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Wer sie schluckt, wird toleranter: Forscher entdecken Pille gegen Rassismus

140 Studienteilnehmer wurden getestet: Wer das Mittel Propranolol eingenommen hatte, reagierte toleranter als diejenigen ohne den Blutdrucksenker.

140 Studienteilnehmer wurden getestet: Wer das Mittel Propranolol eingenommen hatte, reagierte toleranter als diejenigen ohne den Blutdrucksenker.

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dpa (Symbolfoto)

Oxford -

Es steckt in Betablockern und soll helfen, den Blutdruck zu senken. Doch das Medikament Propranolol tut nicht nur dem Herzen gut, sondern auch der Seele. Wer es schluckt, wird toleranter. Das fanden jetzt Wissenschaftler der Universität Oxford (England) heraus.

Der Wirkstoff kann im Unterbewusstsein Rassismus reduzieren. Im englischen „Telegraph“ resümiert die deutsche Forscherin Sylvia Terbeck: „Unsere Resultate sind neue Anhaltspunkte über die Prozesse im Gehirn, die für das Entstehen von rassistischen Gedanken verantwortlich sind.“

In ihrer Studie haben die Wissenschaftler mit 36 freiwilligen Weißen gearbeitet. Sie ließen sie einen standardisierten Test ausfüllen, der unterschwelliges und vorbelastetes Verhalten unter die Lupe nimmt. Während die Hälfte der Probanden bloß ein Placebo erhielt, bekamen die anderen Teilnehmer Propranolol verabreicht.

Anschließend mussten die Teilnehmer insgesamt 140 Aufgaben lösen, die Worte wie „Freude“, „böse“, „glücklich“ oder „traurig“ Bildern von schwarzen und weißen Menschen zuordnen. Das Ergebnis: Wer Propranolol nahm, verhielt sich weniger rassistisch.

Die Forscher erstellten eine Art Rassismus-Faktor, gebildet aus der Zeit, die ein Proband zum Zuordnen benötigt. Tauchte das Bild eines Schwarzen auf, benötigten Testpersonen mit dem Placebo länger, um ein positives Wort dazuzufügen als diejenigen mit Propranolol.

„Die Resultate verheißen vielversprechende Möglichkeiten, dass wir unterbewussten Rassismus mit Hilfe von Pillen verändern können“, sagt Co-Autor Julian Savulescu. Der Professor gibt zu bedenken: „Das Mittel ist keine Wunderpille, um Menschen von Rassismus zu ,heilen’. Es muss aus ethischen Gründen abgewägt werden, wie man mit dieser Möglichkeit umgeht.“