
Abgeschleppt im Sessellift, angeflirtet beim Après-Ski oder gleich von der Piste in die Kiste: Schon immer eilt Skilehrern der Ruf notorischer Playboys voraus.
Nun packt der österreichische Skilehrer Alexander Sever aus. In seinem Roman „Schneeverhältnisse“ (Verlag Edition a) verrät er die Anmachtricks seiner Kollegen von Ischgl bis St. Anton.
Ein Bild von einem Mann. Alexander Sever, heute 38, entspricht auf den ersten Blick voll dem Typ Skilehrer, wie ihn nicht nur deutsche Touristinnen am liebsten haben: gletscherblaue Augen, wuschelige Haare Marke Naturbursche, Grübchen, die den Mund stets verschmitzt lächeln lassen.
„In der Regel sind Skilehrer Burschen Anfang oder Mitte 20. Die sind natürlich scharf auf ein bissl Gaudi. Wenn du dann noch ein extrovertierter Typ bist, hast du natürlich beste Chancen“, sagt der Wiener, der selbstredend über den „Schmäh“ verfügt. Diese humorvoll-lakonische Art, um die wir Deutschen sie so beneiden.
In „Schneeverhältnisse“ lässt Alexander Sever sein Alter Ego Mike permanent Vollgas geben. Und gegen die Flirtattacken der österreichischen Skilehrer ist Widerstand zwecklos – das beweist angeblich die sogenannte Pisten-Psychologie samt Strategie:
Die „Flirt am ersten Tag“-Strategie beginnt mit dem Kennenlernen der Gruppe. Frauen, die auf zweideutige Witze reagieren, seien perfekte Ziele. Beim Aufwärmen hat Skilehrer Mike nie die Skibrille auf der Nase: „So konnte ich gleich erkennen, welches Mädel gerne flirtet und welches schüchtern war.“
„Separieren von der Herde“, nennen die Gaudi-Burschen ihr Vorgehen, wenn sie einer Teilnehmerin „ein paar Schwünge extra“ nach dem Kurs beibringen, selbstredend ohne Gruppe. Am besten am Tag des sportlichen Leistungsabfalls, meist Mitte der Woche. Das sei „der Knackpunkt-Tag, an dem alle Frauen verletzlich sind“. Die Mischung aus fachlicher Kompetenz des Lehrers und der sozialen als Kümmerer macht Mike, Toni und Co. unwiderstehlich. Die Anmache findet Buchautor Alexander Sever, der heute Dozent für Sportgeräte-Design an der Uni ist, völlig in Ordnung: „Es gibt viele Wintersport-Orte, die werben mit der großen Party. Die Touristen erwarten dann auch die große Gaudi!“
Und die Skilehrer sind, etwa an der Bar, mittendrin. Beim Après-Ski nach dem Kurs werden die ersten Glühweine gekippt. Als Lehrer dreht man sich dann halb mit dem Rücken zu den interessanten Mädchen, spricht sie über die Schulter fast beiläufig an. Erst wenn sie einen Spruch erwidern, dreht man sich zu dem Mädel um.
Noch ein Zeichen an der Bar: „Die Hand ganz kurz auf die Schulter legen. Das macht nur ein Alphatier“, schreibt Sever, der als Experte für Snowboarden und Carving von 1994 bis 2005 Praxis-Erfahrung gesammelt hat. „Der hat das Recht zu berühren. Ein Betatier nicht.“
Wohl daher kennt Alexander Sever den Gruppen-Trick „Schneegötter“: Oft treffen sich Kurs-Gruppen in privaten Partykellern, da ist der Alkohol billiger als in der Disco. Macht Mädels mürbe. Denn Romanheld Mike macht aus der Ankunft der Skilehrer einen Auftritt: Mit drei Kollegen gleichzeitig entern sie den Keller, die Musik, Linkin Park oder Kracher von AC/DC werden lauter gedreht, das Licht gedimmt. Beste Mitgröhl-Hymne: Robbie Williams’ „Let Me Entertain You.“
Oft gehen die feschen Bergburschen Umwege über die etwas weniger hübsche Freundin der Auserwählten. Wenn die einen sympathisch findet, folgt der Angriff aufs eigentlich Ziel.
Und selbst richtig hässliche Entlein landen im Bett der Beaus: Sever beschreibt, wie die Kollegen wetten, wer die unförmigste Kurs-Teilnehmerin nicht nur ins Bett bekommt, sondern, dass sie sich sogar beim Ausziehen filmen lässt. Dafür legt jeder einen Tageslohn in den Jackpot. Für Machos vielleicht die lustigste Buch-Episode. Für Frauen wird es wohl spätestens hier ärgerlich. „Auf so einen blöden Gedanken kommen junge Burschen halt, wenn es Ende Januar ist, kein Neuschnee in Sicht ist und es immer härter wird, sich zu motivieren“, erklärt Sever die „Spielchen“. „So lange keine Gefühle verletzt werden, kein Mädel Grund hat, böse zu werden, finde ich das in Ordnung.“
Verheiratete Frauen
Ins Beuteschema passen auch verheiratete Frauen, die alleine urlauben. Wie bei den Beach-Boys auf Jamaika oder in Tunesien gönnen die sich einen Alpen-Lover für ein paar Nächte. Nichts Ernstes. Natürlich seien nicht alle Skilehrer so testosterongesteuert wie sein Romanheld Mike, betont Sever. Er selber habe einen sexy Flirt immer der schnellen Nummer vorgezogen. Aber als junger Kerl könne man durchaus mal drei Wochen Gas geben mit reichlich Alkohol und viel Spaß am Sex.

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