Nicht nur Experten entgleisen die Gesichtszüge: Auf Berlins U-Bahnhöfen ereigneten sich im Vorjahr 7472 Straftaten, die meisten am Alexanderplatz. Nach dem KURIER-Bericht von Samstag fordern Politiker jetzt weitreichende Konsequenzen.
Die Polizei geht gegen Kriminelle auf den Stationen härter vor als viele vermutet haben. Allein vom 10. bis 30. April kam es auf den zehn gefährlichsten Bahnhöfen zu 251 Einsätzen. Das geht aus dem Papier „Sicherheit – Einsatzlage Schwerpunktbahnhöfe“ aus dem Stab des Polizeipräsidenten hervor, das dem KURIER exklusiv vorliegt. Die meisten Kontrollen gab es am Leopoldplatz (48), Kottbusser Tor (46) und Alexanderplatz (42).
Der KURIER zeigt exklusiv die Anzahl der Vergehen auf den U-Bahnhöfen. Sie sind in der Reihenfolge Körperverletzung, Raub und Taschendiebstahl in ihrer Häufigkeit im Jahr 2010 aufgelistet. Aufgeführt sind die jeweils zehn „schlimmsten“ Stationen jeder Polizeidirektion. Eine Liste, die schockiert:
Nach dem Überfall auf einen 21-Jährigen im Berliner U-Bahnhof Amrumer Straße sucht die Polizei mit Bildern aus Überwachungskameras nach drei jungen Schlägern. Zu sehen ist, wie die Männer völlig enthemmt auf den 21-Jährigen einschlagen und einer gegen den Kopf des am Boden Liegenden springt. Das Trio bestiehlt sein schwer verletztes Opfer und entkommt dann unerkannt.
Bodo Pfalzgraf, Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft in Berlin, mahnt weitere Verbesserungen an: „Aktuell regelt die BVG in Ausschreibungen für private Sicherheitsunternehmen fast alles über den Preis und nicht über die Qualität. Die Polizei kann aber gemeinsame Sicherheitskonzepte nur mit qualifiziertem Personal von zertifizierten Firmen durchsetzen.“
Für Peter Trapp (CDU), Vorsitzender des Innenausschusses, reichen die jetzt in Neukölln gestarteten Doppelstreifen aus Polizei und BVG nicht aus: „Wir brauchen auf allen unsicheren Stationen täglich Sondereinsätze der Polizei, mindestens in Gruppenstärke, also mit zehn Mann. Dabei sollte es Razzien mit Drogen-Kontrollen und Platzverweisen geben.“
Mit der Veröffentlichung der Bilder hofft die Polizei, Hinweise zur Aufklärung zu erhalten.
Foto: dpa
Diese Tat veränderte sein Leben: Marcel auf der Flucht vor den brutalen Schlägern im U-Bahnhof Lichtenberg. An diese Szene kann sich das Opfer vage erinnern.
Foto: PolizeiBenedikt Lux von den Grünen: „Auch große Umsteigebahnhöfe wie Friedrichstraße und Ostkreuz brauchen Sicherheits-Einsätze. Läden auf den Bahnhöfen sollten zudem länger öffnen. Sie üben eine soziale Kontrolle aus.“ Der Berliner Fahrgastverband: fordert „gemeinsame Strategien von Landes- und Bundespolizei“.

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