Er kennt nur seinen Vornamen, weiß nicht einmal wie alt er ist. Seit Ray im Roten Rathaus um Hilfe bat, steht die Polizei vor einem bis jetzt unlösbaren Rätsel.
Er sagt, er habe im Wald gelebt. Gemeinsam mit seinem Vater Ryan sei er etwa fünf Jahre lang auf Wanderschaft gewesen. Wo, wisse wer nicht. Nur so viel, dass seine Mutter Doreen bei einem Autounfall vor fünf Jahren starb. Das habe ihm sein Vater erzählt, den er vor zirka zwei Wochen tot aufgefunden habe. „Selbst, wo das geschah, kann der Junge nicht sagen“, sagt ein Polizeisprecher. Ray will ihn in einer Grube begraben haben.
Zwei junge Franzosen wurden zehn Jahre lang von ihrem Vater in den Pyrenäen versteckt. Der Mann brachte die Söhne 1998 nach einem Besuch nicht zur Mutter zurück, sondern zog mit ihnen in die Berge nahe der spanischen Grenze. Zuletzt lebten die drei in einem Gehöft ohne Strom und fließendes Wasser. Sie hielten Schweine, Ziegen und Kaninchen und lebten von selbst angebautem Gemüse. Nachdem der „Waldmensch“ 2009 mit seinen inzwischen 17 und 18 Jahre alten Jungen entdeckt wurde, machte man ihm den Prozess. Er bekam eine milde Bewährungsstrafe, was auch an den Aussagen der Söhne lag: Sie berichteten von einer glücklichen Kindheit, in der es ihnen an nichts gefehlt habe. Ihre Mutter, die jahrelang nach ihnen suchte, hatten sie für tot gehalten.
Nachdem er am 5. September plötzlich im Roten Rathaus stand, kam Ray zum Kinder-Notdienst. Dort alarmierte man die Polizei. „Seitdem gehen wir die Vermisstenmeldungen bundesweit durch“, sagt ein Sprecher. Auch Interpol ist eingeschaltet. Ray spricht fließend englisch und nur gebrochen deutsch. Er macht einen gepflegten Eindruck und ist gesund. Die Polizei schätzt sein Alter auf etwa 18 Jahre. Am Freitag wurde ihm ein Vormund zugeteilt. KEI
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