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Mittwoch, 20. Juni 2012

Der Prater: Hier tagt die Bio-Boheme

Von Susanne Dübber

Der Prater

Unter mächtigen Kastanien lange Bierbänke und -tische, die Essenausgabe im Holzhäuschen, an den Tischen Neu-Studenten, Ost-Alteingesessene und vom Westen Hinzugezogene, 20- bis 50-jährige: Im Prater, Berlins ältestem Biergarten, tagt die Bio-Boheme. Direkt an der Kastanienallee 7-9 im Herzen des aufgewerteten Prenzlauer Berg lässt sich herrlich ab mittags um 12 Uhr sitzen.

Draußen auf der Straße Verkehrslärm, dichtes Einkaufs-Treiben, im Hof sonnenbeschienene Ruhe. Schon 1837 schenkte man hier Bier aus, Paul Lincke dirigierte 1935 das Orchester zur Freude der Zuschauer. Nach dem Zweiten Weltkrieg Auftrittsort der Volksbühne, Kreiskulturhaus. Jetzt: Ein wunderbarer Platz für Mittagspause und Abendmahl, Prenzelberger, andere Stadtmitte-Ost-Bewohner und einige Touristen genießen die Ruhe-Oase auf den 1000 Plätzen bis in die Nacht.

Für Matthias (35) aus Oberfranken ist der Prater „ein Stück Heimat, bei uns gibt es viele solcher schönen Biergärten.“ Nach der Arbeit trifft sich die Bürogemeinschaft aus der Friedrichstraße mit Axel (29), Lisa (29) und John (27) und diskutiert die neue Strategie, daneben sitzt die Clique um Anna (25) und Tim (25) beim kleinen Klassentreffen unter den großen rot-weiß gestreiften Sonnenschirmen. Zum Schutz, denn auch frühabends strahlt noch reichlich Sonne in den Garten. „Ist alles so gelassen und unkompliziert, aber nicht weit weg von Zuhause.“ Da kann es ein Bier mehr sein, denn mit U-Bahn und Straßenbahn gleich vor der Türe lässt sich auch berauscht abreisen. Nur Radfahrer aufgepasst: Die Straßenbahnschienen auf der Kastanienallee sind reinrutsch-gefährlich.

Wer angekommen ist, stellt sich an den Buden nach frisch gezapftem Pils (0,4 l für 3,50 Euro) oder Weinschorle (0,2 l für 3 Euro) an. Wurstliebhaber haben zwei Sorten zur Auswahl: sehr scharfe Rostbratwurst (3 Euro) oder würzige Lammbratwurst (3,50 Euro), beides im Brötchen. Dem Verlangen der Bios nach Tofu-Produkten wurde bisher nicht nachgegeben, aber Möhren-Suppe (4,50 Euro) steht auf dem Speiseplan. Oder Kartoffelsalat mit sehr viel rohen Zwiebeln und frischer Petersilie (3 Euro), Nudelsalat (Oliven, getrocknete Tomaten, Rucola) für 3,50 Euro, ein Schälchen Oliven für 2,50 Euro. Der wirkliche Tipp ist hier der Obatzter (6 Euro) mit Brezel (2,50 Euro). Die sehr nach Camembert schmeckende, mit Paprika gewürzte Käsecreme schmeckt wie im Herkunftsland Bayern, macht zwei satt. Nur das Schweinenackensteak (5 Euro, im Brötchen) der KURIER-Tester war total vertrocknet.

Mehr dazu
KURIER-Sommer-Check

www.pratergarten.de

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