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Dienstag, 24. Juli 2012

KURIER-Sommer-Check: Biosphäre Potsdam: Kräftemessen mit Flöhen

Von CORNELIA SCHMALENBACH und REINHARD KAUFHOLD (Fotos)

Biosphäre Potsdam: Kräftemessen mit Flöhen

Blüten, so groß wie Regentonnen, und Käfer, die mit ihrer Kraft jeden Sumo-Ringer von der Matte fegen: So was gibt es nicht? Aber klar doch. In der Biosphäre in Potsdam erleben Besucher unglaubliche Rekorde von Tieren und Pflanzen. „Animalympia“ heißt die spannende Ausstellung unterm Tropendach. Ein lohnender Ausflug, vor allem an Regentagen.

Wettkampfkandidat Nummer eins ist der Strauß. Wir begegnen dem Riesenvogel, der nicht mal fliegen kann, zuerst in einem spannenden Kurzfilm. Der wird in einer urigen Bibliothek gezeigt, die man auf dem Weg in die große Tropenhalle durchquert. Mit 80 Kilometern pro Stunde wetzt der Strauß durch die Sahara und hängt damit locker jeden Olympia-Sprinter ab.

Nur wenige Minuten später beginnt unsere Exkursion durch den Regenwald. Hier wachsen riesige Palmen und exotische Bäume, zwischen denen Lianen und Schlingpflanzen ihren Weg nach oben suchen. Wow, so viel Grün auf einmal. Die Sonne setzt tanzende Lichtpunkte, von einigen Blättern perlen schwere Wassertropfen – Plong. Die Luft ist schwülwarm. Der Anblick in der Halle überwältigt jeden Hobbygärtner und selbst erfahrene Tropenreisende staunen über die 20 000 Pflanzen, die auf einer Fläche von 7000 Quadratmetern wuchern. Und dann stehen wir vor ihm. Vor dem Strauß, der eben noch durch den Film flitzte. Seine Augen rollen neugierig, die krallenförmigen Riesenzehen sehen bedrohlich aus. Doch keine Angst, nur die Federn sind echt. Der Rest besteht aus Kautschuk und Bewegungssensoren.

Ganz leise schleichen wir Richtung Wasserfall. Denn da lauert ein Krokodil auf Beute, gut versteckt hinter Palmen und Steinen. Auch dieses Tier sieht täuschend echt aus. Mit einer Länge von bis zu zehn Metern ist es das längste Reptil auf Erden.

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Über eine schwankende Holzbrücke überqueren wir im größten Tropengewächshaus Deutschlands einen Mangrovensumpf. Neben dem Weg entdecken wir dabei eine Luftpumpe, die wir einige Male kräftig betätigen. Plötzlich steigt aus dem See eine zischende Wasserfontäne auf. Eine Tafel klärt uns auf, dass genauso viel Kraft ein Baum braucht, um Wasser von den Wurzeln bis in die Blätter zu pumpen. Ziemlich viel, wie wir jetzt wissen.

Auf unserer Wanderung erreichen wir als nächstes einen Bambushain. Die Riesenpflanzen halten den Rekord im Schnellwachsen – bis zu vier Zentimeter in nur einer Stunde! Einfach unglaublich. Ein Puma im Bambuswald, der unglücklicherweise einige Kilos zu viel auf den Rippen hat, faucht, als wir uns ihm nähern. Die Kinder weichen erschrocken zurück, Erwachsene müssen über das komische Viech eher schmunzeln. Doch alle Achtung: Seine lebenden Artgenossen können aus dem Stand mehr als fünf Meter hoch und elf Meter weit springen. Das schafft kein menschlicher Athlet aus eigener Kraft. Der wahre Rekordhalter in der Disziplin Weitsprung ist jedoch ein Floh, dessen großer Kunststoffzwilling vor uns auf dem Boden hockt. Der Blutsauger schafft mit einem Sprung eine Strecke, die das Hundertfache seiner Körpergröße misst. Ein Mann, 1,80 Meter groß, müsste im Vergleich dazu 180 Meter weit springen können, um ihn zu toppen.

Auf der Suche nach weiteren kuriosen Rekorden gelangen die Besucher auf Schlängelpfaden bis in die Höhe der Baumwipfel, bevor sie in einem U-Boot in die Unterwasserwelt abtauchen. Hinter den Bullaugenfenstern tummeln sich bunte Fische. Wir wollen hier aber nicht alle spannenden Erlebnisse aus dem Abenteuerland Biosphäre verraten. Es gibt noch so unglaublich viel zu entdecken. Wie zum Beispiel das Schmetterlingsland mit 20 Zentimeter langen Raupen, aus denen wunderschöne Tiere schlüpfen, oder Riechrüssel-Kugeln mit blumigen Düften zum Schnupperraten. Kinder können so viel ausprobieren und erfahren, dass vor allem kleinere vorzeitig die Geduld verlieren. Hier hilft nur, bewusst Attraktionen auszuwählen und lieber später noch einmal wiederkommen (Eintritt ab fünf Jahre 7,80 Euro, ab 14 Jahre 11,50 Euro, Familien ab 22 Euro).

Unsere Expedition endet im Tropencamp, das mit seinen Bambusstützen und Segeltuchdach wirklich so aussieht wie es heißt. Kaffee und Mineralwasser kosten zwei Euro, die frischen Donuts sind die 1,90 Euro wert. Suppe ist ab 3,50 Euro zu haben. Fast jeden Ferientag finden außerdem Führungen für Kinder statt. Termine gibt's hier!

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