Es sieht duster für die Berliner aus, falls hier der Strom mal länger als zwei Tage ausfällt. Sehr duster. Das zeigt eine Studie der Hochschule für Wirtschaft und Recht, die einen sechstägigen „Black-Out“ in Berlin und Brandenburg simulierte. Die Hauptstadt droht im Chaos zu versinken, da für diesen Fall keine Informationswege existieren.
Wir werden aber Hilfe brauchen, denn: Fehlt der Strom, kann nicht gekocht werden, ab der 4. Etage fließt kein Wasser mehr aus dem Hahn, nach drei Tagen drohen im Sommer Seuchen, weil Abwasser nicht abgepumpt wird. Es gibt kein Benzin und kaum Lebensmittel, da die meisten Läden geschlossen sind. Es gibt kein Geld in der Bank und aus dem Automaten. S-, U- und Straßenbahnen bleiben stehen, Fabriken und Büros liegen still.
Alte kommen wegen stehender Lifts nicht aus hochgelegenen Wohnungen, Kliniken kollabieren, weil nach 24 Stunden kein Diesel mehr für die Notstromaggregate da ist, Dialysepatienten geraten in Lebensgefahr, weil ambulante Blutwäsche-Stationen ausfallen. In Stadtteilen mit vielen Armen und Migranten drohen Plünderungen und Krawall – weil man sich im Stich gelassen fühlt, Hunger hat, sich langweilt.
Prof. Dr. Birgitta Sticher, die u. a. die Studie leitet: „Die die Bezirke wollen jetzt Pläne machen, in welchen möglichst klein definierten Vierteln es welche Probleme geben könnte, um im Ernstfall dort helfen zu können. Außerdem sollte es Treffpunkte geben, zu denen Menschen gehen können, um beim Ausfall aller Kommunikationsmittel Hilfe zu erbitten bzw. anzubieten.“
Bei den Krawallen am 1. Mai wurden 58 Randalierer festgenommen, die Jagd nach weiteren Straftätern geht weiter.
Foto: PolizeiDie Studie ist Teil einer weitgefassten, drei Millionen Euro teuren Untersuchung in Folge des großen Stromausfalls 2005 im Münsterland. Die Bundesregierung lässt technische Lösungen suchen, um im Fall eines langanhaltenden Stromausfalls die Versorgung mit Treibstoffen sicherzustellen. Die Studie soll 2012 abgeschlossen sein. GL

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