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Berliner-Kurier.de | Träume leben: Wie eine Auswanderin in der Karibik ihr Glück fand
20. January 2016
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Träume leben: Wie eine Auswanderin in der Karibik ihr Glück fand

Danzer

Traumhochzeit in Weiß: Veronika Danzer und ihr Mann Lennon La Fortune

Foto:

Danzer/ Eden Books

Veronika Danzer war Darstellerin bei einem Pferdemusical, Visagistin und freischaffende Künstlerin. Mit 29 Jahren reist sie nach Tobago in der Karibik und verliebt sich dort in ihren Partner Lennon und die Insel. 2005 entschließt sie sich – ohne festen Plan – Deutschland den Rücken zu kehren und der Beziehung in Tobago eine Chance zu geben.

Danzer und ihr Partner heiraten. Die Bekanntschaft mit einem verwilderten Pferd, das Danzer zu zähmen versucht, sorgt für den weiteren gemeinsamen Zukunftsweg. Zusammen mit ihrem Mann gründet sie das Unternehmen „Healing with Horses“, das vor allem Kindern durch die Therapie mit Pferden hilft.

Ihr neu erschienenes Buch „In der Ferne scheint das Glück“ erzählt die Geschichte einer Frau, die trotz Vorurteilen den Mut hat, ihren eigenen Weg zu gehen.

Was ist das Besondere an Tobago und kann man so nur dort erleben?

Danzer: Die Einfachheit. Die wunderschönen Sonnenuntergänge. In Tobago ist mein Garten auch mein Wohnzimmer. Ich habe das Gefühl, dass immer Sommer ist. Außerdem liegt das Meer nur 200 Meter vor meiner Tür und ich kann jeden Morgen im Meer schwimmen gehen.

Was war oder ist Ihnen immer noch fremd in Tobago? Was erforderte die meiste Eingewöhnung?

Das Zeitverständnis der Menschen in Tobago ist sehr gewöhnungsbedürftig. Wenn jemand sagt „Ich komme jetzt“, kommt die Person oft erst Stunden später.

Sie haben alles hinter sich gelassen und sind mit nur einem Koffer nach Tobago gereist. Was waren die wichtigsten Dinge in Ihrem Koffer?

Ich habe hauptsächlich ein paar persönliche Dinge mitgenommen, wie mein Adressbuch, meinen Laptop, Lieblingsschmuckstücke, Kleidung, Bücher und selbstgemalte Wandbilder.

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Ausritt am Strand: Veronika Danzer auf dem Rücken eines ihrer Pferde

Foto:

Danzer/ Eden Books

Was aus Deutschland vermissen Sie am meisten?

Meine Oma, meinen Vater, meine Geschwister, meine Nichten  und Neffen, klassische Konzerte, den Frühling und den herbstlichen Wald.

Sie schreiben immer wieder von Heimweh. Als Sie die Schule wechselten und von Ihrem bayerischen Heimatort in eine niedersächsische Kleinstadt zogen, verspürten Sie manchmal Heimweh und wollten wieder zurück. Auch in Ghana konnten Sie sich nicht vorstellen, zu bleiben. Ihr Leben sahen Sie in Deutschland. Sie schreiben, dass Sie jetzt aber Ihren Platz in Tobago haben. Was ist nun anders?

Tobago ist eine wunderbare kleine Insel, auf der viele verschiedene Menschen und Nationalitäten leben. Mit 30 Jahren ist es auch anders als mit 15 Jahren, als ich das erste Mal mein Umfeld verließ, in dem ich aufgewachsen bin. In Tobago stimmt einfach alles. Der Ort passt zu mir.

Danzer

Akrobatik auf dem Pferderücken: Lennon mit einem Jungen während einer Therapiestunde

Foto:

Danzer/ Eden Books

Obwohl Sie als Bereiterin gearbeitet hatten, verloren Sie zwischenzeitlich die Lust am Reiten. Was ist in Tobago anders und konnte Ihnen die Freude am Reiten zurückgeben?

Hier in Tobago durfte ich noch einmal ganz von vorn beginnen. Die freilebende, fuchsfarbene Vollblutstute hat in mir ein ganz neues Feuer entfacht. Sie ist einer meiner großartigen Lehrmeister und hat mir beigebracht – ohne Kontrolle ganz natürlich, spielerisch und leicht mit Pferden umzugehen.

Konnte Ihr Mann Lennon reiten, als Sie Ihn kennenlernten?

Lennon und ich sind zum ersten Mal zusammen in Bayern geritten – durch einen dichten Wald und über weite Wiesen. Das war für ihn das erste Mal und er saß auf dem Pferd, als wäre er auf dem Pferderücken geboren. Lennon ist sehr tierlieb, intuitiv und hat ein ausgesprochen gutes Körpergefühl.

Nächste Seite: Wie die Pferdetherapie Kindern hilft und wie Veronika Danzer Erholung und Arbeit verbindet. Außerdem: So kann jeder seinen Traum vom Glück verwirklichen.

Mit Ihre Pferdetherapie „Healing with Horses“ helfen Sie behinderten Kindern. Warum haben Pferde Ihrer Meinung nach eine so positive Wirkung auf Kinder?

Pferde – und Tiere im Allgemeinen – werten nicht. Sie nehmen ihr Gegenüber so an, wie es ist, ohne zu fordern. Wir arbeiten mit den Pferden in der Natur, die auch ganz wunderbare Eigenschaften hat. Beides in Kombination wirkt sehr ausgleichend und stärkend.

Die Schüler, Besucher und Patienten dürfen sich auf eigene Weise entfalten. Sie werden liebevoll mit der Herde vertraut gemacht. Jeder Mensch hat verschiedene Bedürfnisse. Manche Kinder fühlen sich großartig, wenn sie nur das Pony füttern – sie lernen Verantwortung, fühlen sich gebraucht und herzlich angenommen. Andere lernen durch den Kontakt mit den Tieren, aufmerksam zu sein und zu fühlen, was das Gegenüber braucht.

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Veronika Danzer macht ein kleines Mädchen mit einem Pferd vertraut.

Foto:

Danzer/ Eden Books

Viele Kinder im Rollstuhl oder mit anderen Gehbehinderungen fühlen sich auf dem Pferderücken gestärkt, als könnten sie gehen. Die Bewegung eines Pferdes ist dreidimensional im Schritt und hat die gleiche Koordination, wie die eines Menschen. Dadurch wird der gesamte Organismus angeregt.

Bei regelmäßigen Therapiestunden haben wir wunderbare Veränderungen mit diesem Programm erzielt. Es wirkt sich positiv und harmonisierend auf das zentrale Nervensystem aus. Das neuromuskuläre System schwingt sich auf ganz natürliche Weise ein, die Koordination wird angeregt.

Sie leben auf einer Trauminsel. Viele Menschen verbinden das mit Urlaub und Erholung. Sie arbeiten aber auf Tobago. Wie schaffen Sie sich einen Ausgleich?

Bei Sonnenaufgang beginne ich meinen Tag mit Yoga, danach schwimme ich mit den Hunden vom Steg einen Kilometer hinüber zum Strand und wieder zurück. Dann eine Dusche am Hafen, Kokosnusswasser oder grünen Tee zu Hause auf der Veranda – und ab ins Büro. Um 9 Uhr fängt die Tour mit den Gästen an. Einmal in der Woche gehe ich zur Massage. Sonntags ist Ruhetag.

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Veronika Danzer bei einer Reitstunde im Rahmen ihrer Pferdetherapie

Foto:

Danzer/ Eden Books

Zusammen mit Mann und Pferden leben und arbeiten Sie auf einer wunderschönen Insel. Man könnte sagen, Sie leben einen Traum. Kann das jeder?

Ja, ich denke, dass es jedem möglich ist, seinen Traum zu leben. Man sollte einfach mutig sein und der Stimme des eigenen Herzens folgen. Keine Scheu haben, ins kalte Wasser zu springen. Dinge angehen, auch wenn sie unkonventionell erscheinen. Sich nicht vom Umfeld einschüchtern lassen. Mutig die ganz eigenen Wege beschreiten. Hürden mit Leichtigkeit nehmen. Sich immer an den kleinen Dingen erfreuen. Die Einfachheit vorziehen und sich an seiner Einzigartigkeit erfreuen. Und vor allem: Immer wieder dankbar sein. Dann ist alles möglich.
(edenbooks)

Informationen zum Buch

Veronika Danzer mit Christin Ullmann: „In der Ferne scheint das Glück – wie ich dank meiner großen Liebe und einem wilden Pferd mein Paradies fand“, erschienen im Verlag Eden Books, 223 Seiten, 14,95 Euro.

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