Der BVG-Warnstreik machte den oberirdischen U-Bahnhof Biesdorf-Süd bunt: Zwei Jungs kletterten am Sonnabend wegen der ausbleibenden Züge der U 5 ungefährdet aufs Gleis sprühten ein 12 Meter langes Graffito auf die Mauer unter der Bahnsteigkante. Langanhaltende Freude hatten sie daran nicht: Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes fingen die Künstler-Knaben (14, 15) ein, und es gab eine Anzeige wegen Sachbeschädigung.
Die Schmiererei dürfte aber das geringste Problem sein, das die BVG hat: Heute treffen sich die Arbeitgeber und die Gewerkschaften zur 7. Verhandlungsrunde in der BVG-Zentrale. Nach wie vor geht es um zwei Kernfragen: Umfang der Gehaltserhöhungen und Geltungsdauer des Tarifvertrags.
Interview mit Verdi-Landeschefin Susanne Stumpenhusen
KURIER: Warum quälen Sie die BVG-Fahrgäste so?
Stumpenhusen: Wenn sich am Verhandlungstisch nichts mehr bewegen lässt, ist ein Warnstreik das einzige und auch zulässige Mittel. Damit sollen nicht die Fahrgäste gequält, sondern der Arbeitgeber zum Einlegen gebracht werden. Die Verantwortung für einen Streik liegt niemals allein bei der Gewerkschaft.
Könnte der Streik doch noch in letzter Minute abgewendet werden?
Wir sind jederzeit gesprächs- und verhandlungsbereit. Allerdings müsste die Arbeitgeberseite dazu ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen.
Wie könnte ein Kompromiss im Tarifkonflikt aussehen?
Die Arbeitgeber bieten ein zu geringes Volumen an und wollen, dass der Tarifvertrag drei Jahre läuft. Beides passt nicht zusammen. Wenn das angebotene Volumen zum Beispiel mit einer Laufzeit von zwei Jahren verknüpft würde, wäre das sicherlich ein interessanter Vorschlag.
Wie viel Geld haben Sie denn in der Streikkasse?
Die Streikkassen sind gut gefüllt – aber ich sage ganz deutlich, dass wir an einer Streiksituation nicht interessiert sind, sondern auf eine faire Lösung am Verhandlungstisch setzen. Dazu müssen die Arbeitgeber allerdings die entsprechenden Vorarbeiten leisten.
Zuletzt boten die Arbeitgeber 5,1 Prozent mehr, über drei Jahre gestreckt in Etappen von 2,3, 1,3 und 1,5 Prozent. Das liegt unterhalb der von den Gewerkschaften erwarteten Inflationsrate, so dass die 12 600 BVGer real einen Einkommensverlust hätten. Die Gewerkschaften verlangen außerdem, dass der Tarifvertrag nur zwei statt drei Jahre gelten soll.
Wegen der ausbleibenden Einigung hatten die Gewerkschaften am Sonnabend zu einem 15-Stunden-Warnstreik aufgerufen. Ob sich weitere Warnstreiks z. B. an normalen Werktagen anschließen werden, hängt vom heutigen Tag ab. Die Tarifkommission von Verdi wird dann gleich am Abend zusammentreten, um Konsequenzen aus den Verhandlungen zu ziehen. GL
Shaleen, Alitta und Rafaela: „Wir laufen von der Schwedter Straße zum Shoppen an den Alex. Mal sehen, wie viel Tüten wir nach Hause schleppen ...“
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Unterwegs ohne Blasen
Helene und Yann: „Wir sind mehr als sonst gelaufen, haben aber noch keine Blasen. Mal sehen, wie es am Abend aussieht.“
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Stehen statt gehen: Die Streikposten am Wittenbergplatz konnten sich nicht durch Bewegung warmhalten.
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Busfahrer Lothar Unruh (50) schnitt an der Cicerostraße Schrippen für wärmende Bratwürste auf: „Meine Miete stieg um 130 Euro, alles wird teurer.“
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Frauenvertreterin Carola Piepenhagen (48) kam mit Max zum Streik, sagte sarkastisch: „Sie wollen gar nicht wissen, wie wenig ich als technische Sachbearbeiterin verdiene.“
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Am U-Bahnhof Zoo blieben die Gitter für Fahrgäste geschlossen. Zwei Schichten der BVG legten die Arbeit nieder.
Eva (23) und Leon (22) aus Utrecht (Holland): „Verflixt, kein Bus zum Hotel, das Stück müssen wir laufen. Das ist nicht so lustig, mit Stadtplan und iPhone versuchen wir, uns durchzuwursteln.“
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Hauptsache, der Bus für das Berlin-Sightseeing fährt
Jacqueline (30) und Rebecca (27) aus London: „Wir sind aus London und deshalb nicht so leicht zu schockieren. Am besten, wir setzen uns erstmal in einen Sightseeing-Bus und gucken uns um bis alles wieder fährt.“
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Zum Glück rollt der Verkehr ja wieder am Abend
Jenny (18) und ihr Bruder Xavier (15) aus Mailand: „Da kann man nichts machen. Streiks gibt es immer wieder. Wir gucken uns erst in Ruhe um, abends sehen wir weiter. Der Streik dauert ja nicht lang.“
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Für zwei streikerprobte Franzosen kein Problem
Angelique (26) und Florient (25) aus Metz: „C´est la vie, wir kommen aus Frankreich und sind von dorther streikerprobt. Den Verkehr nehmen wir als Herausforderung an, sind total entspannt.“
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Ich habe Verständnis für den BVG-Streik der Berliner
Petra Konrad (47) aus der Schweiz: „Ich werde mich schon irgendwie durchschlagen. Der Streik ist zwar nicht lustig für Touristen. Aber man muss für die Leute im Arbeitskampf Verständnis haben.“
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Ausgerechnet beim Stadt-Trip
Demi und Ricarda (beide 18) aus Düsseldorf: „Wir haben im Internet vom Streik gelesen. Ausgerechnet, wenn wir kommen. Aber wir sind ja pfiffig, werden uns zurecht finden.“
Mehr als zwei Wochen nach dem gewaltsamen Tod eines Mannes in einer Szene-Bar in Friedrichshain ist die Polizei möglicherweise dem Täter auf der Spur.
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