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Dienstag, 7. August 2012

Paraderolle wurde Alptraum: Silvia Seidel (†42): Anna hat mein Leben versaut


Silvia Seidel wurde nur 42 Jahre alt. Die Schauspielerin starb in ihrer Münchener Wohnung.
Silvia Seidel wurde nur 42 Jahre alt. Die Schauspielerin starb in ihrer Münchener Wohnung.
Foto: dpa
München –  

Sie tanzte sich in die Herzen der Fernsehzuschauer - und ging dadurch selbst zugrunde: Als Silvia Seidel Weihnachten 1987 im ZDF die Ballettschülerin „Anna“ gab, waren Millionen Fernsehzuschauer begeistert. Mädchen wollten so sein wie sie, wollten Ballett tanzen, groß rauskommen, ihren Traum leben. Genau wie „Anna“. Genau wie Silvia Seidel.

Die damals 17-jährige Schauspielerin, die sich am Montag im Alter von nur 42 Jahren vermutlich das Leben genommen hat, war durch den ZDF-Weihnachtsmehrteiler über Nacht zum Star geworden. Doch der Ruhm, den die „Anna“ mit sich brachte, wurde für Silvia Seidel zur Qual: „Die Rolle der Anna hat mir mein Leben versaut“, sagte die Schauspielerin noch vor einem Jahr in einem Interview mit der „Freizeitrevue“.

"Ich war nicht mehr Silvia, sondern Anna"

Silvia Seidel, ein Münchener Mädchen, aufgewachsen in einem wohl behüteten Elternhaus, hörte mit Ausstrahlung der Weihnachtsserie praktisch auf zu existieren: „Ich war nicht mehr Silvia, sondern Anna“, erzählte Seidel im vergangenen Jahr. „Es war unerträglich geworden für mich. Ich konnte nicht mehr über die Straße gehen, ohne angesprochen zu werden.“

Wie eine ganz normale 17-Jährige leben, mit Freunden Spaß haben, die Jugend genießen? Für Silvia Seidel war das auf einen Schlag undenkbar. Die junge Frau überlegte, dem ganzen Ruhm zu entfliehen: „Ich wollte nur noch weg aus Deutschland“, erzählte sie im vergangenen Jahr. Doch Silvia Seidel wollte ihre an Depressionen erkrankte Mutter nicht alleine lassen. „Es hätte mir das Herz gebrochen, wenn ich sie im Stich gelassen hätte. Also bin ich in München geblieben“, erzählte sie.

Silvia Seidel harrte aus - und litt: „Nach 'Anna' stand ich unter Schock, wie nach einem Unfall“, sagte sie vor fünf Jahren der „Bunten“: „15 Jahre hat es gedauert, bis ich aufgewacht bin.“ Viel zu viel sei passiert in zu kurzer Zeit, viel zu viel, was die junge Frau alleine verarbeiten musste. „Seitdem habe ich einen Großteil meines Lebens damit verbracht, 'unberühmt' zu werden“, sagte Seidel.

Die „Anna“ klebte an ihr

Mit allem Mitteln versuchte Seidel, die Anna hinter sich zu lassen, sich als Schauspielerin zu etablieren, mal am Theater, mal im Fernsehen. Doch auch dabei wurde die Anna für sie zum Fluch: „Nach Anna kamen nur Rollenangebote nach dem Motto: Hauptsache, wir stecken das Mädel in ein Tütü“, sagte sie der „Berliner Morgenpost“: „Man hätte sich mal andere Dinge als Tanzfilme einfallen lassen müssen. Ich wollte nicht schlechte Kopien von Anna machen - und das 500 Jahre lang.“

Was blieb waren nur kleine Nebenrollen, Gastauftritte. Doch ein solcher Erfolg wie mit 17 Jahren gelang der Münchenerin nie wieder.

Auch nach ihrem Tod wird für viele wohl die Erinnerung an diejenige bleiben, die Silvia Seidel immer versucht hat, hinter sich zu lassen - und es doch nie schaffte: an die Balettschülerin „Anna“.

Zur Erinnerung an Silvia Seidel zeigt ZDFneo am Dienstagabend um 20.15 Uhr „Anna - Der Film“.

Das war „Anna“

Die sechsteilige Serie „Anna“ wurde vor 25 Jahren zu Weihnachten ausgestrahlt. Mit bis zu zwölf Millionen Zuschauern war die Serie 1987 sehr erfolgreich. Etwa ein Jahr später schaffte es „Anna - Der Film“ ins Kino. Das Lied „My Love Is A Tango“ aus der Serie - gesungen von Guillermo Marchena - war ein Nummer-Eins-Hit in Deutschland.

In der Serie geht es um die junge Tänzerin Anna Pelzer (Silvia Seidel), die nach einem Autounfall ihren Lebensmut verliert, weil sie glaubt, nie mehr tanzen zu können. In der Klinik lernt Anna den gleichaltrigen Rainer (Patrick Bach) kennen, der im Rollstuhl sitzt. Mit seiner Lebensfreude reißt er sie aus ihrer Trägheit.

Rainer verliebt sich in Anna, die jedoch erstmal nur Augen für den hübschen Jakob hat, mit dem sie wieder tanzen lernt. Anna schafft es, Schülerin bei der strengen Tanzlehrerin Madame Irena Králowá zu werden. Sie schickt Anna zu einem Talentwettbewerb nach Paris, kurz darauf bekommt sie eine Nebenrolle in „Schwanensee“.

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