Polizeischutz statt Party-Stimmung, Widerstand statt Wunderkerzen. Die Eröffnung des neuen Thor-Steinar-Ladens (verkauft vor allem Klamotten für die rechtsextreme Szene) in Weißensee sorgte am Freitag für massive Proteste. Der Kiez wehrt sich gegen das Geschäft mit den Neonazis.
Freitagmorgen, 8.50 Uhr in der Berliner Allee. Missmutig schlurfen drei junge Verkäuferinnen zu ihrem neuen Laden. Das „Empfangskomitee“: Dutzende Polizisten und Fotografen. „Watt wollt ihr denn hier? Könn’ wa nich ma in Ruhe uffmachen?“, schimpft eine Blondine. 180 Meter stadtauswärts steht die Antwort auf ihre Frage. Rund 100 Demonstranten protestieren friedlich gegen die Eröffnung des Thor-Steinar-Ladens mit dem Namen Tønsberg (womöglich benannt nach der norwegischen Stadt, in der eine Wehrmacht-Standortkommandantur ansässig war).
Ein Bündnis aus Antifa-Gruppen, der Linkspartei und den Grünen hatte aufgerufen. „Die Marke Thor Steinar trägt rechtes Gedankengut in den öffentlichen Raum“, so Antifa-Sprecher Martin Sonnenburg. Und Pankows Bezirksverordnete Christine Keil (Linke) ergänzt: „Das können, wollen und werden wir in Weißensee nicht zulassen.“
Warum, zeigt sich schon beim Blick in die mit bruchsicherem Plexiglas ausgestatteten Schaufenster. Hier ist die Thor-Steinar-Tasche „Sportskanone“ ausgestellt. Riesengroß prangt darauf ein mystisch-martialisches Symbol. Streicht man gedanklich zwei Striche, erscheint ein verzogenes Hakenkreuz.
Die Laden-Eröffnung selbst verlief – auch dank des Einsatzes von insgesamt 83 Polizisten vor Ort – ohne Zwischenfälle. Vorbereitungen der linken Gegenseite scheiterten an Zeitknappheit. Denn: Der Shop nistete sich klammheimlich ein. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, wer der neue Mieter des Geschäftes (knapp 500 Euro für etwa 110 Quadratmeter) ist. Dabei half Kommissar Zufall. Das Kennzeichen eines weißen VW-Transporters, mit dem Waren am vergangenen Mittwoch in den neuen Laden transportiert wurden, war bereits aus anderen Thor-Steinar-Läden bekannt.
Einer allerdings wusste schon vor circa drei Wochen, wen er sich ins Haus holt: Der Vermieter, ein Gebäudeverwalter aus Potsdam. „Ganz ehrlich: Mir ist egal, wer mir die Miete pünktlich überweist. Ich hatte dank Leerstand über ein Jahr lang Miet-Ausfall. Da eine Gewerbeerlaubnis vorgelegt wurde und die Leute keine unrechtmäßige Sache vorhaben, habe ich keinen Grund gesehen, den Mietvertrag nicht zu unterschreiben. Und ich sehe noch immer keinen“, gestand der Brandenburger gegenüber dem KURIER.
Clara Herrmann, Grünen-Politikerin im Abgeordnetenhaus hat dazu eine andere Meinung. Sie rief private Vermieter von Immobilien zur genauen Prüfung künftiger Mieter auf. So habe die mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Klauseln für Mietverträge entworfen, mit denen auch nachträglich Geschäfte wie die Läden von Thor Steinar (die Marke verzeichnet einen jährlichen Umsatz in Millionenhöhe) verhindert werden könnten.
Übrigens: Der letzte Neonazi-Laden in Weißensee, der Nordic Thunder, wurde schon nach kurzer Zeit 2005 wieder geschlossen. Gestern strömten in den „Nachfolger“ erste Kunden hinein. Viele Stammkäufer der „Designerklamotten für Nazis“ wurden vorab per Postwurfsendung, also Aufkleber in Postkartenform, über die Neueröffnung informiert.
Wie lang sich das Geschäft nun hält, bleibt abzuwarten. Eines scheint aber sicher: Party-Stimmung wird es hier nie geben.

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