im Erlebnishof Werder (Werder 45, 14913 Jüterbog) stoppen. Zur Landgaststätte mit Hotel gehört auch ein Reiterhof und ein Landwirtschaftspark mit verschiedenen Haustier-Rassen.

Wir machen in Kolzenburg Rast in der Gaststätte „Zum Eichenkranz“. Probiert: Bunter Salatteller mit Thunfisch und Oliven (7 Euro), Würzfleisch auf Buttertoast (3,30 Euro) und Nudeln in Sahnesoße mit Pfifferlingen. Urteil: Der Salat war super frisch (leider ohne Dressing oder Öl) und die Soße des Würzfleisches nicht wirklich lecker. Dafür waren in den Nudeln so viele Pilze, dass man beim besten Willen nicht alles aufessen konnte.

Von Kolzenburg ist es dann mit etwa sechs Kilometern nur noch ein Katzensprung bis zum Bahnhof Luckenwalde.

Infos zu dieser Strecke:

Der Fläming-Skate ist eine Rundstrecke (220 km) von Jüterbog über Luckenwalde (im Uhrzeiger-Sinn) nach Baruth, Dahme/Mark, Körbitz und zurück. Es gibt Abkürzungen (kleine Rundkurse) und Kurzstrecken. www.flaeming-skate.de, www.jueterbog.de, www.luckenwalde.de

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