Eine verschorfte Platzwunde am Kopf, ein blau geschlagenes Auge. Entsetzt starrt Zoe (†2) in die Kamera. Das traurige Bild entstand zwei Monate vor dem Tod des kleinen Mädchens. Also zu einer Zeit, in der die Familie längst durch das Jugendamt betreut wurde. Trotzdem will dort niemand etwas von Gewalt-Attacken gegen Zoe oder die anderen Kinder der Mutter bemerkt haben.
„Wenn die Familie zehn Stunden pro Woche betreut worden ist, muss aufgeklärt werden, wieso die Gefahr nicht gesehen wurde“, sagte Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) im RBB-Inforadio. Auch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) fordert eine schonungslose Aufklärung. Die kleine Zoe aus Weißensee war in der Nacht zu Dienstag an den Folgen eines Darmrisses gestorben (KURIER berichtete). Ein Schlag könnte die Verletzung verursacht haben, an der Bauchdecke des Kindes sind blaue Flecken entdeckt worden.
Zoes Mutter Melanie S. (25) redet sich aus der Verantwortung. Sie soll die Schuld auf ihren Freund Matthieu K. (24) geschoben haben. Er habe die Kinder geschlagen, soll die Hartz-IV-Empfängerin der Polizei gesagt haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Melanie S. und deren Freund wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge. Die Familie steht seit Oktober unter Betreuung, wurde vom Jugendamt an einem geschützten Ort untergebracht.
Geschwister des toten Mädchens, ein Bruder (4) und eine Schwester (2 Monate), ließ man zur Sicherheit untersuchen. Ärzte fanden Hämatome und bei einem Kind einen gebrochenen Arm, der nicht von einem Unfall stammen soll. Das zuständige Jugendamt Pankow will von den Verletzungen der Kinder nichts gewusst haben.
Ein Freund der Familie behauptet das Gegenteil: „Ich habe das Amt mehrfach über die Misshandlungen informiert.“ Jugendstadträtin Christine Keil: „Es konnte festgestellt werden, dass es weder vom Sozialarbeiter des Jugendamtes noch vom Gesundheitsamt oder vom Kinderarzt Hinweise auf Gewalt gegen die Kinder in der Familie gab.“ Darüber hinaus heißt es in einer schriftlichen Erklärung: „Es konnte ein fürsorglicher Umgang mit den Kindern bei Kontakten mit der Familie beobachtet werden.“ Zwischenzeitlich nahm das Jugendamt allerdings Zoes Geschwister in Obhut. KOB, KE

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