Dienstag, 31. Mai 2011
Aus Mangel an Beweisen

Wettermann Kachelmann - FREISPRUCH!


Jörg Kachelmann verlässt nach dem Freispruch das Gericht.
Jörg Kachelmann verlässt nach dem Freispruch das Gericht.
Foto: dpa
Mannheim –  

44 Verhandlungstage, 38 Zeugen, eine Million Euro Kosten. Der Fall Kachelmann: Am Dienstag wurde das Urteil im Vergewaltigungsprozess gesprochen.

Mit einem überraschenden Ergebnis. Der Wettermoderator wurde vom Richter freigesprochen! Nach Auffassung der Richter reichten die Indizien nicht für eine Verurteilung aus. Heißt: Ein Freispruch „zweiter Klasse“ aus Mangel an Beweisen.

Kachelmann vor der Urteilsverkündung im Gerichtssaal
Kachelmann vor der Urteilsverkündung im Gerichtssaal
Foto: dapd

Kachelmann hatte vor der Verkündigung des Urteils wie versteinert gewirkt. Seine Ex-Geliebte, die Hauptzeugin der Anklage, hatte den Gerichtssaal erst wenige Minuten nach Verkündung des Freispruchs betreten. Sabine W. kam also erst zur Begründung des Urteils.

Im Publikum gab es spontanen Applaus und Jubel der zahlreichen Kachelmann-Fans.

In dem Urteil hieß es, dass der 52-Jährige für seine Zeit in Untersuchungshaft entschädigt werden wird (25 Euro pro Tag - also bei 132 Tagen in U-Haft macht das 3300 Euro). Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.

Freispruch 1. Klasse
Freispruch 2. Klasse

Freispruch erster Klasse. Das Gericht stellt die Unschuld fest, ohne Wenn und Aber. In diesem Fall hätte Kachelmann das Gericht als freier Mann verlassen.

Dann hätte die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen Sabine W. einleiten müssen - wegen des Verdachtes, Kachelmann absichtlich falsch beschuldigt zu haben.

Freispruch aus Mangel an Beweisen. Für Kachelmanns Ruf nicht gut, aber juristisch ein blitzsauberer Freispruch und eine Blamage für die Staatsanwälte.

Nach der Urteilsverkündung verließ Kachelmann ohne Kommentar das Gericht per Auto. Am Steuer: Pflichtverteidigerin Andrea Combé, Beifahrer: Medienanwalt Ralf Höcker. Kachelmann saß auf der Rückbank des BMW.

Trotz Freispruchs gab's heftige Kritik von Kachelmanns Anwalt Johann Schwenn. Die Kammer hätte den Angeklagten „zu gerne verurteilt“ und in ihrer Urteilsbegründung nochmal „richtig nachgetreten“, um „den Angeklagten maximal zu beschädigen“. Schwenn sprach von einem „befangenen Gericht“ und einer „Erbärmlichkeit im Gerichtssaal“.

Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer stellte sich auch nach dem Freispruch auf die Seite der Ex-Freundin. „Man muss auch Respekt vor dem möglichen Opfer haben“, sagte Schwarzer. Die Nebenklägerin - Kachelmanns Ex-Geliebte - habe „sehr überzeugend dargelegt, dass sie vielleicht die Wahrheit gesagt habe“.

Der Prozess habe gezeigt, dass Kachelmann „nicht nur diese Frau gezielt manipuliert hat“. „Er kommt nicht ins Gefängnis, es bleibt alles offen“, sagte Schwarzer.

Verklagt Kachelmann jetzt seine Ex-Freundin auf Schadensersatz?

Das hängt unter anderem davon ab, ob die Staatsanwaltschaft Revision einlegt - dafür hat die Staatsanwaltschaft eine Woche Zeit.

Wie geht es jetzt mit Kachelmann weiter?

Der Freigesprochene will ab sofort wieder für die Meteomedia Gruppe arbeiten. Das teilte die Firma unmittelbar nach dem Urteil auf ihrer Internet-Seite mit. Dazu gehörten auch seine Kommentare zum Wetter in Medien wie Radio Basel, Radio Primavera und Twitter.

Zusätzliche öffentliche Auftritte seien in Zukunft nicht ausgeschlossen. „Meteomedia freut sich über den längst überfälligen Freispruch ihres Firmengründers Jörg Kachelmann“, erklärte die Firma.

Die ARD wird Kachelmann vorerst nicht ins Programm zurückholen - die Betonung liegt auf vorerst. „Solange das Verfahren nicht endgültig abgeschlossen ist und das Urteil keine Rechtskraft erlangt hat, sieht die ARD in dieser Angelegenheit keinen Entscheidungsbedarf“, sagte ein ARD-Sprecher am Dienstag auf Anfrage.

Hier verlässt Kachelmann das Gericht

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Der Kachelmann-Prozess - das Finale

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Der Fall Kachelmann - Rückblick

20. März 2010: Der Moderator und Schweizer Staatsbürger Jörg Kachelmann wird nach seiner Rückkehr aus Kanada am Frankfurter Flughafen festgenommen, weil er in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2010 seine Ex-Freundin vergewaltigt haben soll. Kachelmann gehörte zum Team der ARD bei den Olympischen Spielen in Vancouver.

Wir erzählen die Fakten des Prozesses in Zahlen

11 Seiten umfasst die Anklageschrift.

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