Noch immer liegt Hells-Angels-Boss André Sommer auf der Intensivstation, sein Zustand ist nach wie vor kritisch. Ein Unbekannter hatte den 47-jährigen Sommer in der Nacht zu Sonntag mit mehreren Schüssen lebensgefährlich verletzt (KURIER berichtete). Ermittler befürchten jetzt ein weiteres Attentat auf den Rocker-Boss.
Der 47-Jährige war beim Verlassen seiner Gaststätte „Germanenhof“ von sechs Schüssen niedergestreckt worden. Nach derzeitigem Erkenntnisstand kannte Sommer den Schützen, sagte noch: „Was machst Du denn hier!“ Dann drückte der Unbekannte aus nächster Nähe mindestens sechsmal ab. Die Hintergründe der Tat sind unklar, die Polizei will sich zumindest offiziell nicht zu einem möglichen Motiv äußern. Doch innerhalb der Szene geht man eher von einem Machtkampf innerhalb der Hells Angels als von einem Angriff der konkurrierenden Bandidos aus.
Ganz egal wer letztlich für den Mordversuch verantwortlich ist: Sowohl bei der Polizei als auch in André Sommers Umfeld befürchtet man, dass der Täter versuchen könnte, „den Job zu Ende zu bringen und Sommer umzulegen“, wie ein Szenekenner sagt. Und weiter: „Eine Warnung sieht anders aus. Da werden dann die Kniescheiben weggeschossen oder das Opfer wird übelst zusammengeschlagen. Aber hier sollte und soll jemand getötet werden.“
Und so stehen rund das Virchowklinikum bewaffnete Polizeieinheiten, zivile Beamte schleichen umher, kontrollieren auffällige Personen. Auch die Intensivstation, auf der André Sommer derzeit liegt, wird rund um die Uhr von erfahrenen Einsatzkräften bewacht.
Für den Täter könnte Sommers Überleben möglicherweise den Tod bedeuten. Denn sollte der mächtige Rocker-Boss das Bewusstsein wiedererlangen, könnte er seinen Gefolgsleuten sagen, wer auf ihn geschossen hat – und eine Vergeltungsaktion anordnen. Dementsprechend nervös ist die Szene.
Muskelbepackte Rocker traten gestern auch gegenüber Journalisten extrem aggressiv auf, verlangten Namen, wollten die Berichterstatter sogar durchsuchen – alles unter den Augen der ebenso nervösen Polizei, die nicht eingriff. Den ganzen Tag kamen hochrangige Rocker aus ganz Deutschland zum Virchow-Klinikum, um den zum Schutz von Sommer aufgestellten Höllenengeln zu signalisieren: Wir verurteilen den Anschlag. Auch Kadir P., dessen Gefolgsleute dem jetzt niedergeschossenen André Sommer 2009 ein Messer in den Rücken rammten, betrat die Klinik, um seine Solidarität mit dem Ex-Feind zu zeigen.
Das Thema Rockerkriminalität war gestern unterdessen erneut Thema im Innenausschuss. Speziell ging es um einen Fragenkatalog der Grünen zu der verratenen und damit verpatzten Großrazzia gegen die Hells Angels vor gut zwei Wochen. Doch weder Innensenator Olaf Henkel noch Berlins Polizeichefin Margarete Koppers beantworteten sie. Stattdessen ließen sie LKA-Chef Christian Steiof einen weitestgehend bekannten Vortrag über Rockerkriminalität halten.
AMY, KOB, PDE, SCHA

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