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Interview: Besteht das Leben als Reisebloggerin wirklich nur aus Urlaub?

Neder

Christine Neder arbeitet als Reisebloggerin.

Foto:

Christine Neder

Am Strand liegen und sich den Wind um die Nase wehen lassen, anschließend ein paar schöne Fotos auf dem Blog posten – und dafür auch noch Geld kriegen: So stellen sich viele Fernwehgeplagte das Leben einer Reisebloggerin vor. Christine, wie viel hat dein Job wirklich mit solchen Vorstellungen zu tun?

Neder: Null. Wenn ich eine Pressereise mache, gibt es keinen Tag, an dem ich einfach am Strand liege. Da ich vorher weiß, worüber ich schreiben möchte, habe ich Termine vereinbart und ein Programm geplant. Das bedeutet, dass ich in kurzer Zeit viele Eindrücke sammle und verarbeite. Das ist oft auch stressig, denn zwischendurch einfach mal keinen Bock zu haben – das gibt’s nicht. Es ist eine schöne Arbeit, aber es ist Arbeit.

Viele Menschen träumen davon, ihren Bürojob zu kündigen, auf Weltreise zu gehen und ihren Lebensunterhalt nebenbei mit einem Blog zu verdienen. Schnapsidee oder Geschäftsmodell?

Einfach einen Blog einrichten und damit schnell das große Geld verdienen, das klingt komisch. Ich denke, solche Leute unterschätzen die Arbeit, die ein Blog macht. Es geht ja nicht nur darum, Artikel zu schreiben, sondern auch Fotos zu machen, Videos zu drehen und damit verschiedene Social-Media-Kanäle zu bedienen. Nebenher erledige ich auch Organisations- und Verwaltungsaufgaben, zum Beispiel, was die Kommunikation mit meinen Partnern angeht. Damit Unternehmen überhaupt mit Bloggern kooperieren wollen und bereit sind, dafür Geld zu bezahlen, muss ein Blog schon eine gewisse Reichweite, also Bekanntheit, haben. Das geht nicht von jetzt auf gleich. Das dauert mindestens ein bis zwei Jahre. Mit Google-Optimierung, Affiliate-Links und Bannerwerbung allein lässt sich nicht viel Geld verdienen. Außerdem sollte man bedenken, dass es inzwischen so viele Blogs gibt, dass man schon eine Nische finden muss.

Neder mit Laptop

Ohne Laptop geht gar nichts: Bloggerin Christine Neder mit ihrem wichtigsten Arbeitsutensil.

Foto:

Christine Neder

Wie verdienst du als Reisebloggerin stattdessen dein Geld?

Mein Blog ist meine virtuelle Visitenkarte. Dadurch sind viele Kunden auf mich aufmerksam geworden. Zum Beispiel kommen Unternehmen auf mich zu, damit ich über bestimmte Themen schreibe. Für diese so genannten Advertorials werde ich bezahlt. Außerdem schreibe ich Artikel für Magazine, wie Shape, Spiegel Online oder Cosmopolitan. Ein bisschen Geld in die Kasse gebracht haben auch meine zwei Bücher. Um davon leben zu können, hätte ich allerdings schon einen Bestseller schreiben müssen. Wenn jemand ein Buch über die Verlinkung zu Amazon auf meinem Blog kauft, bekomme ich zusätzlich einen winzigen Anteil des Erlöses. Als Social-Media-Managerin helfe ich Unternehmen, ihre Fan-Seiten zu optimieren. Außerdem drehe ich auf Anfrage als Kamerafrau und Cutterin Image-Filme oder stehe für Werbekampagnen zur Verfügung.

Deine Reisen werden von Tourismusverbänden oder Unternehmen bezahlt. Welche Interessen verfolgen die?

Meinen Kunden geht es darum, dass ich meinen Lesern einen authentischen Eindruck des Landes oder eines Produkts vermittele und ihnen Tipps gebe, was sie als Urlauber selbst erleben können.

Wie authentisch kann ein Text sein, wenn er von Dritten in Auftrag gegeben und bezahlt wurde?

Ich unterscheide zwischen zwei Arten von Texten: Bei den einen handelt es sich um Advertorials, also bezahlte Kooperationen. Die anderen Texte basieren auf Unterstützung. Das bedeutet, dass mir zum Beispiel Flug und Unterkunft bezahlt werden, ich bei meiner Recherche aber frei bin. Ich entscheide also selbst, worüber ich schreiben möchte. Bei Kooperationen werde ich dafür bezahlt über vorher festgelegte Themen zu schreiben, um diese zu promoten.

Unternehmen bezahlen Blogger, weil sie auf so genanntes Empfehlungsmarketing setzen. Sie hoffen, dass Follower Produkte kaufen, die der Blogger positiv hervorhebt. Wie reagierst du, wenn du von einem Produkt nicht überzeugt bist?

Ich lasse mir die Sachen vorher zuschicken, schaue sie mir genau an und überlege, ob sie meinen Lesern in punkto Unterhaltung oder Informationen einen Mehrwert bieten könnten.

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