Dienstag, 21. Februar 2012
Geheimsprache
Was Reisekataloge sagen (und was sie damit meinen)
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Machen Sie sich bereit für den wichtigsten Sprachkurs der Saison: die Geheimsprache der Reisekataloge. Wer die beherrscht, fällt seltener auf Standardphrasen herein. Wir verraten, worauf Sie bei der Buchung achten sollten.
Wer dachte, „direkt am Meer gelegen“ bedeute uneingeschränkten Badespaß oder „landestypische Bauweise“ eine pittoreske Altstadt, liegt falsch: Solche Begriffe verschleiern oft die wahren Zustände vor Ort. „Direkt am Meer“ kann auch ein Hotel auf einer Klippe meinen oder noch besser: Es gibt gar keinen Strand. Bei dem Stichwort „landestypische Bauweise“ sollten Sie ebenfalls aufhorchen, viele Reiseveranstalter meinen damit eigentlich schlicht eingerichtete, hellhörige Zimmer.
Die Geheimsprache der Reisekataloge
Bildergalerie ( 20 Bilder )
Die Geheimsprache der Reisekataloge
Was der Reisekatalog sagt: „Das Hotel hat sich noch ein wenig Ursprünglichkeit bewahrt.“
Was damit gemeint sein kann: Unrenovierte, heruntergekommene Gebäudeteile stehen für Ursprünglichkeit und Authentizität.
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Was der Reisekatalog sagt: „Meerseite“
Was damit gemeint sein kann: Bedeutet nicht, dass ein Meerblick vorhanden ist. (AG Duisburg, Az.: 73C 4280/04)
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Was der Reisekatalog sagt: „Meerblick“
Was damit gemeint sein kann: Das Meer muss nicht direkt vom Hotelzimmer aus zu sehen sein. Ein seitlicher Blick vom vorgebauten Balkon ist ausreichend. (AG Frankfurt/M., Az.: 30 C 1208/85-69)
Foto: r.j.wagner/Flickr
Was der Reisekatalog sagt: „Internationale Atmosphäre“
Was damit gemeint sein kann: Verständigung in englischer Sprache ist möglich, allerdings nicht mit dem gesamten Personal. (OLG Köln, 13 U 61/86)
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Was der Reisekatalog sagt: „Wildromantische Lage“
Was damit gemeint sein kann: Völlig abgelegen, keine richtige Straße, aber gut per Helikopter zu erreichen.
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Was der Reisekatalog sagt: „Naturgarten“
Was damit gemeint sein kann: Auch in den Zimmern muss mit Eidechsen, Mäusen und/oder Insekten gerechnet werden. (AG München, AZ 1 C 7318/79)
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Was der Reisekatalog sagt: „Lebhaft und quirlig“
Was damit gemeint sein kann: Stadtlärm, der bis ins Hotelzimmer vordringt.
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Was der Reisekatalog sagt: „Aufstrebender Ferienort“
Was damit gemeint sein kann: Viele Baustellen, unterentwickelte örtliche Infrastruktur.
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Was der Reisekatalog sagt: „Touristisch gut erschlossener Ort“
Was damit gemeint sein kann: Da geht die Post ab! Wer auf Bettenburgen und richtig viele Touristen steht, ist hier goldrichtig.
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Was der Reisekatalog sagt: „Gelegentlicher Fluglärm“
Was damit gemeint sein kann: „Gelegentlich“ kann alles bedeuten – von einmal am Tag bis zehmal pro Minute.
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Was der Reisekatalog sagt: „Ortseingang“
Was damit gemeint sein kann: Das Hotel liegt an einer stark befahrenen Verbindungsstraße mit nächtlichem Verkehrslärm. (LG Landshut, Az.: 1S 40/80)
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Was der Reisekatalog sagt: „Kein Kinderbett extra möglich“
Was damit gemeint sein kann: Das Hotelzimmer ist so klein, dass dort nicht einmal mehr Platz für ein kleines Kinderbett ist.
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Was der Reisekatalog sagt: „Beheizbarer Pool“
Was damit gemeint sein kann: „Beheizbar“ heißt nicht „beheizt“.
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Was der Reisekatalog sagt: „Frühstückbuffet“
Was damit gemeint sein kann: Der Gast muss sich zwei Brötchen derselben Sorte, eine Sorte Marmelade, Butter und Kaffee selbst holen können, optional Dosenobst. Das Buffet muss weder vielfältig noch reichhaltig sein. (AG München, Az.: 172 C 3946/01)
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Was der Reisekatalog sagt: „Unaufdringlicher Service“
Was damit gemeint sein kann: Vom Servicepersonal ist wenig zu sehen. Wartezeiten sind in Kauf zu nehmen.
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Was der Reisekatalog sagt: „Junges Team“
Was damit gemeint sein kann: Unerfahrenes Team.
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Was der Reisekatalog sagt: „Ort für junge Leute“
Was damit gemeint sein kann: Ruhe im Ort ist nicht zu erwarten, höchstens auf dem benachbarten Friedhof. (AG Frankfurt/M., Az.: 32/311 C 726/73)
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Was der Reisekatalog sagt: „Vielfältige Unterhaltungsmöglichkeiten wie Disco und Folklore“
Was damit gemeint sein kann: Starker Lärm am Strand und im Hotel gehört dazu, denn Lärm ist „typisch und Ausdruck von Freude und Lebenslust“. (LG Köln, Az.: 3071/96)
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Was der Reisekatalog sagt: „Neu eröffnetes Hotel“
Was damit gemeint sein kann: Der Putz ist noch feucht, der Rasen schon eingesät, und das Hotelpersonal ist dabei, sich auf eine Verkehrssprache zu einigen.
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Reise
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Zusammengetragen hat dieses wertvolle Wissen der ehemalige Reiseleiter Clemens Dreyer in seinem neu erschienenen Buch „Touristisch für Anfänger“. Auf witzige, aber durchaus ernst gemeinte Weise übersetzt er die Standardphrasen der Reisekataloge und vergisst auch nicht, passende Urteile deutscher Gerichte zu zitieren. Verblüffend ist, in wie vielen Streitfällen diese den Reiseveranstaltern recht geben.
Die Geheimsprache der Reisekataloge: Welche Phrasen Sie kennen müssen, bevor Sie buchen – wir verraten's oben in der Bildergalerie.
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