Wofür trainiert man eigentlich in der „Mucki-Bude“? Ich stehe auf einem 15 Meter langen Holzfloß – und versuche einen 7 Meter langen Stamm aus dem Wasser zu wuchten. „Staken ist reine Trainingssache“, sagt Marcus Thum von „Treibholz“ in Lychen. „30 Minuten, dann hat man es eigentlich drauf.“ Sehr witzig! „Nicht mit Kraft reinhauen“, korrigiert mich Thum. Sachter Druck heißt die Zauberformel. Sobald man einmal Grund hat, nach vorne laufen. „Wie eine alte Frau am Krückstock“, witzelt Tochter Hannah. Okay, das reicht! Der Stab wandert weiter an den Meister.
Wir hocken auf dem 4,5 Meter breiten Boot, lassen die Beine ins Wasser des „Oberpfuhls“ baumeln, trinken eine Limo und tun – nichts! Die Sonne strahlt, leises Glucksen unter unseren Füßen, Vogelstimmen. Ab und an hört man das Plätschern des Wassers. Eine wohltuende Langsamkeit.
So kommen Sie hin
Den Anbieter „Treibholz“ erreichen Sie mit der Bahn RE 5 Richtung Rostock Bhf. bis nach Fürstenberg/Havel. (Fahrtdauer: 1 Std. 10 Min.). Von dort geht es weiter mit dem Bus 517 bis zur Haltestelle Lychen/Markt.
„Treibholz“, Kanu, Floß und Herberge, Oberpfuhlstraße 3 a, 17279 Lychen. Geöffnet: Mai bis September täglich von 10 bis 18 Uhr, ganzjährig nach Voranmeldung. Tel. 039888/43377, www.treibholz.com
„Wenn man etwas Schönes erleben will, sollte man schon zwei bis drei Stunden buchen“, sagt Marcus Thum. „Viele brauchen erstmal eine Stunde, um runterzukommen.“
Ob Anpaddeln, Konzerte auf dem Floß, abflößen, Silvesterpaddeln bei Eis und Schnee – zu jeder Jahreszeit gibt es besondere Termine, an denen sich die Mitarbeiter von „Treibholz“ etwas Besonderes einfallen lassen. „Ein Großteil unserer Flößer sind Musiker, einer spielt Alphorn, ein anderer Akkordeon“, erzählt Marcus Thum. Jeden Mittwoch ist im Sommer „Klassik auf dem Floß“ (Kinder zahlen 15, Erwachsene 20 Euro).
Im Juli und August fahren die Flöße täglich um 10 Uhr von Lychen ab. Erwachsene zahlen 7,50 Euro, Kinder 5 Euro für eine Stunde. Für Gruppen ab 10 Leuten kann man auch individuelle Floßfahrten buchen – mit Lagerfeuer, Kesselgulasch, Kaffee und Kuchen. Damit es für die Kleinen nicht zu langweilig wird, kann man eine Floßfahrt auch kombinieren – beispielsweise mit naturkundlichen Exkursionen ins Moor, Bogenschießen, Floßbau, Paddeln oder Hydrobikes.
„Mit Flößen aus Holz und Papyrus fuhren Menschen über Ozeane“, erzählt Marcus Thum und Tochter Hannah lauscht gebannt. „Flöße dienten als Frachttransporter und Flöße waren selbst die Fracht, wenn es um den Transport von Holz ging. Flöße fuhren mit dem Wind, wurden getreidelt oder gerudert, später von Schleppern gezogen. Flößerei war immer harte Arbeit.“
Lychen selbst war eine Flößerstadt. Bis in die 70er Jahre hinein war die Flößerei wichtigster Wirtschaftszweig und Arbeitgeber der Region. Noch 1975 wurde das letzte Holz auf diese Art aus Lychen transportiert. Die Geschichte der Flößerei auf den Lychener Gewässern erzählt anschaulich auch das „Flößerei-Museum“.
Ganz in der Nähe befindet sich das Restaurant „Seeterrasse am Nessselpfuhl“, das ebenfalls einen Abstecher wert ist. Hier gibt’s die beste Soljanka weit und breit (3,60 Euro), Kartoffelpuffer kosten 3,90 Euro, Bockwurst mit Kartoffelsalat 3,80 Euro.
Wir schauen aufs Wasser und nippen an unserer Erdbeerbowle. Eine Möwe zieht ihre Bahn. Das Leben kann so schön sein! Und das mit dem Staken, das lernt Frau auch noch ...

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